Das Kirsch-Areal: Ein Mahnmal für verfehlte Stadtentwicklung

Wo einst eine lebendige Mischung aus Natur und Industrie stand, bleibt heute nur eine Brache. An diesem Ort in Offenburg, direkt vor der Wand der Schiller-Turnhalle, auf die wir heute „Wem gehört die Stadt?“ projizieren, standen einst Bäume und eine historische Fabrik mit Shedhalle, mit gezacktem Dach und runden Fenstern. Die Fassade aus Ziegelsteinen erzählte von der industriellen Vergangenheit der Stadt. Doch beides, die Bäume und das Gebäude, fielen der Abrissbirne zum Opfer. Was folgte? Nichts.

Eigentlich sollte hier Wohnraum entstehen – dringend benötigter Wohnraum, den sich viele Offenburger:innen wünschen. Doch die Investoren, die das Grundstück besitzen, haben es seither brachliegen lassen. Die Stadt hat die Genehmigungen erteilt, die Bagger haben das Terrain freigeräumt, aber gebaut wurde nie. Und so bleibt die Fläche, die einst belebt und genutzt war, ein leeres, trostloses Stück Stadt. Ein Mahnmal für verfehlte Stadtentwicklung.

Das Kirsch-Areal ist ein typisches Beispiel für diesen Missstand. Seit 2017 liegt das Gelände brach. Ursprünglich sollte hier in Zusammenarbeit mit der Funk-Gruppe ein Wohnquartier entstehen. Die historische Shedhalle, ein Relikt der industriellen Vergangenheit Offenburgs, wurde trotz Widerstand aus der Bevölkerung nicht als Kulturdenkmal eingestuft. Aktivistin Renate von Heimburg kämpfte für den Erhalt der denkmalwürdigen Architektur, doch ihre Bemühungen blieben erfolglos. Ein Abbruchantrag wurde gestellt, und die Halle war dem Untergang geweiht. Geplant war auch, dass die Funk-Gruppe sowie der Eigentümer Jochen Kopitzke das Areal entwickeln. Doch bis heute ist keine Realisierung in Sicht.

Doch wer trägt die Verantwortung? Gehört die Stadt den Menschen, die in ihr leben, oder jenen, die mit Grundstücken spekulieren? Diese Fragen stehen auch im Zentrum unserer Versammlung „Wem gehört die Stadt?„, die am 10. Mai stattfinden wird. Dann diskutieren wir nicht nur solche Brachflächen, sondern viele weitere Beispiele für eine Stadtentwicklung, die oft an den Bedürfnissen der Menschen vorbeigeht.

Konstruktive Vorschläge zur Nutzung der Brache

Um diesen Missstand nicht einfach hinzunehmen, schlagen wir konkrete Nutzungskonzepte für das Kirsch-Areal vor:

  1. Zwischennutzung als Urban-Gardening-Fläche: Solange keine Bauarbeiten stattfinden, könnte die Brache für gemeinschaftliches Gärtnern genutzt werden. So entstünde ein lebendiger Ort für Begegnung und Stadtbegrünung.
  2. Temporäre Kultur- und Veranstaltungsfläche: Open-Air-Kinos, Workshops, Diskussionsrunden oder Konzerte könnten hier Raum finden und die Stadtgesellschaft aktivieren.
  3. Sozialer Wohnungsbau unter kommunaler Trägerschaft: Statt das Areal weiter brachliegen zu lassen, könnte die Stadt das Gelände übernehmen und in Kooperation mit gemeinnützigen Bauträgern bezahlbaren Wohnraum schaffen.
  4. Kooperative Quartiersentwicklung: Eine genossenschaftliche Beteiligung könnte Bürger:innen die Möglichkeit geben, selbst an der Planung und Umsetzung eines nachhaltigen Quartiers mitzuwirken.

Wir laden alle ein, mit uns zu debattieren, Visionen zu entwickeln und Druck für eine gerechtere Stadtpolitik zu machen. Denn eines ist klar: Eine Stadt, die sich allein nach den Interessen von Investoren richtet, verliert ihren Charakter – und ihre Zukunft.

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