Manchmal ist es sinnvoll, einen Schritt zurückzutreten und Gedanken zu Ende zu denken – gerade dann, wenn vieles gleichzeitig möglich scheint. Der bevorstehende Bürgerentscheid zum Offenburger Flugplatz ist so ein Moment.
Faktisch ließe sich die Debatte abkürzen. Der Gemeinderat hätte inzwischen wohl eine Mehrheit, um das geplante Gewerbegebiet zu beschließen. Rein formal wäre das möglich. Die politische Realität zeigt jedoch: Genau deshalb wurde der Weg des Bürgerentscheids gewählt. Nicht aus Schwäche, sondern weil es um mehr geht als um eine einzelne Flächennutzung.
Ein Bürgerentscheid ist kein Umweg. Er ist eine bewusste Entscheidung für demokratische Klärung.
Doch Demokratie bedeutet auch, Möglichkeiten auszuhalten – auch solche, die dem eigenen Kalkül widersprechen. Und dazu gehört ein Gedanke, der in diesen Wochen zunehmend leise ausgesprochen wird: Ein Ergebnis zugunsten des Flugplatzes und der Wiesen ist nicht ausgeschlossen. Vielleicht ist es sogar realistisch. Vielleicht fällt es deutlicher aus, als viele derzeit annehmen.
Dieser Gedanke ist kein Triumph, keine Prognose und keine Kampfansage. Er ist schlicht eine Anerkennung dessen, was Bürgerentscheide auszeichnet: Sie folgen nicht den Mehrheiten in Gremien, sondern den Überzeugungen der Menschen. Und diese entstehen nicht in Sitzungssälen, sondern im Alltag – in Gesprächen, in Vereinen, in Familien, auf Spaziergängen über genau jene Flächen, über die nun entschieden werden soll.
Wenn man diesen Gedanken zulässt, stellt sich eine wichtigere Frage als die nach dem Ausgang:
Sind wir bereit, das Ergebnis anzunehmen – egal wie es ausfällt?
Ein Bürgerentscheid, der nur dann willkommen ist, wenn er das erwartete Resultat bringt, ist kein demokratisches Instrument, sondern ein politisches Sicherheitsventil. Ein Bürgerentscheid hingegen, dessen Ausgang offen gedacht wird, stärkt die Stadt – unabhängig vom Ergebnis.
Vielleicht liegt genau darin der eigentliche Kern dieser Abstimmung. Nicht im Ja oder Nein zum Gewerbegebiet. Sondern in der Antwort auf die Frage, wie Offenburg mit Unsicherheit umgeht. Ob Beteiligung ernst gemeint ist. Ob Vertrauen nicht nur eingefordert, sondern auch zurückgegeben wird.
Ein klares Ergebnis für den Flugplatz würde Fragen aufwerfen – über Wachstum, über Flächennutzung, über die Gewichtung von Klima-, Natur- und Gemeinwohlinteressen. Ein anderes Ergebnis würde ebenso Verpflichtungen mit sich bringen. Beides wäre politisch anspruchsvoll. Beides wäre demokratisch legitim.
Der Bürgerentscheid ist deshalb kein Risiko, das man minimieren muss. Er ist ein Moment der Reife. Für die Stadt, für ihre Politik – und für uns alle.
Vielleicht ist das Wichtigste in diesen Wochen nicht, zu wissen, wie es ausgeht.
Sondern zu zeigen, dass wir bereit sind, es herauszufinden.
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