White bicycle painted white, decorated with white flowers and ribbons, leaning against a green wall; a wooden memorial plaque with a cross hangs from the front wheel.Quelle: © https://kfutd.de | CC BY-NC 4.0 International

Ride of Silence 2026 in Offenburg

Ein stiller Zug gegen das Vergessen. Am 20. Mai fand auch in Offenburg der internationale „Ride of Silence“ statt. Etwa 15 Menschen nahmen teil – von Kindern bis zu älteren Menschen. Gemeinsam fuhren sie in stillem Tempo durch die Stadt. Keine Musik. Keine Sprechchöre. Nur Fahrräder, Gespräche an den Haltepunkten und die spürbare Schwere der Geschichten hinter den weißen Rädern. Ein neues Ghost Bike wurde an diesem Abend aufgestellt. Fünf weitere Erinnerungsorte wurden besucht.

Die weißen Fahrräder stehen dort, wo Menschen beim Radfahren ihr Leben verloren haben. Sie sind Mahnmal und stille Anklage zugleich. Mitten im Alltag. An Straßenrändern, Kreuzungen und Einfahrten, an denen der Verkehr einfach weiterfließt. Viele Menschen fahren täglich achtlos daran vorbei. Doch wenn eine Gruppe gemeinsam davor anhält, schweigt und zuhört, verändert sich der Blick auf diese Orte.

Die Ansprache hielt Monika Kunscher vom ADFC Offenburg. Sie erinnerte daran, dass hinter jeder Zahl ein Mensch steht. Ein Leben. Angehörige. Freund:innen. Wege, die nie zu Ende gefahren wurden. Besonders eindrücklich wirkt der Ride of Silence gerade durch seine Ruhe. Zwei Stunden lang bewegte sich die Gruppe langsam durch Offenburg. Die weißen Räder wurden geschmückt, Kerzen entzündet, Namen und Alter der Verstorbenen genannt.

Darunter Menschen mit 13 Jahren. 25 Jahren. 33 Jahren. 56 Jahren. 63 Jahren.

Diese Orte erzählen auch etwas über unsere Straßen. Über hohe Geschwindigkeiten, fehlende Sicherheit und eine Verkehrspolitik, die schwächere Verkehrsteilnehmer oft noch immer an den Rand drängt. Der Ride of Silence macht sichtbar, dass Verkehrsunfälle keine abstrakten Ereignisse sind. Sie hinterlassen Lücken.

Und trotzdem war der Abend nicht nur traurig. Zwischen den Teilnehmenden entstand auch etwas Verbindendes. Menschen verschiedener Generationen fuhren gemeinsam. Kinder standen neben älteren Radfahrenden an den Mahnmalen. Es wurde geholfen, Lampions angebracht, Räder aufgestellt und Erinnerungen geteilt.

Vielleicht liegt genau darin die Kraft dieser Aktion:
Nicht laut zu sein, sondern sichtbar.
Nicht zu verdrängen, sondern hinzusehen.

Denn jedes weiße Fahrrad sagt:
Dieser Mensch hätte weiterleben sollen.

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