Zwei Tage voller Kunst, Erinnerung, Musik und Zukunftsbilder: Am 19. und 20. September wird unser Atelier für Urban Transformation Design zum offenen Raum für alle, die Offenburg nicht nur betrachten, sondern mitgestalten wollen.
Vor unserem Atelier steht ein Baum. Vor drei Jahren haben wir ihn schon einmal geschmückt. Damals war die rote Umhüllung keine Dekoration. Sie war ein Warnsignal. Dieser Baum sollte gefällt werden – wie so viele andere Bäume entlang der Weingartenstraße. Er wurde zum sichtbaren Zeichen für eine Planung, bei der gewachsene Stadtbäume, Schatten und Lebensqualität beinahe unter die Räder gekommen wären.
Heute steht dieser Baum noch immer vor unserem Atelier. Und wieder trägt er Rot. Doch dieses Mal ist er nicht in Gefahr. Dieses Mal ist er selbst Teil unserer Ausstellung: ein lebendiges Exponat, ein stiller Zeuge und eine Erinnerung daran, dass Protest Spuren hinterlassen kann. Dass Widerstand nicht immer laut sein muss, um Wirkung zu entfalten. Und dass es sich lohnt, für das einzustehen, was eine Stadt lebenswert macht.
Vielleicht erzählt kein anderes Ausstellungsstück so gut, worum es im Atelier für Urban Transformation Design geht. Es geht um das, was ist. Um das, was verloren gehen könnte. Und vor allem um das, was möglich wäre.
Quelle: Uwe Nestlen | All Rights ReservedInhalt
ToggleEin Atelier zwischen Kunst und Einmischung
Am Samstag, 19. September, und Sonntag, 20. September 2026, öffnen wir im Rahmen der Offenen Ateliers Offenburg unsere Türen in der Weingartenstraße 35. Unser Atelier ist kein weißer, stiller Raum, in dem Kunst mit Abstand betrachtet werden soll. Es ist eine Protestwerkstatt. Ein Ort voller Bilder, Spuren, Materialien, Entwürfe und Erinnerungen. Ein Raum, in dem Kunst und Aktivismus keine Gegensätze sind, sondern sich gegenseitig Kraft geben.
Hier hängen keine neutralen Bilder einer neutralen Stadt. Hier geht es um Offenburg, um Veränderung und um die Frage, wer diese Veränderung eigentlich gestaltet.
Offenburg im Wandel
Der Fotograf und Filmemacher Uwe Nestlen zeigt unter dem Titel „Offenburg im Wandel“ seine Sicht auf eine Stadt, die niemals fertig ist. Seine Fotografien erzählen von Orten, die sich verändern, von Brüchen, Verlusten und neuen Möglichkeiten.
Zu sehen sind außerdem seine Künstlerfotografien aus dem Spitalkeller. Sein Film über Offenburg erweitert den Blick und führt zu weiteren Orten des Wandels – zu Räumen, an denen sichtbar wird, wie sehr sich unsere Stadt verändert und wie wichtig es ist, diese Veränderungen nicht einfach geschehen zu lassen. Denn Wandel ist niemals neutral. Immer stellt sich die Frage: Wer entscheidet? Wer profitiert? Wer wird gehört? Und wer bleibt zurück?
Protest hat viele Formen
Auch wir von der KfUTD öffnen unser Archiv und zeigen Protestmaterialien aus mehreren Jahren zivilgesellschaftlichen Engagements. Dazu gehören unsere Plakate und Transparente, die Pappmaché-Plastiken von Ulla Köhn, Linoldrucke von Betty Wilke und die vielfältige Plakatkunst, mit der wir unsere Fragen, Forderungen und manchmal auch unsere Wut in den öffentlichen Raum getragen haben.
Manche dieser Arbeiten entstanden aus konkreten Konflikten. Andere aus der Hoffnung auf eine andere Stadt. Viele von ihnen waren auf Demonstrationen, bei Straßenfesten, Diskussionen und Aktionen dabei. Sie sind Gebrauchsspuren gelebter Demokratie. Auch die Musik von „Stadtstaub“ kann im Atelier gehört werden. Songs über die Stadt, über Demokratie und Zusammenhalt, über Reibung, Widerspruch und die Notwendigkeit, trotz aller Unterschiede miteinander im Gespräch zu bleiben.
Quelle: Uwe Nestlen | All Rights ReservedWie könnte diese Stadt aussehen?
Zwischen Fotografien, Plakaten und Protestmaterialien stehen unsere Modellbauten. Sie zeigen keine fertigen Masterpläne. Sie sind Einladungen zum Denken. Was wäre, wenn unsere Straßen nicht zuerst vom Auto her gedacht würden, sondern von den Menschen?
Wo könnten Bäume wachsen, Kinder spielen und Nachbarinnen und Nachbarn miteinander ins Gespräch kommen? Wie schaffen wir Schatten, Aufenthaltsqualität und sichere Wege? Wie sieht eine Stadt aus, die Klimaanpassung und soziale Gerechtigkeit nicht nur verspricht, sondern sichtbar werden lässt?
