Eine detaillierte Flächennutzungskarte mit grün und gelb markierten Zonen, mit A und B gekennzeichneten Flächen, einer Legende zur Erläuterung der verschiedenen Flächennutzungen und den umgebenden städtischen und ländlichen Landschaften.

Diese Wiesen sind nicht „wertlos“ – sie sind einfach noch nicht geschützt

Rund um den Offenburger Flugplatz gibt es Wiesen, über die derzeit viel gesprochen wird.
Die Stadt sagt: „Das sind wenig schützenswerte Flächen.“
Ein Blick auf die offiziellen Umweltkarten zeigt: So einfach ist es nicht.

Was zeigen die Karten wirklich?

In der Karte sind diese Flächen als sogenannte FFH-Lebensraumtypen eingezeichnet (blau schraffierte Flächen) – konkret als Magere Flachland-Mähwiesen (Typ 6510).

Das klingt technisch, bedeutet aber etwas sehr Einfaches:

  • Es handelt sich um ökologisch wertvolle Wiesen,
  • die heute selten geworden sind,
  • und europaweit als besonders wichtig für die Artenvielfalt gelten.

Diese Einstufung kommt nicht zufällig zustande. Sie basiert auf fachlichen Erhebungen, Pflanzenzusammensetzungen und Nutzungsformen.

Aber stehen diese Flächen unter Naturschutz?

Nein – noch nicht im rechtlichen Sinn.

Und genau hier entsteht die Verwirrung.

Es gibt einen wichtigen Unterschied zwischen:

  • ökologisch bedeutsam
    und
  • rechtlich geschützt

Die Karten zeigen:
👉 Hier gibt es einen Lebensraum, der nach EU-Kriterien wertvoll ist.

Sie sagen aber noch nicht:
👉 Hier gilt automatisch ein Bau- oder Nutzungsverbot.

Das heißt:

  • Die Wiesen sind fachlich als wertvoll erkannt,
  • aber politisch und rechtlich noch nicht abgesichert.

Bedeutet das: „Dann sind sie egal“?

Ganz klar: Nein.

Diese Flächen sind vergleichbar mit:

einem denkmalwürdigen Gebäude, das noch nicht unter Denkmalschutz steht.

Niemand käme ernsthaft auf die Idee zu sagen:

„Dann können wir es ja abreißen.“

Genau so ist es hier:

  • Die ökologische Bedeutung ist belegt,
  • der Schutzstatus hinkt nur hinterher.

Warum sind diese Wiesen überhaupt so besonders?

Magere Wiesen entstehen nur unter sehr speziellen Bedingungen:

  • wenig Dünger,
  • keine intensive Bewirtschaftung,
  • regelmäßige, aber schonende Mahd.

Solche Bedingungen gibt es heute kaum noch – aber oft auf Flugplätzen.
Deshalb sind Flugplatzflächen in ganz Europa bekannte Rückzugsräume für:

  • Wildbienen,
  • Schmetterlinge,
  • bodenbrütende Vögel,
  • seltene Pflanzenarten.

Was auf den ersten Blick unscheinbar wirkt, ist in Wirklichkeit ökologisch hoch spezialisiert.

Der entscheidende Punkt für die öffentliche Debatte

Wenn die Stadt sagt:

„Diese Flächen sind nicht geschützt“

dann ist das formal richtig.

Wenn daraus aber der Eindruck entsteht:

„Diese Flächen sind wertlos“

dann ist das inhaltlich falsch.

Richtig ist:

  • Die Wiesen sind ökologisch wertvoll,
  • fachlich anerkannt,
  • und potenziell schutzwürdig,
  • wurden aber bislang nicht konsequent gesichert.

Warum diese Frage jetzt wichtig ist

Gerade weil diese Flächen noch nicht unter besonderem Schutz stehen, sind sie jetzt gefährdet.

Denn:

  • Was nicht geschützt ist, kann verschwinden.
  • Was verschwindet, kann nicht zurückgeholt werden.
  • Und was einmal bebaut ist, ist für Generationen verloren.

Ein Satz zum Mitnehmen

Diese Wiesen sind nicht deshalb unwichtig, weil sie ungeschützt sind – sie sind ungeschützt, obwohl sie wichtig sind.

Siehe auch

  • https://www.lubw.baden-wuerttemberg.de/natur-und-landschaft/ffh-gebieten

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