Bürgerschaftliches Engagement: Rückgrat unserer Demokratie

Taras Maygutiaks jüngster Beitrag im Offenblatt vom 16.03.2025 versucht, demokratische Organisationen und Vereine pauschal in Misskredit zu bringen. Er zeichnet ein Zerrbild von bürgerschaftlichem Engagement, als handle es sich dabei um eine Gefahr für die Demokratie. Genau das Gegenteil ist der Fall: Engagierte Bürgerinnen und Bürger sind das Rückgrat unserer demokratischen Gesellschaft. Ohne ihr Ehrenamt, ihren Einsatz für Vielfalt und Meinungsfreiheit wäre unsere Demokratie ärmer und schwächer. Es ist wichtig, klarzustellen, wie unverzichtbar diese Initiativen sind – und warum Maygutiaks spaltende Rhetorik der Demokratie schadet.

Demokratie lebt vom Mitmachen und Aushandeln

Eine Demokratie ist ein fortwährendes Ringen um politische Aushandlung. Sie lebt davon, dass verschiedene Meinungen geäußert und Kompromisse gesucht werden. Das bedeutet auch, dass Konflikte offen ausgetragen werden – friedlich und mit Argumenten. Wenn Bürgerinitiativen für ihre Anliegen eintreten – sei es gegen Rassismus, für ein respektvolles Miteinander oder für umweltfreundliche Verkehrskonzepte – dann ist das kein “Kampf gegen die Opposition”, sondern gelebter demokratischer Diskurs. In einer pluralistischen Gesellschaft müssen wir damit umgehen, dass es unterschiedliche Interessen und Sichtweisen gibt. Demokratie bedeutet, diese Unterschiede auf zivilisierte Weise auszutragen und gemeinsam nach Lösungen zu suchen, nicht abweichende Stimmen zu diffamieren.

Engagierte Vereine als Pfeiler der offenen Gesellschaft

Die von Maygutiak attackierten Organisationen – ob Initiativen gegen Rassismus, pro-europäische Bündnisse wie Pulse of Europe oder Umwelt- und Verkehrsverbände – leisten wichtige Beiträge zum Gemeinwohl. Sie fördern den Dialog, klären auf und vertreten legitime Interessen von Teilen der Bürgerschaft. Vielfalt und Meinungsfreiheit sind Grundpfeiler der Demokratie. Gruppen, die sich für Vielfalt einsetzen, stärken den gesellschaftlichen Zusammenhalt, indem sie Ausgrenzung und Hass entgegentreten. Vereine, die für Meinungsfreiheit und Toleranz einstehen, sorgen dafür, dass offene Debatten geführt werden können, ohne dass Minderheiten mundtot gemacht werden. Anstatt diese Initiativen zu verdächtigen, sollte man anerkennen, dass sie unsere Zivilgesellschaft lebendig halten.

Oft übernehmen solche Vereine Aufgaben, die der Staat allein kaum bewältigen kann – von der politischen Bildung über Integrationsarbeit bis zur Förderung des gesellschaftlichen Dialogs. Dass hierfür gelegentlich öffentliche Förderung fließt, ist nicht nur legitim, sondern wünschenswert: Eine wehrhafte Demokratie unterstützt diejenigen, die sich für demokratische Werte engagieren. Solange diese Gruppen transparent arbeiten und sich an Recht und Gesetz halten (wozu z.B. das Neutralitätsgebot für gemeinnützige Vereine gehört), gibt es keinen Grund, sie unter Generalverdacht zu stellen. Kritik darf und soll jeder äußern – aber bitte sachlich am Thema orientiert, nicht durch pauschale Verunglimpfung der Akteure.

Maygutiaks Versuch, zu verunsichern und zu spalten

Statt den wertvollen Beitrag dieser Bürgerinitiativen anzuerkennen, schürt Maygutiak Misstrauen. Er unterstellt, dass „mit Steuergeld die Opposition bekämpft“ werde und konstruiert ein Bild von finsteren Machenschaften. Diese Argumentation zielt darauf ab, Unsicherheit und Spaltung zu erzeugen: Wenn Menschen glauben, engagierte Vereine seien Teil einer Verschwörung oder „nicht neutral“, wächst das Misstrauen gegenüber allem, was ihnen nicht ins eigene Weltbild passt. Das ist gefährlich, denn Demokratie basiert auf einem Mindestmaß an Vertrauen – darauf, dass wir unseren Mitbürgerinnen und Mitbürgern zunächst lautere Absichten unterstellen, wenn sie sich engagieren.

Durch unsachliche Pauschalvorwürfe bringt Maygutiak engagierte Bürger in Verruf. Wer etwa gegen Rassismus aufsteht oder sich für eine vielfältige Gesellschaft einsetzt, wird in seinem Text indirekt als Gegner der Demokratie dargestellt. Dabei verteidigen diese Menschen unsere freiheitliche Ordnung gegen Ausgrenzung und Extremismus. Es ist zynisch, ausgerechnet jene, die Demokratie und Menschenwürde hochhalten, als undemokratisch zu diffamieren. Diese Rhetorik erinnert daran, wie autoritäre Bewegungen zivilgesellschaftliche Kräfte delegitimieren, um selbst weniger Widerspruch zu erfahren. Ein solches Vorgehen spaltet die Gesellschaft: Es stellt engagierte Bürger als Feindbild dar und schafft ein Klima der Angst, sich überhaupt noch einzumischen.

