Warum fehlende Transparenz bei der Gewerbeflächenanalyse Offenburg in die falsche Richtung führt. Offenburg steht vor einer weitreichenden Entscheidung. Es geht um Gewerbeflächen, um den Sonderlandeplatz, um einen Bürgerentscheid – und letztlich um die Frage, wie wir Stadt in Zeiten von Klimakrise, Flächenknappheit und gesetzlichen Vorgaben weiterentwickeln wollen.
Die Verwaltung verweist dabei auf eine Gewerbeflächenpotenzialanalyse, die den Mangel an sofort verfügbaren Gewerbeflächen bestätigen soll. Doch genau hier beginnt das Problem: Die eigentliche Analyse ist nicht öffentlich zugänglich.
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ToggleWas öffentlich ist – und was nicht
Dem Gemeinderat und der Öffentlichkeit liegt bislang lediglich eine Beschlussvorlage mit zusammengefassten Ergebnissen vor. Dort finden sich Bewertungen, Einordnungen und Schlussfolgerungen – aber keine vollständige Offenlegung der fachlichen Grundlage:
- keine Karten,
- keine vollständigen Flächenbilanzen,
- keine Bewertungsmatrix,
- keine Methodik im Detail,
- keine Abwägung alternativer Szenarien.
Gleichzeitig tauchen in Presseberichten konkrete Zahlen auf, die in der offiziellen Vorlage nicht enthalten sind. Zahlen, die für sich genommen groß wirken – deren Herkunft, Überlagerungen, zeitliche Verfügbarkeit und reale Aktivierbarkeit jedoch nicht überprüfbar sind.
So entsteht eine paradoxe Situation: Über Entscheidungen von enormer Tragweite wird öffentlich diskutiert, ohne dass die zugrunde liegenden Fakten vollständig einsehbar sind.
Warum das kein Detailproblem ist
Diese Intransparenz wäre schon für sich genommen kritisch. Sie wird aber besonders brisant vor dem Hintergrund geltenden Rechts und politischer Zielsetzungen:
Bund, Länder und Kommunen haben sich längst darauf verständigt, den Flächenverbrauch drastisch zu reduzieren. Das Ziel der Netto-Null beim Flächenverbrauch ist beschlossen. Neue Flächen sollen nur noch dann in Anspruch genommen werden, wenn an anderer Stelle gleichwertig entsiegelt oder zurückgebaut wird.
Das ist kein Wunschdenken, sondern die logische Konsequenz aus:
- dem Schutz von Böden als Lebensgrundlage,
- Klimaanpassung,
- Hochwasserschutz,
- Biodiversität,
- und der Verantwortung gegenüber kommenden Generationen.
Städte sollen sich künftig primär von innen heraus entwickeln.
Innenentwicklung braucht Ehrlichkeit – keine Abkürzungen
Niemand bestreitet, dass Innenentwicklung anspruchsvoll ist. Sie ist kleinteilig, konfliktträchtig, oft langwierig. Sie erfordert Eigentümergespräche, neue Instrumente, politische Prioritäten und manchmal unbequeme Entscheidungen. Aber gerade deshalb braucht sie Transparenz und Verlässlichkeit. Wenn eine Analyse zu dem Ergebnis kommt, dass Innenentwicklung „nicht ausreicht“, dann muss nachvollziehbar sein:
- woran genau sie scheitert,
- welche Potenziale realistisch sind,
- welche Instrumente bisher fehlen,
- und welche Alternativen ernsthaft geprüft wurden.
Ohne diese Offenlegung droht Innenentwicklung zur bloßen Pflichtübung zu verkommen – während neue Flächen am Stadtrand oder auf ökologisch wertvollen Arealen als vermeintlich einfache Lösung präsentiert werden.
Entscheidungen brauchen Licht, nicht Nebel
Ein Bürgerentscheid verlangt informierte Bürgerinnen und Bürger.
Ein Gemeinderat braucht belastbare Grundlagen.
Und eine Stadt, die sich zur nachhaltigen Entwicklung bekennt, muss bereit sein, ihre Entscheidungsgrundlagen offen zu legen.
Transparenz ist dabei kein Selbstzweck. Sie ist die Voraussetzung dafür, richtige Entscheidungen zu treffen – und falsche zu vermeiden.
Gerade in einer Zeit, in der Flächenverbrauch eigentlich Vergangenheit sein sollte, dürfen wir uns keine Entscheidungen leisten, die auf unvollständigen Informationen beruhen.
Innenentwicklung ist kein bequemer Weg. Aber sie ist der richtige. Und der erste Schritt dorthin heißt: alle Karten auf den Tisch.
Nachtrag: Warum wir Einsicht nach dem LIFG beantragt haben
Wir haben bei der Stadt Offenburg auf Grundlage des Landesinformationsfreiheitsgesetzes (LIFG) Einsicht in den vollständigen Analysebericht beantragt. Nicht aus Misstrauen, sondern aus Verantwortung.
Wenn aus einer fachlichen Untersuchung weitreichende politische Empfehlungen abgeleitet werden – bis hin zu einem Bürgerentscheid über neue Gewerbeflächen –, dann müssen Methodik, Annahmen und Ergebnisse vollständig nachvollziehbar sein. Nur so können Öffentlichkeit, Gemeinderat und Zivilgesellschaft die Schlussfolgerungen einordnen, prüfen und konstruktiv diskutieren.
Das LIFG ist kein Instrument der Konfrontation, sondern ein gesetzlich vorgesehenes Mittel, um Transparenz herzustellen und informierte Entscheidungen zu ermöglichen. Gerade in Zeiten, in denen wir uns dem Ziel eines Netto-Null-Flächenverbrauchs verpflichtet haben, braucht Stadtentwicklung Offenheit statt Abkürzungen.
Unsere Anfrage soll dazu beitragen, die Debatte auf eine gemeinsame, überprüfbare Faktenbasis zu stellen – damit Offenburg die richtigen Entscheidungen für seine Zukunft treffen kann.
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Dieser Beitrag hat einen Kommentar
Es gibt um den Flugplatz genügend Grundstücke, aber die Eigentümer wollen anscheinend nicht zu dem Preis verkaufen die Stadt anbietet, oder natürlich aus Umweltschutzgründen. Deshalb gehen die der letzten Reservefläche nun endlich an den Kragen. Das verstehen die Stadträte nicht oder wollen es nicht verstehen.