Unsere Modelle geben darauf keine endgültigen Antworten. Aber sie schaffen etwas, das politischen Debatten oft fehlt: ein Bild davon, dass es auch anders gehen könnte. Zukunft beginnt schließlich nicht erst dann, wenn alle Pläne fertig sind. Sie beginnt in dem Moment, in dem Menschen anfangen, sie sich gemeinsam vorzustellen.
Nicht nur anschauen – selbst gestalten
Unser Atelier soll kein Ort des bloßen Betrachtens sein. Besucherinnen und Besucher dürfen selbst ins Handeln kommen. Der Offenburger Künstler Elias Erred lädt an beiden Tagen ab 11 Uhr zum Spanplattendruck ein. Dabei wird unmittelbar erfahrbar, wie aus einer groben Platte, Farbe, Druck und Bewegung ein unverwechselbares Bild entsteht.
Am Samstag ab 13 Uhr bietet Olga Richter vom Chaos Comic Club Comiczeichnen und Plakatgestaltung an. Es braucht dafür keine künstlerische Ausbildung und keine perfekten Ideen. Es braucht nur Neugier, Lust am Ausprobieren und vielleicht eine Botschaft, die endlich sichtbar werden soll. Denn Gestaltung ist kein Privileg für Fachleute. Gestaltung ist eine Form der Teilhabe.
Mit Uli Albicker über Offenburgs Zukunft sprechen
Am Sonntag wird das Atelier außerdem zum politischen Gesprächsraum. Von 15 bis 17 Uhr ist der parteilose Oberbürgermeisterkandidat Uli Albicker bei uns zu Gast. Er steht für Fragen, Anregungen und persönliche Gespräche zur Verfügung.
Kein großes Podium, keine lange Rede und keine unüberwindbare Distanz zwischen Kandidat und Bürgerschaft: Mitten zwischen Stadtmodellen, Fotografien, Protestplakaten und Zukunftsentwürfen kann darüber gesprochen werden, welche Veränderungen Offenburg braucht.
Wie wollen wir künftig miteinander leben? Wie schützen wir das Stadtgrün? Wie schaffen wir Raum für Begegnung, Kultur und Beteiligung? Und wie wird aus dem oft beschworenen Dialog eine Politik, die tatsächlich zuhört und handelt? Ein passenderer Ort für solche Gespräche lässt sich kaum vorstellen.
Wir feiern den Abschluss – und vielleicht einen Anfang
Am Sonntag laden wir von 17 bis 19 Uhr zur Finissage ein. Wir wollen die Ausstellung nicht einfach beenden, sondern gemeinsam ausklingen lassen: mit Kunst, Musik, Gesprächen und den Gedanken, die an diesem Wochenende entstanden sind. Vielleicht geht jemand mit einer neuen Idee nach Hause. Vielleicht mit einem selbst gedruckten Bild. Vielleicht mit einer Frage, die vorher noch nicht da war. Vielleicht mit dem Entschluss, sich einzumischen.
Und draußen vor dem Atelier steht dieser Baum. Vor drei Jahren war er ein Symbol der Bedrohung. Heute ist er Teil einer Ausstellung über Wandel, Protest und Zukunft. Er erinnert uns daran, dass eine Stadt nicht nur aus Straßen, Gebäuden und Verwaltungsplänen besteht. Eine Stadt besteht aus Erinnerungen. Aus Konflikten. Aus Ideen. Und aus Menschen, die nicht wegsehen.
Kommt vorbei. Schaut euch um. Hört zu. Fragt nach. Druckt, zeichnet, diskutiert und mischt euch ein. Denn Stadt entsteht nicht nur im Rathaus. Stadt entsteht dort, wo Menschen beginnen, sie gemeinsam zu gestalten.
Das Programm
Samstag, 19. September 2026
- 11 bis 18 Uhr: Ausstellung und offenes Atelier
- ab 11 Uhr: Spanplattendruck mit Elias Erred
- ab 13 Uhr: Comiczeichnen und Plakatgestaltung mit Olga Richter vom Chaos Comic Club
Sonntag, 20. September 2026
- ab 11 Uhr: Ausstellung, offenes Atelier und Spanplattendruck mit Elias Erred
- 15 bis 17 Uhr: OB-Kandidat Uli Albicker im persönlichen Gespräch
- 17 bis 19 Uhr: Finissage
Atelier für Urban Transformation Design
Weingartenstraße 35
77654 Offenburg
Bildquellen
- PXL_20260916_152115881: © https://kfutd.de | CC BY-NC-SA 4.0 International
- WhatsApp Image 2026-09-16 at 17.23.26(2): Uwe Nestlen | All Rights Reserved
- WhatsApp Image 2026-09-16 at 17.23.26: Uwe Nestlen | All Rights Reserved
- ChatGPT Image 10. Nov. 2025, 13_55_44: © https://kfutd.de | All Rights Reserved
- eule logo kfutd spenden: © https://kfutd.de | CC BY-NC 4.0 International



