Versammlung zur kommenden Baumsatzung in Elgersweier

Baumschutzsatzung in Offenburg: Zwei Abende, viele Fragen – wenig Antworten

In gleich zwei Bürgerversammlungen stellte die Stadtverwaltung Offenburg den Entwurf einer neuen Baumschutzsatzung vor. Was eigentlich ein Schritt zu mehr Klimaresilienz sein sollte, geriet schnell zur Grundsatzdebatte über Bürokratie, Glaubwürdigkeit und den politischen Willen, Offenburg wirklich grüner zu machen.

Skepsis in den Ortsteilen

Viele Bürgerinnen und Bürger äußerten deutliche Vorbehalte. Sie befürchten vor allem mehr Verpflichtungen und Aufwand auf privaten Grundstücken, während die Stadt selbst im öffentlichen Bereich zu wenig Verantwortung übernimmt. Ein Besucher aus Bohlsbach formulierte es so: „Früher gab es am Bach große Bäume. Heute stehen dort kleine ,Krüppel’. Warum geht man im öffentlichen Bereich diesen Weg und im privaten den anderen?“

Auch konkrete Beispiele wurden genannt: In Waltersweier sei ein alter Baum mit Mistelbefall gefällt worden, obwohl er mit rechtzeitiger Pflege hätte erhalten werden können. Die Kritik war klar: „Die Stadt muss bei sich selbst anfangen.“

Verwaltung ohne eigene Zielvorgaben

Die Präsentation der Verwaltung zeigte zwar, welche Bäume künftig geschützt werden sollen (ab 80 cm Stammumfang, gemessen in 1 m Höhe), welche Eingriffe verboten sind und wie Ersatzpflanzungen geregelt werden. Doch die entscheidenden Fragen blieben unbeantwortet:

  • Wie viele Bäume will die Stadt selbst pflanzen?
  • Welche Dichte oder welches Grünvolumen sollen in den Quartieren erreicht werden?
  • Wie wird kontrolliert, dass Ersatzpflanzungen tatsächlich erfolgen?

Der Entwurf enthält dazu keine verbindlichen Vorgaben – lediglich Verweise auf bestehende Papiere wie die Klimaanpassungsanalyse.

Bürokratie frisst Geld

Für Unmut sorgte auch die geplante Verwaltung des neuen Regelwerks: 90.000 Euro jährlich sollen allein an Personalkosten entstehen, um Anträge zu bearbeiten. Viele fragen sich, ob dieses Geld nicht besser in Pflege, Nachpflanzungen und echte Kontrollen investiert wäre.

Dass unter der alten Baumschutzverordnung 95 Prozent aller Anträge genehmigt wurden, verstärkt das Gefühl: Viel Aufwand, wenig Nutzen.

Forderungen aus der Bürgerschaft

Mehrfach wurde vorgeschlagen, die Ortsteile finanziell zu stärken, damit diese selbst im öffentlichen Raum Bäume pflanzen können. Tatsächlich würden dort bereits viele Nachpflanzungen erfolgen – oft ohne, dass die Übersicht gewahrt bleibe.

Andere forderten, dass die Stadtverwaltung endlich kontrollieren müsse, ob die im Rahmen von Baugenehmigungen zugesagten Bäume auch tatsächlich gepflanzt werden.

Fazit

Die beiden Abende haben vor allem eins gezeigt:

  • Die Bürger wollen keine zusätzlichen Pflichten, solange die Stadt ihre eigene Verantwortung nicht ernst nimmt.
  • Die Verwaltung scheut verbindliche Ziele und setzt stattdessen auf Papier und Verfahren.
  • Damit droht die Baumschutzsatzung ein bürokratisches Feigenblatt zu werden – teuer, aber wirkungslos.

Wenn Offenburg tatsächlich klimaangepasst und grüner werden soll, braucht es klare Selbstverpflichtungen der Stadt, echte Pflege im öffentlichen Raum und ein Ende der reinen Symbolpolitik.

Inhaltsangabe der Präsentation zur Baumschutzsatzung

Forderungspapier: Selbstverpflichtung der Stadt Offenburg für mehr Stadtgrün

Die geplante Baumschutzsatzung darf nicht nur Auflagen für Bürger:innen schaffen, sondern muss vor allem die Stadt selbst in die Pflicht nehmen. Wir fordern daher eine verbindliche Selbstverpflichtung mit klaren, überprüfbaren Zielen:

1. Entsiegelung

  • Jährlich mindestens 0,5 % der versiegelten Fläche im Stadtgebiet entsiegeln.
  • Vorrang für öffentliche Plätze, Schulhöfe, Parkplätze und überdimensionierte Straßenräume.

