Ein Manifest für die urbane Transformation im 21. Jahrhundert
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Städte stehen heute vor Herausforderungen, die keine Kommune allein lösen kann. Klimawandel, soziale Ungleichheit, Flächenverbrauch, Verlust biologischer Vielfalt, Mobilitätsfragen und die Krise demokratischer Beteiligung betreffen Städte in ganz Europa.
Gleichzeitig sind Städte die Orte, an denen Veränderung konkret wird. Hier entscheiden sich Lebensqualität, gesellschaftlicher Zusammenhalt und die Fähigkeit, sich an eine sich wandelnde Welt anzupassen.
Wir sind überzeugt, dass die Stadt der Zukunft nicht allein durch technische Innovation entsteht. Sie entsteht durch das Zusammenspiel von Bürgerinnen und Bürgern, Wissenschaft, Politik, Verwaltung, Wirtschaft und Zivilgesellschaft.
Die Transformation unserer Städte muss ökologisch tragfähig, sozial gerecht, demokratisch legitimiert und kulturell vielfältig sein.
Aus diesem Verständnis heraus formulieren wir die Offenburger Erklärung für lebenswerte, klimaresiliente und demokratische Städte
1. Die Stadt gehört allen
Öffentlicher Raum ist Gemeingut.
Straßen, Plätze, Parks und Grünflächen sind keine Restflächen zwischen Gebäuden, sondern die Bühne des gesellschaftlichen Lebens.
Ihre Nutzung muss sich am Gemeinwohl orientieren und nicht an den Bedürfnissen einzelner Interessengruppen.
Jeder Mensch hat unabhängig von Alter, Einkommen, Herkunft oder körperlichen Voraussetzungen das Recht auf Teilhabe am öffentlichen Raum.
2. Klimaresilienz ist eine Pflichtaufgabe
Der Klimawandel ist keine zukünftige Herausforderung, sondern Realität.
Hitzewellen, Trockenheit, Starkregen und Extremwetterereignisse bedrohen Gesundheit, Infrastruktur und Lebensqualität.
Deshalb verpflichten wir uns zu:
- Schutz und Ausbau des Stadtgrüns
- Erhalt bestehender Bäume als wertvolle Infrastruktur
- Entsiegelung versiegelter Flächen
- Schwammstadt-Konzepten
- Vorrang für natürliche Klimaanpassungsmaßnahmen
- klimaresilienter Stadtplanung
Jede Entscheidung über den öffentlichen Raum muss künftig auch unter dem Gesichtspunkt der Klimaanpassung bewertet werden.
3. Kurze Wege schaffen Lebensqualität
Die Stadt der Zukunft ist eine Stadt der Nähe.
Die wichtigsten Ziele des täglichen Lebens sollen möglichst zu Fuß, mit dem Fahrrad oder durch einen leistungsfähigen öffentlichen Verkehr erreichbar sein.
Wir unterstützen die Vision der 15-Minuten-Stadt:
- Wohnen
- Bildung
- Gesundheit
- Kultur
- Nahversorgung
- Freizeit
- Arbeit
sollen wohnortnah erreichbar sein.
Dies stärkt soziale Beziehungen, reduziert Verkehr und erhöht die Lebensqualität.
4. Fußverkehr zuerst
Jeder Mensch ist Fußgängerin oder Fußgänger.
Deshalb muss die Planung von Städten konsequent von den Bedürfnissen der zu Fuß Gehenden ausgehen.
Wir fordern:
- sichere Querungen
- barrierefreie Wege
- ausreichend breite Gehwege
- Schutz vor Hitze und Starkregen
- Aufenthaltsqualität statt reiner Verkehrsfunktion
Eine Stadt ist dann erfolgreich, wenn sich Kinder, ältere Menschen und mobilitätseingeschränkte Personen selbstständig und sicher bewegen können.
5. Bürgerbeteiligung ist mehr als Information
Demokratie erschöpft sich nicht in Wahlen.
Menschen müssen die Möglichkeit haben, ihre Stadt aktiv mitzugestalten.
Wir setzen uns ein für:
- frühzeitige Beteiligung
- Bürgerräte
- Einwohnerversammlungen
- Transparenz kommunaler Entscheidungen
- offenen Zugang zu öffentlichen Daten
- digitale und analoge Beteiligungsformate
Beteiligung darf nicht als Störung betrachtet werden, sondern als Voraussetzung guter Entscheidungen.
6. Wissen muss öffentlich sein
Daten, die mit öffentlichen Mitteln erhoben werden, sollen grundsätzlich öffentlich zugänglich sein.
Open Data stärkt Demokratie, Wissenschaft, Bildung und Innovation.
Kommunale Informationen sollen maschinenlesbar, nachvollziehbar und kostenfrei bereitgestellt werden, soweit keine berechtigten Schutzinteressen entgegenstehen.
Transparenz schafft Vertrauen.
7. Soziale Gerechtigkeit ist Voraussetzung nachhaltiger Entwicklung
Eine nachhaltige Stadtentwicklung kann nur gelingen, wenn sie soziale Fragen berücksichtigt.
Wir treten ein für:
- bezahlbaren Wohnraum
- gerechte Teilhabe
- generationengerechte Politik
- Zugang zu Bildung und Kultur
- diskriminierungsfreie Stadtentwicklung
Die ökologische Transformation darf niemanden zurücklassen.
8. Die Stadt als Lernort
Transformation ist ein gemeinsamer Lernprozess.
Fehler, Experimente und neue Ideen gehören dazu.
Wir unterstützen:
- Reallabore
- temporäre Nutzungen
- Bürgerexperimente
- wissenschaftliche Begleitforschung
- kulturelle und kreative Formen des Wandels
Städte müssen Orte werden, an denen Zukunft ausprobiert werden darf.
9. Kultur und Demokratie gehören zusammen
Kulturelle Vielfalt stärkt gesellschaftlichen Zusammenhalt.
Kunst, Kultur und zivilgesellschaftliches Engagement schaffen Räume für Begegnung, Debatte und gemeinsames Handeln.
Eine resiliente Stadt fördert kulturelle Teilhabe ebenso wie ökologische und soziale Nachhaltigkeit.
10. Lokales Handeln, globale Verantwortung
Die Herausforderungen des 21. Jahrhunderts sind global.
Unsere Antworten beginnen vor Ort.
Jede Baumpflanzung, jede entsiegelte Fläche, jeder sichere Schulweg, jede gelungene Beteiligung und jede solidarische Nachbarschaft trägt zu einer nachhaltigen Entwicklung bei.
Städte sind nicht nur Verwaltungsräume.
Sie sind Gemeinschaften von Menschen.
Die Zukunft Europas wird nicht allein in Parlamenten oder Ministerien entschieden.
Sie wird auf Straßen, Plätzen, Schulhöfen, in Quartieren und Nachbarschaften gestaltet.
Schlussformel
Wir laden Bürgerinnen und Bürger, Initiativen, Vereine, Wissenschaft, Verwaltung und Politik ein, diese Erklärung weiterzuentwickeln, zu diskutieren und mit Leben zu füllen.
Die urbane Transformation ist kein fertiger Plan.
Sie ist ein gemeinsamer Weg.
Offenburg, Deutschland
Konferenz für Urban Transformation Design (KfUTD)
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