Du betrachtest gerade Offenburgs Bäume im Würgegriff der Stadtentwicklung – Ein Herzschlag zwischen Hoffnung und Verlust

Offenburgs Bäume im Würgegriff der Stadtentwicklung – Ein Herzschlag zwischen Hoffnung und Verlust

Der Gemeinderat bleibt standhaft und die Stadtplanung gibt endlich ihr Mantra auf, dass keine Bäume gefällt würden.

Bei der Präsentation im Verkehrsauaschuss am 22.01. zeigt die Stadtverwaltung auf, dass im besten Fall 50 Bäume gefällt werden (43 davon in der Weingartenstraße) und in der schlechtesten Variante 103 Bäume den aktuellen Planungen weichen müssen. Das ist dann schon nah an unseren Zählungen. Wir kommen nach wie vor auf über 120 Bäume, wenn wir die vorliegenden Pläne durchzählen.

Der beste Fall (50 Bäume laut Stadtverwaltung) bedeutet die optimale Führung der Radwege mit Borsteinen aber auch den Verzicht auf fast alle Parkplätze entlang der Moltkestraße. Ebenfalls fallen weg sämtliche Abbiegespuren, teilweise auch an der Kreuzung Weingartenstraße – Moltkestraße. Der große Nachteil allerdings ist und bleibt. Die Kreuzung wird größer, die Bäume vor der Volkbank fallen und werden auch nicht mehr nachgepflanzt. Ebenso fallen alle Bäume entlang der Weingartenstraße vom Arbeitsamt über Budni und Kulturforum. Das versucht die Stadt zwar auf die natürliche Lebensdauer der Bäume zu schieben, spricht im zweiten Satz allerdings von einer Realisierung binnen 10 Jahren.

Im schlimmsten Fall (103 Bäume laut Stadtverwaltung) passiert in der Weingartenstraße genau das selbe. Alle Bäume weg in einem Zeitraum von 10 Jahren. Und zusätzlich nochmal 60 Bäume in der Moltkestraße. Die Kreuzung wird noch mächtiger, in alle vier Richtungen müssen die Bäume weichen. So ist zum Beispiel die komplette Allee von der Tankstelle bis zur Weingartenstraße und weiter über die Gewerbeschule Geschichte. Erhalten bleiben die Parkplätze, die Weingartenstraße wird für den motorisierten Verkehr noch durchlässiger, die Verkehrswende wird bis auf die tatsächlich breiteren Radwege (teils als Radfahrstreifen auf der Straße) ad absurdum geführt.

Dennoch, den Vortrag dieser Lösungen führt die Stadtverwaltung optimistisch. Aus dem Projektbegleitgremium wird berichtet, dass wir uns alle einig gewesen wären und uns die grünen, zustimmenden Kärtchen zu den Plänen der Stadt ausgegangen seien. In den Plänen der zentralen Weingartenstraße klebt gerade mal ein grünes Kärtchen. Und das steht für den Erhalt des Rundumgrün für Fussgänger und Radfahrende an der Kreuzung (das ist längst beschlossen). In den unkritischeren nordlichen und östlichen Randbereichen sind es ein paar grüne Kärtchen mehr. Kein Grund zur Freunde. So lehnt das Projektbegleitgremium gemeinsam alle Unterverianten ab, den die sind fast ausschließlich rot gekennzeichnet.

Mit Blick auf die Einbahnstraßenlösungen wird dem Verkehrsausschuss wenig begeistert berichtet, dass das zwar möglich, aber auch nicht optimal sei. Zusammen mit einer Umweltspur ergeben sich im Grunde keine Einsparungen in den Querschnitten der Straßen und die Modelle ergeben Verlagerungen in die Nebenstraßen. Aus unserer Sicht sind die drei vorstellten Modelle nicht zu Ende gedacht. Die Anregungen aus dem Projektbegleitgremium wurden bisher nicht berücksichtigt. So wurde dort unter anderem festgestellt, dass es in der Moltkestraße keine Einbahnstraßenlösung braucht, sondern die Modelle dies für verschiedene Richtungen in der Weingartenstraße modellieren sollten. Das liegt bisher nicht vor uns so kann keine belastbare Aussage getroffen werden, wohin und in welchem Umfang sich der Verkehr verlagern würde.

In der anschließenden Diskussion sprechen sich alle Gemeinderäte mehr oder weniger vehement für den Erhalt aller Bäume aus. Die Sorgen gehen über die Bäume hinaus vor allem um die Parkplätze, die Erreichbarkeit des Einzelhandels und Sinn oder Unsinn der hohen Investionen für genau diese beiden Straßen. Auch wird angemerkt, dass noch keine Erkenntnisse zur Nutzung der Fahrradstraße in der Zellerstraße vorliegen und auch dies bisher immer vom Gemeinderat eingefordert wurde.

Für uns bedeutet dies, die Karten liegen auf dem Tisch. Wir wissen klar, um welche Größenordnungen von Bäumen wir weiterhin ringen müssen. Es sind nach wie vor 50 bis deutlich über 100 Bäume, die von der Säge bedroht sind. Darunter auch die ganz großen. Nicht zuletzt die Linde bei Vivil auf Höhe der Werderstraße. Ein Baum, der dort seit 140 Jahren wächst und seither maßgeblich zum Stadtklima beiträgt. Wie können wir Menschen es uns anmaßen, solch einem Baum maximal noch 10 Jahre Lebenszeit zu bescheinigen?

Heute Abend findet im Schillersaal um 18 Uhr eine Öffentlichkeitsinformationsveranstaltung der Stadt Offenburg statt. Die aktuellen Pläne werden aushängen und hoffentlich gibt es auch die Möglichkeit, sich dazu zu äußern. Nutzt die Gelegenheit und schreibt (rote) Kärtchen mit euren Anmerkungen, Ideen, Wünsche, Kritik und heftet diese an die Pläne. Sagt der Stadtverwaltung, was ihr von diesen Plänen haltet.

Rettet unsere Alleen!

Unterschreib hier unsere aktuelle Petition: https://chng.it/PBLncxYVgs

Schreibe einen Kommentar