Die roten Folien sind bereits verschwunden. Die Gefahr für die Bäume nicht. Mit roten Folien und Plakaten hatten wir auf die Platanen in der Fischerstraße aufmerksam gemacht. Inzwischen hat jemand die Markierungen entfernt. Wer das war, wissen wir nicht.
Doch eines ist sicher:
Man kann die roten Folien entfernen. Die offenen Fragen verschwinden dadurch nicht.
Denn nach den uns vorliegenden Unterlagen soll eine ganze Reihe großer Platanen entlang der Fischerstraße und der angrenzenden Wohnanlage gefällt werden. Nach Angaben aus der Eigentümergemeinschaft geht es um neun etwa 30 Jahre alte Bäume. Deshalb haben wir eine Petition gestartet:
Inhalt
TogglePetition unterschreiben: Rettet die Platanen in der Fischerstraße!
Müssen wirklich alle Bäume gefällt werden?
Ausgangspunkt des Konflikts sind Schäden und Unebenheiten, die durch Baumwurzeln verursacht worden sein sollen. In einem Schreiben der BGV-Versicherung ist von Aufwerfungen des Straßenbelags mit Höhenunterschieden von bis zu neun Zentimetern die Rede. Außerdem werden mögliche Gefahren für einen öffentlichen Kanal und angrenzende Gebäude genannt. Als Konsequenz wurde die Fällung der betroffenen Platanen vorgesehen.
Wir bestreiten nicht, dass Wege sicher sein müssen. Stolperstellen dürfen nicht einfach ignoriert werden. Auch mögliche Schäden an Gebäuden und Leitungen müssen ernst genommen werden.
Aber daraus folgt noch nicht automatisch, dass eine ganze Baumreihe gefällt werden muss.
Eine von einem betroffenen Wohnungseigentümer eingeholte rechtliche Stellungnahme kommt zu einer deutlich anderen Einschätzung. Darin wird bezweifelt, dass die Fällung verhältnismäßig ist. Als mögliches milderes Mittel wird unter anderem das Abfräsen beziehungsweise die Reparatur der aufgeworfenen Flächen genannt. Die Versicherung müsse darlegen, weshalb die Gefahr ausschließlich durch eine Fällung beseitigt werden könne.
Genau deshalb fordern wir eine unabhängige Prüfung, bevor unumkehrbare Tatsachen geschaffen werden.
Sicherheit und Baumerhalt dürfen kein Widerspruch sein
Es geht nicht darum, Gefahren kleinzureden. Es geht darum, die richtige Reihenfolge einzuhalten:
Zuerst müssen die Schäden fachlich untersucht werden. Dann müssen alle Möglichkeiten zum Erhalt der Bäume geprüft werden. Dazu können je nach Standort beispielsweise neue Wegebeläge, Wurzelbrücken, angepasste Wegeführungen, punktuelle Reparaturen oder technische Schutzmaßnahmen an Gebäuden und Leitungen gehören.
Erst wenn nachvollziehbar belegt ist, dass solche Lösungen nicht möglich, nicht dauerhaft oder völlig unverhältnismäßig wären, darf eine Fällung überhaupt als letzter Schritt zur Diskussion stehen.
Im Fall der Fischerstraße ist bislang nicht transparent erkennbar, ob diese Prüfung umfassend stattgefunden hat.
Offenburg kann sich den Verlust großer Bäume kaum leisten
Der Fall erhält zusätzliche Bedeutung durch den Hitze-Check 2026 der Deutschen Umwelthilfe. Offenburg gehört darin zu den am schlechtesten bewerteten Städten Deutschlands. Die DUH weist für Offenburg lediglich einen Beschirmungsgrad von 12,78 Prozent aus. Zwischen 2018 und 2025 stieg die Versiegelung demnach um weitere 0,5 Prozentpunkte; zugleich wurden in der Auswertung 2.243 verlorene Bäume festgestellt. (Deutsche Umwelthilfe e.V.)
Die neun Platanen können diese gesamtstädtische Entwicklung selbstverständlich nicht allein umkehren. Aber sie stehen beispielhaft für ein grundsätzliches Problem: Während wir über Klimaanpassung, Hitzeschutz und mehr Schatten sprechen, geraten gleichzeitig große, jahrzehntelang gewachsene Bäume unter Druck.