2. Neupflanzungen

  • Jährlich mindestens 1.000 neue Bäume im Stadtgebiet, davon mindestens 70 % im öffentlichen Raum.
  • Gerechte Verteilung: Jeder Ortsteil erhält ein festes Kontingent, abhängig von Einwohnerzahl und Grünflächenanteil.
  • Ziel: In 20 Jahren den Baumbestand in Offenburg zu verdoppeln

3. Straßenbegrünung

  • In allen Straßen mindestens alle 15 Meter ein Baum auf beiden Straßenseiten. Sollte dies nicht möglich sein, ist im Umkreis von 150 Meter ein entsprechender Ausgleich zu schaffen.
  • Vorrang für Hitze-Hotspots, Verkehrsachsen und Orte mit hoher Aufenthaltsqualität.
  • Jährliche Umgestaltung von 5% der Straßen in Offenburg und den Ortszeilen.
  • Ziel: In 20 Jahren sind alle Straßen begrünt.

4. Pflege und Kontrolle

  • Verpflichtende regelmäßige Baumkontrollen, um Pflegebedarf (z. B. Mistelbefall) rechtzeitig zu erkennen.
  • Fortführung und weitere Öffnung des öffentlichen Baumkatasters: Jede Fällung und jede Nachpflanzung wird auch in einer zeitlichen Übersicht dokumentiert. Erweiterte Auswertemöglichkeiten für die Bürger:innen.
  • Jährliches Dokumentation des Grünvolumens, je nach Ortsteilen und Stadtgebieten

5. Transparenz und Beteiligung

  • Einführung eines jährlichen „Baumhaushalts“, der öffentlich macht, wie viele Bäume gepflanzt, gefällt und erhalten wurden.
  • Möglichkeit für Bürger:innen, eigene Pflanzprojekte einzubringen und von der Stadt fördern zu lassen.

6. Klimaanpassung als Ziel

  • Verknüpfung der Baumpolitik mit Hitzeschutz, Schwammstadt-Prinzip und Förderung der Artenvielfalt.
  • Orientierung an erfolgreichen Beispielen wie dem Baumentscheid Berlin oder der 0,5 Prozent Initiative.

👉 Unser Ziel: Offenburg braucht verbindliche Zahlen, klare Prioritäten und eine Vorreiterrolle der Stadt. Nur so kann eine Baumschutzsatzung Wirkung entfalten – und Offenburg wirklich grüner, klimaangepasster und lebenswerter werden.

Beispiel für den Geltungsbereich der Baumschutzsatzung für Offenburg

Pressemitteilung

Baumschutzsatzung: Viel Bürokratie, null Wirkung – Offenburg braucht echte Baumpflicht!

Offenburg diskutiert über eine neue Baumschutzsatzung – und schafft es dabei, Bürgerinnen und Bürger ebenso zu verprellen wie den Klimaschutz. Während die Verwaltung aufwändige Regelwerke präsentiert, weigert sie sich zugleich, sich selbst klare Ziele für mehr Stadtgrün aufzuerlegen.

Das Ergebnis: eine Satzung, die vor allem kostet – geschätzt 90.000 Euro jährlich allein an Personalkosten – aber kaum einen zusätzlichen Baum retten wird.

Die Bürger in den Ortsteilen haben ihre Haltung bereits deutlich gemacht: Sie wollen keine zusätzlichen Pflichten und Antragsverfahren, solange die Stadt im eigenen Bereich nicht vorangeht. Beispiele dafür gibt es genug: gefällte, aber nicht gepflegte Bäume, nicht kontrollierte Ersatzpflanzungen bei Bauvorhaben, fehlende Nachweise über Nachpflanzungen.

Die KfUTD-Baumretter stellen klar: Offenburg braucht keine neue Bürokratie, sondern eine Selbstverpflichtung der Stadt!

Unsere Forderungen:

  • Jährlich mindestens 0,5 % der versiegelten Fläche entsiegeln
  • Jährlich mindestens 1.000 neue Bäume pflanzen, davon 70 % im öffentlichen Raum
  • In allen Straßen mindestens alle 15 Meter ein Baum auf beiden Straßenseiten. Jährliche 5% aller Straßen der Stadt- und Ortsteile

„Solange die Stadt selbst keine messbaren Ziele für mehr Bäume formuliert, ist jede Baumschutzsatzung nur ein bürokratisches Feigenblatt“, erklärt die Konferenz für Urban Transformation Design (KfUTD). „Wir wollen echten Klimaschutz und mehr Lebensqualität – nicht mehr Papier und Paragrafen.“

Die KfUTD ruft alle Bürgerinnen und Bürger auf, die sich gegen die geplante Satzung wenden, ihren Protest zu bündeln und gemeinsam den Druck auf Politik und Verwaltung zu erhöhen. Nur mit klaren Selbstverpflichtungen der Stadt wird Offenburg grüner, klimaangepasster und lebenswerter.

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