Eine Bingokarte mit dem Titel Bürgerentscheid Bullshit Bingo mit gängigen Argumenten zu einem Bürgerentscheid. Im mittleren Feld steht 75 Hektar nicht oder selten genutzt, umgeben von verschiedenen politischen Phrasen auf Deutsch. Text auf beiden Seiten.

Zuhören statt Schlagworte: Unser Bullshit-Bingo zur Informationsveranstaltung

Am 27. Februar lädt die Stadt zur großen Informationsveranstaltung rund um den Bürgerentscheid zum Flugplatz. Es geht um viel: um Flächen, Klima, Wirtschaft, Zukunftsbilder für Offenburg. Und um Sprache. Denn politische Debatten werden nicht nur mit Fakten geführt – sondern mit Begriffen. Mit Frames. Mit Wiederholungen. Mit Formulierungen, die beruhigen, überzeugen oder Alternativlosigkeit suggerieren sollen.

Genau deshalb verteilen wir vor der Veranstaltung ein kleines Blatt Papier: ein Bullshit-Bingo. Nicht als Angriff. Nicht als Störung. Sondern als Einladung zum genauen Zuhören.

Warum ein Bingo?

Wer schon eine der bisherigen Veranstaltungen – etwa in Hilboltsweier – besucht hat, kennt das Muster: Bestimmte Begriffe tauchen immer wieder auf.

„Letzte verfügbare Fläche.“
„Keine Alternativen.“
„Arbeitsplätze sichern.“
„Ökologische Aufwertung.“
„Keine klimatischen Auswirkungen.“
„Innenentwicklung ausgeschöpft.“

Manche Aussagen werden mehrfach wiederholt, ohne konkret belegt zu werden. Andere wirken selbstverständlich, obwohl sie es bei näherer Betrachtung nicht sind. Unser Bingo macht genau das sichtbar. Wer fünf Begriffe in einer Reihe ankreuzen kann, hat kein Spiel gewonnen – sondern vermutlich ein rhetorisches Muster erkannt.

Worum es uns nicht geht

Es geht uns nicht darum, Rednerinnen oder Redner lächerlich zu machen. Es geht nicht darum, die Veranstaltung zu torpedieren. Und es geht schon gar nicht darum, demokratische Prozesse zu verhöhnen. Im Gegenteil. Demokratische Debatten leben davon, dass Argumente geprüft werden dürfen. Dass Begriffe hinterfragt werden dürfen. Dass Wiederholung nicht mit Begründung verwechselt wird. Das Bingo ist ein Werkzeug für kritisches Zuhören.

Sprache formt Wirklichkeit

Wenn immer wieder von „Strategischer Reservefläche“ oder „langfristiger Entwicklungsfähigkeit“ die Rede ist, klingt das nüchtern und sachlich. Aber was bedeutet das konkret? Wenn gesagt wird, es gebe „keine gleichwertigen Alternativen“, lohnt sich die Nachfrage: Welche wurden geprüft? Nach welchen Kriterien? Mit welchen Annahmen? Wenn „Arbeitsplätze“ ins Feld geführt werden: Wie viele? Welche? Für wen? Zu welchem Preis?

Wiederholung erzeugt den Eindruck von Evidenz. Doch Evidenz entsteht durch Transparenz – nicht durch Lautstärke.

Ein stiller Beitrag zur Debattenkultur

Wir werden keine Zwischenrufe starten. Wir werden niemanden unterbrechen. Wir werden zuhören. Und wir laden alle ein, das ebenfalls zu tun – mit Stift in der Hand. Vielleicht bleibt das Bingo halb leer. Vielleicht ist nach zwanzig Minuten schon die erste Reihe voll. In beiden Fällen hat es seinen Zweck erfüllt.

Offenburg entscheidet

Am Ende steht eine Abstimmung. Jede und jeder wird sein Kreuz setzen – Ja oder Nein. Doch davor steht die Auseinandersetzung. Und die sollte mehr sein als ein Austausch von Schlagworten. Unser Bullshit-Bingo ist ein kleiner, spielerischer Beitrag dazu, die Diskussion ernst zu nehmen.

Denn wer genau hinhört, entscheidet bewusster. Wir sehen uns am 27. Februar.

Zum Ausdrucken und Mitnehmen

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