Zwei Flugblätter über einen Vorschlag für ein Gewerbegebiet sind mit roten Fragezeichen, Pfeilen und kritischen handschriftlichen Kommentaren versehen. Darunter befinden sich zwei identische Bildunterschriften mit der Frage SIE FRAGEN SICH AUCH, WAS DAS SOLL? auf Deutsch.

Roter Stift statt Hochglanz – Flugplatz Offenburg

Eine zugespielte Gegenlektüre zum Gewerbegebiets-Flyer. Uns wurde in den vergangenen Tagen eine kommentierte Fassung des aktuellen Gewerbegebiets-Flyers von CDU, FDP, Freien Wählern und SPD zugespielt. Keine offizielle Veröffentlichung, keine Kampagne, kein Absender. Stattdessen: der Originalflyer – übersät mit roten Pfeilen, Randbemerkungen und kurzen, teils spitzen Kommentaren. Das ist sicher nicht die feinste Art der politischen Kommunikation. Aber sie ist aufschlussreich. Denn diese Gegenlektüre sagt weniger über einzelne Formulierungen aus als über den Zustand der politischen Debatte insgesamt. Genau deshalb teilen wir sie hier – eingeordnet, nicht unkommentiert.

Ein Flugblatt mit handschriftlichen roten Notizen, die ein geplantes Gewerbegebiet kritisieren und auf fehlende Interpunktion, ökologische Probleme und unrealistische Designentscheidungen hinweisen, über einer Luftaufnahme des geplanten Standorts mit der Aufschrift "Säge zum Gewerbegebiet".

Was hier eigentlich vorliegt

Die Auswertung funktioniert wie eine schulische Korrektur oder eine aktivistische Randglosse: Aussagen aus dem Flyer werden direkt kommentiert, hinterfragt oder konterkariert – sprachlich, inhaltlich und teilweise ironisch zugespitzt. Thematisiert werden unter anderem:

  • Rechtschreibung und formale Ungenauigkeiten
  • unbelegte Versprechen („Investitionen in Klimaschutz“, „Zukunft unserer Kinder“)
  • verkürzte Kausalitäten („mehr Jobs = gut für Familien“)
  • ökologische Leerstellen (Wiesen, CO₂-Bilanz, Ausgleichsmaßnahmen)
  • soziale Vereinfachungen („Kinder lieben Gewerbegebiete“)

Der Ton ist bewusst konfrontativ. Dialogisch ist daran wenig. Und genau das muss man benennen – ohne gleich den Inhalt vom Tisch zu wischen.

Ein deutsches Flugblatt über ein lokales Gewerbegebiets-Volksbegehren, mit Text und Checklisten. Rote Pfeile markieren und hinterfragen verschiedene Forderungen, und ein grüner Bereich am unteren Rand verweist auf die Parteien CDU und SPD.

Wo die Kritik trifft – jenseits des Tons

So zugespitzt die Kommentare sind: Viele der angesprochenen Punkte sind inhaltlich relevant.

1. Arbeit, Jobs, Fachkräftemangel

Der Flyer verbindet Arbeitslosenzahlen, Fachkräftemangel und neue Gewerbeflächen zu einer scheinbar logischen Kette. Die Anmerkungen halten dagegen: Wer profitiert konkret? Welche Branchen? Welche Qualifikationen? Diese Fragen bleiben im Originalflyer unbeantwortet – und sind zentral für eine ehrliche Abwägung.

2. Klima und Ökologie

Mehrfach wird auf fehlende ökologische Einordnung hingewiesen: CO₂-Bilanz, notwendige Ausgleichsmaßnahmen, Verlust von Magerwiesen, Baumzahlen. Unabhängig vom polemischen Ton: Diese Punkte gehören zwingend in jede seriöse Argumentation – und können nicht mit grün eingefärbten Visualisierungen ersetzt werden.

3. Kinder, Zukunft, nächste Generation

Der Flyer nutzt stark emotionalisierte Begriffe. Die Gegenlektüre kontert das bissig. Sachlich bleibt festzuhalten: Was genau bedeutet dieses Projekt für Kinder, Quartiere, Hitze, Verkehr, Freiräume? Diese Fragen lassen sich nicht mit Schlagworten beantworten – sondern nur mit belastbaren Szenarien.

Zur Form: Warum so eine Kritik entsteht

Man kann – und sollte – über den Stil dieser Auswertung diskutieren. Sie ist scharf, teilweise unfair, nicht moderierend. Aber sie ist kein Zufall. Solche Formate entstehen dort, wo Menschen das Gefühl haben, dass:

  • sachliche Einwände nicht gehört werden
  • Gutachten selektiv genutzt oder nicht öffentlich diskutiert werden
  • Hochglanzmaterial Komplexität ersetzt
  • Beteiligung formal möglich, aber faktisch wirkungslos ist

Polemische Kritik ist dann kein Ausrutscher, sondern Symptom eines Ungleichgewichts in der Debatte.

Unser Fazit

Diese kommentierte Fassung ist keine Blaupause für gute politische Kommunikation. Aber sie ist ein Spiegel. Sie zeigt, wo Argumente angreifbar sind. Sie zeigt, welche Fragen offen bleiben. Und sie zeigt, dass viele Menschen nicht mehr bereit sind, wohlklingende Versprechen unkommentiert hinzunehmen. Wer eine andere Form der Auseinandersetzung möchte, muss auch eine andere Qualität der Information liefern: transparenter, vollständiger, ehrlicher. Bis dahin wird der rote Stift wohl weiter angesetzt werden.

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