Offenburg 2100: Wie wir eine immense Erwärmung noch verhindern können

Zwischen Hochglanzstrategien und Realität: Offenburgs Klimapolitik auf dem Prüfstand

Offenburg, die sonnigste Stadt Deutschlands, steht vor einer dramatischen Klimaveränderung. Laut aktuellen Prognosen könnten die Temperaturen bis zum Jahr 2100 um bis zu 6,1 Grad Celsius steigen (Quelle). Solche Werte würden die Stadt nicht nur in ein hitzegeplagtes Pflaster verwandeln, sondern auch massive Auswirkungen auf Gesundheit, Umwelt und Lebensqualität haben. Doch statt konsequenter Gegenmaßnahmen wird die Entwicklung oft ignoriert oder sogar durch neue Straßenbauprojekte weiter angeheizt.

Verkehrswende oder Straßenbau? Die falschen Weichenstellungen

Die Stadtverwaltung präsentiert ambitionierte Pläne zur Klimaanpassung und nachhaltigen Mobilität, während der Gemeinderat parallel den Bau der Nordspange und des Südzubringers vorantreibt. Diese Straßenprojekte werden nicht, wie oft behauptet, den Verkehr entlasten, sondern noch mehr Autos in die Stadt bringen – ein bewiesener Effekt des induzierten Verkehrs (Mehr dazu). Mit jeder neuen Straße wird Offenburg noch autogerechter, anstatt endlich mutig Flächen für nachhaltige Mobilität umzuwidmen.

Zugleich wird durch Großbauprojekte wie die neue Klinik, das Landratsamt, den Sportpark und die Landesgartenschau weiter Boden versiegelt (Analyse). Dadurch erhitzen sich versiegelte Flächen tagsüber stark und geben nachts die gespeicherte Wärme ab – die sogenannte Hitzeinselwirkung verschärft sich (UBA-Studie).

Bürgerbeteiligung als Feigenblatt?

Die Stadt betont immer wieder ihre Bemühungen um eine breite Beteiligung der Bürger*innen an der Klimapolitik. Doch oft sind es lediglich Informationsveranstaltungen, bei denen die Verwaltung ihre Pläne präsentiert, anstatt echte Mitsprache zuzulassen. Kritische Stimmen verpuffen, alternative Ideen werden kaum beachtet. Wer jedoch die Gesellschaft wirklich einbinden will, muss mehr tun als Symbolpolitik.

Doch trotz dieser strukturellen Probleme gibt es einen Hoffnungsschimmer: Veränderung beginnt lokal und sie beginnt jetzt.

Was muss jetzt konkret passieren?

1. Stoppt den Straßenausbau, forciert die Verkehrswende!

  • Anstelle von Nordspange und Südzubringer braucht es eine massive Ausweitung von ÖPNV, Rad- und Fußverkehr.
  • Autoarme Zonen und Tempo-30 flächendeckend einrichten – weniger Abwärme, weniger CO2, mehr Lebensqualität (UBA-Fakten).
  • Ausbau von Carsharing und multimodaler Mobilität – jeder Offenburgerin muss eine Alternative zum eigenen Auto haben (Carsharing-Studie).

2. Weniger Beton, mehr Grün!

  • Keine weiteren versiegelten Flächen durch Großprojekte ohne echte Ausgleichsmaßnahmen.
  • 1000 neue Stadtbäume bis 2030! Bäume sind die natürlichste Klimaanlage und können die Temperatur in Straßenzügen um bis zu 10 Grad senken (Baumstudie).
  • Fassaden- und Dachbegrünung verpflichtend machen – Wer neu baut oder saniert, sollte begrünte Flächen schaffen.
  • Entsiegelung vorantreiben: Umwandlung von versiegelten Plätzen in kleine Parks und begrünte Aufenthaltsorte.

3. Energiewende lokal umsetzen!

  • Alle städtischen Gebäude mit Solarenergie ausstatten, private Solaranlagen massiv fördern.
  • Bürger-Energieprojekte ausbauen: Die Menschen müssen direkt an der Energiewende teilhaben können (Bürgerenergie-Modell).
  • Gebäudesanierung forcieren: Weniger Energieverbrauch durch gute Dämmung spart nicht nur CO2, sondern auch Heizkosten (Sanierungsförderung).

4. Klimaanpassung sofort umsetzen!

  • Hitzeaktionsplan mit kühlen Räumen und Trinkbrunnen – die Stadt muss Vorsorge treffen, damit besonders vulnerable Gruppen geschützt sind (Hitzeaktionsplan Berlin).
  • Schwammstadt-Konzept etablieren: Mehr Wasser in der Stadt halten, anstatt es in die Kanalisation zu leiten (Schwammstadt-Erklärung).
  • Parks und öffentliche Plätze mit Nebelduschen ausstatten, wie es Wien bereits erfolgreich vormacht (Wiener Modell).

Was kann jede*r Einzelne tun?

  • Mobilität umstellen: Das Fahrrad oder den ÖPNV nutzen, auch wenn es manchmal unpraktisch scheint. Jeder vermiedene Autokilometer spart CO2.
  • Grüne Inseln schaffen: Wer einen Balkon, Garten oder eine kleine Fläche besitzt, kann Pflanzen setzen, die für Abkühlung sorgen.
  • Solarstrom fürs eigene Haus oder über Bürgerprojekte nutzen.
  • Sich politisch einbringen: Gemeinderatsitzungen besuchen, Anträge stellen, Politiker*innen direkt ansprechen.
  • Protestieren: Wenn Offenburg weiter falsche Prioritäten setzt, braucht es lautstarke Kritik – ob auf der Straße, in den sozialen Medien oder in Leserbriefen.

Fazit: Die Zukunft beginnt heute

Noch ist es nicht zu spät, um gegenzusteuern. Doch das erfordert Mut, Konsequenz und den Willen, nicht nur auf dem Papier klimafreundlich zu sein, sondern auch in der Realität. Offenburg kann ein Vorbild werden – wenn es bereit ist, endlich zu handeln, statt nur zu reden.

Loading

Facebook
Twitter
LinkedIn

Schreibe einen Kommentar


Der Zeitraum für die reCAPTCHA-Überprüfung ist abgelaufen. Bitte laden Sie die Seite neu.