Die erste Informationsveranstaltung der Stadt Offenburg zum Bürgerentscheid über die Zukunft des Flugplatzes war ruhig, sachlich und gut besucht. Viele Argumente wurden ausgetauscht, Fragen gestellt, Positionen benannt. Dennoch blieb bei uns ein Eindruck zurück, der sich erst in den Tagen danach präzisiert hat: Ein zentrales Element der Debatte war unzureichend eingeordnet.
Inhalt
ToggleDas verbreitete Narrativ
In der öffentlichen Diskussion wird der geplante Gewerbepark am Flugplatz immer wieder mit einem konkreten Flächenbedarf ortsansässiger Unternehmen begründet. Dieser Bedarf steht sinnbildlich für Zeitdruck, wirtschaftliche Notwendigkeit und die angebliche Alternativlosigkeit des Standorts Flugplatz. Gerade deshalb ist es wichtig, genau hinzuschauen, wer was tatsächlich beansprucht – und wer nicht.
Eine schriftliche Klarstellung
Auf unsere direkte Nachfrage hat die J. Schneider Elektrotechnik GmbH eine eindeutige und differenzierte Einordnung vorgenommen. Sie ist deshalb relevant, weil das Unternehmen in der Debatte immer wieder als Beispiel für dringenden Flächenbedarf herangezogen wird. Wörtlich heißt es unter anderem:
„Wir haben nie explizit geäußert, dass wir Flächen auf einem möglichen Gewerbegebiet am Flugplatz benötigen.“
Und weiter:
„Die Erschließung einer neuen Gewerbefläche am Flugplatz käme für uns zeitlich deutlich zu spät. Wir müssen sofort mit der Erweiterung beginnen.“
Der akute Expansionsbedarf des Unternehmens sei inzwischen außerhalb von Offenburg bzw. über eine Bestandsimmobilie lösbar. Gleichzeitig betont die Firma ausdrücklich, dass sie grundsätzlich neue Gewerbeflächen in Offenburg für notwendig hält – allerdings unabhängig vom eigenen, aktuellen Bedarf. Diese Differenzierung ist wichtig. Sie entlastet das Unternehmen von der Rolle eines unmittelbaren Treibers der Flugplatzentscheidung – ohne die grundsätzliche Frage nach künftiger Gewerbeflächenentwicklung auszublenden.
Warum diese Klarstellung mehr ist als ein Detail
Die Aussage ist nicht neu. Sie wurde bereits bei der Bürgerinfo in Uffhofen öffentlich vom Podium aus gemacht – allerdings erst nach dem offiziellen Teil, als nach den drei Minuten Redezeit noch ein Nachtrag erfolgte. Das ist entscheidend. Denn politische Wirkung entsteht nicht nur durch Inhalte, sondern auch durch Zeitpunkt und Rahmen. Was nach den offiziellen Statements gesagt wird, fließt kaum noch in die Abwägung ein. Der Rahmen ist gesetzt, das Narrativ etabliert. So entsteht ein strukturelles Problem: Nicht falsche Aussagen prägen die Debatte, sondern verkürzte Zusammenhänge.
Das eigentliche Thema: Verfahren und Transparenz
Die Klarstellung von Schneider ändert nicht die grundsätzliche Frage, ob Offenburg neue Gewerbeflächen braucht. Sie verändert aber die Begründungsschärfe, mit der der Flugplatz als alternativlos dargestellt wird. In dieses Bild passt auch, dass:
- der vorgestellte Flächensuchlauf nur eine begrenzte Auswahl innerstädtischer Flächen betrachtet
- regionale Alternativen, etwa im Rahmen des Zweckverbands, außen vor bleiben
- Umweltgutachten nur ausschnittsweise eingeordnet werden und ein weiteres Gutachten bislang nicht öffentlich benannt ist
All das ist kein Skandal. Aber es ist auch keine vollständige Entscheidungsgrundlage.
Fazit
Ein Bürgerentscheid lebt von Vertrauen. Dieses Vertrauen entsteht nicht dadurch, dass alle einer Meinung sind – sondern dadurch, dass Korrekturen, Einordnungen und neue Erkenntnisse sichtbar gemacht werden. Die Klarstellung von Schneider zeigt: Die Debatte ist komplexer, als sie auf den ersten Blick erscheint. Genau deshalb braucht sie Offenheit – nicht nur in der Sache, sondern auch im Verfahren. Wer Bürgerinnen und Bürger ernsthaft beteiligen will, muss ihnen zutrauen, mit dieser Komplexität umzugehen. Alles andere wäre keine Entscheidung – sondern eine Bestätigung vorgefertigter Annahmen.
![]()