Zivilgesellschaftliche Vielfalt ist Stärke, keine Schwäche

Die bunte Vielfalt der Vereine und Initiativen in unserer Stadt und in unserem Land ist eine Stärke – keine Schwäche – unserer Demokratie. Bürgerschaftliches Engagement sorgt dafür, dass Politik nicht nur „von oben“ gemacht wird, sondern dass die Anliegen der Menschen vor Ort Gehör finden. Ein Verkehrsclub oder eine Bürgerinitiative, die sich für sichere Radwege einsetzt, mag unbequem für jene sein, die alles beim Alten lassen wollen. Aber genau diese kontroverse Debatte bringt uns voran: Argumente werden abgewogen, bessere Lösungen können entstehen. Genauso sind Demonstrationen gegen einen Parteitag – solange friedlich – ein zulässiger Ausdruck von Meinung in einer freien Gesellschaft. Wenn dabei einzelne über die Stränge schlagen, muss das natürlich verurteilt und aufgearbeitet werden. Doch das rechtfertigt nicht, ganze Organisationen unter Generalverdacht zu stellen, die sich im Kern friedlich für ihre politischen Überzeugungen einsetzen.

Statt also etwa Pulse of Europe wegen eines Demoaufrufs zu diskreditieren, könnte man zur Kenntnis nehmen, dass viele Bürgerinnen und Bürger große Sorge vor demokratiefeindlichen Tendenzen haben und deshalb auf die Straße gehen. Diese Sorge einfach als „einseitige politische Lobbyarbeit“ abzustempeln, verkennt die Realität: In Wahrheit handelt es sich um breite gesellschaftliche Anliegen, die vom Klimaschutz bis zur Menschenrechtsarbeit reichen. Wer solche Anliegen pauschal abwertet, beschädigt das respektvolle Miteinander, das unsere Demokratie ausmacht.

Demokratie braucht Vertrauen und Engagement – kein Misstrauen

Demokratie gedeiht durch Vertrauen und Teilhabe. Anstatt das Vertrauen in zivilgesellschaftliche Akteure zu untergraben, sollten wir froh sein, dass es Menschen gibt, die ihre Zeit und Kraft für die Gemeinschaft investieren. Ohne die „Stützen der Gesellschaft“ – ob Sportverein, Kulturinitiative, Umweltgruppe oder Menschenrechtsorganisation – wäre unser Gemeinwesen kälter und stummer. Gerade lokal zeigt sich oft, wie konstruktiv Bürgervereine mit Politik und Verwaltung zusammenarbeiten können, um Lösungen zu finden. Diese Zusammenarbeit dürfen wir nicht durch unbegründetes Misstrauen zerstören.

Maygutiaks Angriff auf demokratische Vereine ist letztlich ein Angriff auf das Prinzip der bürgerlichen Selbstorganisation. Wenn Engagement ständig verdächtigt wird, werden irgendwann nur noch Radikale lautstark auftreten – die moderaten Stimmen ziehen sich frustriert zurück. Das kann niemand wollen, der es ehrlich mit der Demokratie meint. Vielmehr sollten wir eine offene Debattenkultur fördern, in der Sachargumente zählen und gegenseitiger Respekt die Grundlage bildet.

Fazit: Demokratische Kultur statt pauschaler Verdächtigungen

Es ist leicht, mit suggestiven Fragen und Andeutungen Stimmung gegen engagierte Bürger zu machen – aber verantwortungsvolle Politik sieht anders aus. Unsere demokratische Kultur lebt vom respektvollen Streitgespräch, nicht vom unterstellten Verrat. Die Organisationen, die sich für Vielfalt und Meinungsfreiheit einsetzen, verdienen unseren Respekt und unsere Unterstützung. Sie sind legitime und notwendige Teile einer lebendigen Zivilgesellschaft.

Taras Maygutiak mag behaupten, “Demokratie geht anders”. In Wahrheit geht Demokratie genau so: durch das engagierte Mitwirken vieler, durch kontroverse Debatten und durch den stetigen Einsatz für Freiheit, Gleichberechtigung und Toleranz. Wer dieses Engagement in den Schmutz zieht, stellt sich selbst ein Armutszeugnis aus. In diesen polarisierten Zeiten brauchen wir Brückenbauer statt Spalter – Menschen, die gemeinsame Lösungen suchen, anstatt Keile zwischen gesellschaftliche Gruppen zu treiben. Bürgerschaftliches Engagement ist keine Bedrohung, sondern die Basis unserer freiheitlichen Ordnung. Es verdient Anerkennung anstatt Argwohn.

Siehe auch

  • https://www.offenburg.de/media/download/variant/100939/offenblatt-16.03.2025_1.pdf

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