So wirbt die Stadt für die Informationsveranstaltung zum Bürgerentscheid. Und so präsentiert sich auch das Amtsblatt in der Begleitung dieses Prozesses. Ein hoher Anspruch. Schauen wir genauer hin.
Inhalt
Toggle1. Die Bühne gehört der Verwaltung
Der Ablauf der Veranstaltung spricht eine klare Sprache:
- 30 Minuten „Allgemeine Information“ durch Verwaltung und Organisation
- 3,5 Minuten pro Interessenvertretung für ein Statement
- 1 PowerPoint-Folie
- anschließend Podium mit begrenzter Fragerunde
Das bedeutet: Die Verwaltung setzt zuerst den inhaltlichen Rahmen. Sie definiert den „Sachstand“. Sie bestimmt, was als Ausgangslage gilt. Danach reagieren alle anderen.
Das ist kein Skandal. Aber es ist auch keine Neutralität. Denn Verwaltung und Wirtschaft sprechen aus einer strukturellen Machtposition:
- Sie verfügen über Planungsdaten.
- Sie verfügen über Personal und Ressourcen.
- Sie haben institutionellen Zugang zu Medien und Öffentlichkeit.
- Sie prägen seit Jahren die offizielle Erzählung.
Eine Bürgerinitiative, ein Naturschutzverband oder eine Fliegergruppe haben diese Mittel nicht. Gleiche Redezeit ist nicht gleiches Gewicht.
2. Das Amtsblatt als Verstärker
Parallel dazu begleitet das Amtsblatt den Bürgerentscheid. Dort dominieren Begriffe wie:
- „Entwicklungsfähigkeit“
- „Zukunftssicherung“
- „Wirtschaftsstandort stärken“
- „letzte große Fläche“
Das erzeugt ein Narrativ der Dringlichkeit – beinahe der Alternativlosigkeit. Deutlich weniger Raum erhalten:
- die ökologische Qualität der Magerwiesen
- die Klimafunktion der offenen Fläche
- vorhandene oder untergenutzte Gewerbeflächen
- die Frage nach konsequenter Innenentwicklung
Auch hier gilt: Es wird nichts offen Falsches behauptet. Aber es wird gewichtet. Und wer gewichtet, gestaltet Wirklichkeit.
| Medium | Artikel PRO Gewerbegebiet | Seiten PRO Gewerbegebiet | Artikel / Seiten CONTRA Gewerbegebiet |
|---|---|---|---|
| Offenblatt (seit 25.12.25) | 11 | 0 | |
| Informationsbroschüre | 11 | 0 | |
| Debattenheft | 13 | 3 |
3. Machtverhältnisse entscheiden über Wahrnehmung
Wenn
- die Stadt die Veranstaltung organisiert,
- die Verwaltung den Sachvortrag hält,
- wirtschaftliche Akteure als institutionelle Partner auftreten,
- und das Amtsblatt denselben Deutungsrahmen verstärkt,
dann entsteht kein neutraler Resonanzraum. Es entsteht ein strukturelles Übergewicht. Zivilgesellschaftliche Gruppen müssen ihre Position in 3,5 Minuten komprimieren. Verwaltung und Wirtschaft setzen seit Jahren die Leitplanken der Debatte. Das ist der Unterschied zwischen formaler Gleichbehandlung und tatsächlicher Ausgewogenheit.
4. Was „ausgewogen“ wirklich bedeuten würde
Ausgewogen wäre:
- gleiche strukturelle Sichtbarkeit,
- gleiche inhaltliche Tiefe,
- transparente Darstellung aller Alternativen,
- gleiche mediale Reichweite.
Nicht nur gleiche Minuten auf der Bühne. Nicht nur ein Wort im Amtsblatt.
Am Ende geht es nicht nur um 20 Hektar. Es geht um die Frage, ob demokratische Entscheidungsprozesse wirklich offen geführt werden –
oder ob der Rahmen längst gesetzt ist, bevor das erste Statement beginnt. „Ausgewogen & sachlich“ ist ein Versprechen. Ob es eingelöst wird, entscheidet sich nicht an der Überschrift. Sondern an den Machtverhältnissen dahinter.
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