Ein neu gepflanzter Jungbaum ist wichtig. Er ersetzt aber auf Jahrzehnte nicht die Schattenwirkung, die Verdunstungsleistung und das Kronenvolumen eines großen Bestandsbaums.
Wer heute einen großen Baum fällt, verliert seinen Schatten für viele Jahre.
Ohne Baumschutz geraten private Bäume besonders unter Druck
Offenburg hat weiterhin keine Baumschutzsatzung. Der Gemeinderat lehnte im November 2025 die Fortsetzung des Verfahrens mit 19 zu 15 Stimmen bei einer Enthaltung ab. Gleichzeitig beschloss er ein Stadtbaumkonzept, das sich jedoch vor allem auf die kommunale Planung und den städtischen Baumbestand richtet. (ratsinfo.offenburg.de)
Gerade der Fall Fischerstraße zeigt die bestehende Lücke: Viele für das Stadtklima besonders wertvolle Bäume stehen auf privaten Grundstücken. Dort treffen Eigentumsrecht, Verkehrssicherung, Versicherungsfragen, finanzielle Belastungen und das öffentliche Interesse am Klimaschutz unmittelbar aufeinander.
Private Eigentümer dürfen mit solchen Konflikten nicht allein gelassen werden. Offenburg braucht deshalb nicht nur Schutzvorschriften, sondern auch Förderung, Beratung und praktische Unterstützung.
Dazu gehören aus unserer Sicht:
- Zuschüsse für baumerhaltende Reparaturen und technische Lösungen,
- kostenlose oder geförderte fachliche Beratung,
- transparente Verfahren vor größeren Fällungen,
- ein wirksamer Schutz besonders großer und klimarelevanter Bäume,
- eine vorläufige Sicherung gefährdeter Bestandsbäume, bis über eine Baumförder- und Baumschutzsatzung entschieden wurde.
Baumschutz darf nicht bedeuten, Eigentümern lediglich neue Pflichten aufzuerlegen. Wer einen großen Baum erhält, erbringt eine Leistung für die gesamte Nachbarschaft und für das Stadtklima. Diese Leistung muss anerkannt und unterstützt werden.
Was die Petition fordert
Mit unserer Petition verlangen wir keine Entscheidung vom Schreibtisch aus. Wir fordern vielmehr, dass vor der Fällung sorgfältig und transparent geprüft wird.
Die geplanten Fällungen sollen zunächst ausgesetzt werden. Unabhängige Fachleute sollen untersuchen, welche Bäume tatsächlich für welche Schäden verantwortlich sind und welche Möglichkeiten zu ihrem Erhalt bestehen. Die Ergebnisse und die zugrunde liegenden Gutachten müssen für die Betroffenen nachvollziehbar offengelegt werden.
Eigentümergemeinschaft, Verwaltung, Versicherung, Stadt und Fachleute sollten gemeinsam eine Lösung suchen, die sichere Wege ermöglicht und möglichst viele der großen Platanen erhält.
Zugleich erwarten wir von Gemeinderat und künftiger Stadtspitze politische Konsequenzen: Offenburg braucht endlich ein wirksames Zusammenspiel aus Baumförderung und Baumschutz.
Die Fischerstraße kann zum Wendepunkt werden
Die Platanen stehen nicht irgendwo auf einer abstrakten Karte. Menschen sehen sie aus ihren Fenstern. Sie gehen täglich unter ihren Kronen hindurch. Die Bäume verschatten Wohnungen und Balkone, prägen die Wohnanlage und machen den Unterschied zwischen einem aufgeheizten Straßenraum und einem einigermaßen erträglichen Aufenthaltsort.
An diesem konkreten Fall entscheidet sich, wie ernst Offenburg seine eigenen Aussagen zur Klimaanpassung nimmt.
Gelingt es, die Verkehrssicherheit herzustellen und die Bäume zu erhalten, kann daraus ein Beispiel für andere Standorte entstehen. Werden sie gefällt, ohne dass alle Alternativen nachvollziehbar geprüft wurden, droht ein gefährlicher Präzedenzfall.
Deshalb bitten wir alle Offenburgerinnen und Offenburger:
Unterschreibt jetzt die Petition und helft mit, die Platanen in der Fischerstraße zu retten.
Neun Bäume sind kein Wald. Aber für diese Straße sind sie unersetzlich.
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