Eine Reklametafel am Straßenrand zeigt eine Luftaufnahme eines Industriegebiets mit dem deutschen Text "Ja zum Gewerbegebiet", der mit einem großen roten X durchgestrichen ist. Autos fahren auf der nassen Straße vorbei und Bäume säumen den Hintergrund.

Wenn Bilder lügen: Wie die CDU mit einem schönen Gewerbegebiet den maximalen Schaden verkauft

Großflächige Plakatwände entlang der Straßen, perfekt ausgeleuchtet, scheinbar sachlich: Das Bündnis aus CDU, FDP, FWO und SPD wirbt derzeit mit einem Bild für ein „Ja zum Gewerbegebiet“. Was harmlos aussieht, ist in Wahrheit ein Lehrstück politischer Irreführung. Denn das gezeigte Gewerbegebiet existiert nicht. Es ist KI-generiert, in ein reales Foto montiert – und bewusst so gestaltet, dass zentrale Fakten unsichtbar werden.

1. Der Trick mit der Landebahn

Auf dem Plakat wirkt es, als würde hauptsächlich eine bestehende, versiegelte Fläche genutzt. Die Landebahn erscheint entschärft, fast beiläufig. Asphalt und die tote Landschaft darunter wird zu einem Park gestaltet, der ein Drittel der potentiellen Gewerbefläche scheinbar renaturiert.

Was das Bild verschweigt:
Der eigentliche Eingriff findet nicht auf der Landebahn, sondern auf den umliegenden Flächen statt – auf artenreichen Magerwiesen, die zu den ökologisch wertvollsten Flächen im Offenburger Stadtgebiet zählen. Zwei Drittel des Flugplatzes bestehen heute aus wertvollen, artenreichen Magerwiesen.

Diese Wiesen werden im Bild komplett überbaut. Nicht reduziert. Nicht geschont. Ausgelöscht.

Ökologisch ist das kein Kompromiss, sondern der maximal mögliche Schaden.

2. Ignorierte Klimagutachten – bewusst oder egal?

Noch gravierender: Die dargestellte Bebauung steht quer zur in der städtischen Klimaanalyse empfohlenen Ausrichtung.

Die Stadt selbst hat in Gutachten festgehalten:

  • wie wichtig Frischluftschneisen sind
  • wie Kaltluft aus der Fläche in die Stadt strömt
  • wie Bebauung ausgerichtet sein muss, um Hitzestaus zu minimieren

Das Plakat zeigt das Gegenteil. Wer so plant – oder so wirbt – nimmt in Kauf:

  • schlechtere nächtliche Abkühlung
  • mehr Hitzebelastung
  • weniger Luftaustausch

Und das in einer Stadt, die sich offiziell zur Klimaanpassung bekennt.

3. Ästhetik ersetzt Wahrheit

Das Bild ist grün, ruhig, ordentlich. Es zeigt:

  • begrünte Dächer
  • breite Wege
  • eine scheinbar konfliktfreie Zukunft

Keine einige Referenz dazu gibt es in Offenburger Gewerbegebieten. Das Bild zeigt nicht:

  • zusätzlichen Verkehr
  • Lärm
  • Flächenversiegelung
  • den Verlust eines zusammenhängenden, klimatisch wirksamen Freiraums für ganz Offenburg

Das ist kein Zufall. Bilder dieser Art sollen beruhigen, nicht informieren.

4. Warum gerade dieses Bild entlarvend ist

Dass ausgerechnet die CDU dieses Motiv mitträgt, ist bezeichnend. Denn hier wird nicht argumentiert, sondern vermarktet. Nicht abgewogen, sondern vereinfacht. Nicht erklärt, sondern überdeckt. Großflächenplakate ersetzen die Debatte – weil Geld verfügbar ist, Argumente aber knapp werden.

5. Was bleibt, wenn man das Bild liest statt anschaut

Sobald man dieses Plakat nicht mehr nur anschaut, sondern liest, fällt es in sich zusammen:

  • Es suggeriert Flächensparen, zerstört aber wertvolle Natur
  • Es beruft sich indirekt auf Klimaschutz, ignoriert aber Klimagutachten
  • Es verkauft Harmonie, produziert aber dauerhafte Schäden

Ein schönes Bild macht schlechte Politik nicht besser.

Fazit

Dieses Plakat ist kein Zukunftsversprechen. Es ist ein Ablenkungsmanöver. Die eigentliche Frage lautet nicht: Wie schön kann ein Gewerbegebiet aussehen?

Sondern: Wie viel Natur, Klimaresilienz und Glaubwürdigkeit sind wir bereit, für ein solches Bild zu opfern?

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