20 Hektar Wahrheit – und sehr viel Wahlkampf. Seit Tagen lesen wir die immer gleiche Erzählung:
Ohne das Gewerbegebiet am Flugplatz steht Offenburg wirtschaftlich vor dem Abgrund.
Arbeitsplätze! Kitas! Zukunft!
Wer jetzt noch widerspricht, betreibt angeblich „Märchenstunde“. Schauen wir uns diese Märchen einmal genauer an.
Inhalt
ToggleMärchen 1: „Ohne neue Fläche keine Zukunft“
Offenburg verfügt über hunderte Hektar Gewerbeflächen – bebaut, beschlossen oder im Zweckverband geplant.
Davon sind große Teile nicht optimal genutzt, nicht erschlossen oder strategisch blockiert. Gleichzeitig wird behauptet, ausgerechnet diese 20 Hektar seien alternativlos. Das ist keine Analyse. Das ist Dramaturgie.
Märchen 2: „Es geht nur um 200 Flieger“
Das ist die bewusst gewählte Verengung. Wer den Flugplatz erhalten will, will angeblich nur ein Hobby schützen. Was unterschlagen wird:
Die Magerwiesen existieren genau deshalb, weil sie nicht betreten werden. Sie sind Rückzugsraum, Kühlfläche, Frischluftschneise. Sie liegen zwischen Wald, See und Wohngebiet. Hier wird nicht über ein Spielzeug gestritten. Hier geht es um Stadtklima.
Märchen 3: „Höchste Umweltstandards“
Ein ökologisch geplantes Gewerbegebiet bleibt ein Gewerbegebiet. Asphalt wird nicht klimaneutral, nur weil man ein paar Bäume dazwischen pflanzt. Versiegelung ist dauerhaft. Hitze bleibt. Frischluftschneisen sind weg. Und dann reden wir wieder über Schwammstadt, Entsiegelung und Klimaanpassung. Ernsthaft?
Märchen 4: „Gewerbesteuer rettet die Stadt“
Natürlich braucht Offenburg Einnahmen. Aber Gewerbesteuer ist volatil. Unternehmen gehen, fusionieren, verlagern Standorte. Was bleibt, ist versiegelter Boden. Wenn die öffentliche Hand Flächen günstig verkauft, trägt die Allgemeinheit das Risiko – und private Akteure sichern sich den Bodenwertzuwachs. Das nennt man nicht Wirtschaftspolitik. Das nennt man Privatisierung öffentlicher Ressourcen.
Die unausgesprochene Frage
Warum jetzt?
Warum mit diesem Druck?
Warum ohne klar benannte konkrete Bedarfe?
Warum ohne priorisierte Innenentwicklung?
Wer 20 Hektar Grünfläche aufgibt, tut das nicht aus Versehen. Das ist eine strategische Entscheidung – für Jahrzehnte.
Die eigentliche Alternative
Es geht nicht um Flugromantik.
Es geht nicht um Nostalgie.
Es geht nicht um Stillstand.
Es geht um die Reihenfolge:
- Innenentwicklung konsequent nutzen.
- Untergenutzte Flächen aktivieren.
- Bodenpolitik strategisch betreiben.
- Erst dann – wenn alles ausgeschöpft ist – über neue Versiegelung reden.
Alles andere ist der einfache Weg.
Was hier wirklich passiert
Man erzählt von „Alternativlosigkeit“, während gleichzeitig dutzende Hektar anderswo brachliegen oder geplant sind. Man spricht von „Zukunft“,
während man die klimaökologische Substanz der Stadt reduziert. Man warnt vor „Märchen“, während man selbst eine Wachstumslegende wiederholt, die aus den 1990ern stammt.
8. März: Keine Schicksalswahl – sondern eine Richtungsentscheidung
Der Bürgerentscheid ist kein Votum gegen Wirtschaft. Er ist ein Votum über Bodenpolitik.
Wollen wir:
- kurzfristige Flächenverwertung
oder - langfristige Stadtresilienz?
Wollen wir:
- einfache Narrative
oder - ehrliche Flächenbilanzen?
20 Hektar sind in einer Stadt wie Offenburg keine Kleinigkeit. Sie sind strategische Reserve. Wer sie aufgibt, sollte wenigstens ehrlich sagen:
Wir wollen Wachstum um jeden Preis. Alles andere ist Verpackung.
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