Die Antwort des Zweckverbands Gewerbepark Raum Offenburg erlaubt erstmals eine differenzierte Betrachtung der Flächenentwicklung über verschiedene Zeiträume. Statt nur auf Gesamtzahlen zu schauen, lohnt sich ein Blick auf die Frage: Welche Flächen sind kurzfristig nutzbar – welche mittelfristig – und welche langfristig?
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ToggleKurzfristig bebaubare Flächen
Nach Angaben des Zweckverbands sind aktuell rund 6,5 Hektar Fläche unmittelbar entwickelbar. Diese liegen westlich der Otto-Lilienthal-Straße und sollen im Zusammenhang mit der geplanten Gewerbeentwicklung am Flugplatz entstehen. Das bedeutet:
👉 Kurzfristige Gewerbeentwicklung in Offenburg hängt aktuell stark an genau diesem Projekt.
👉 Alternative kurzfristig verfügbare Flächen innerhalb des Zweckverbands werden praktisch nicht genannt.
Das ist politisch relevant, weil hier deutlich wird, dass die Flugplatzentwicklung weniger eine zusätzliche Option ist – sondern in der aktuellen Planung faktisch die zentrale kurzfristige Reserve darstellt.
Mittelfristig verfügbare Flächen
Deutlich interessanter wird die Betrachtung im mittleren Zeithorizont. Hier nennt der Zweckverband mehrere Flächen, die grundsätzlich als Gewerbestandorte vorgesehen sind, aber derzeit blockiert sind. Dazu gehören insbesondere:
Eigentumsfragen
Ein erheblicher Teil potenzieller Flächen befindet sich in privatem Besitz. Der Zweckverband nennt fehlende Grundstücksverfügbarkeit ausdrücklich als eines der größten Entwicklungshemmnisse. Das ist kein naturgegebenes Hindernis, sondern vor allem eine Frage von:
- Verhandlungen
- politischen Prioritäten
- Flächenpolitik
- möglicher kommunaler Bodenstrategie
Infrastrukturhemmnisse
Weitere mittelfristige Blockaden sind:
- Hochspannungsleitungen
- Verkehrsplanungen
- Abstandsflächen zu Wohngebieten
- ökologische Ausgleichsflächen
Auch diese Faktoren schließen eine Entwicklung nicht dauerhaft aus – sie verzögern sie lediglich.
Die umstrittene Rolle des Südzubringers
Besonders deutlich wird das bei den Flächen in Hohberg. Hier existieren laut Zweckverband rund 28 Hektar potenzielle Gewerbefläche, die aktuell jedoch durch Planungen für den Südzubringer blockiert oder zerschnitten werden.
Der Zweckverband schreibt ausdrücklich, dass:
- Teile dieser Flächen erst nach einer Entscheidung zum Südzubringer vermarktbar wären
- sich die nutzbare Fläche erheblich verändern kann – abhängig davon, welche Trassenvariante umgesetzt wird
Damit wird klar:
👉 Diese Flächen sind nicht grundsätzlich verloren.
👉 Ihre Nutzung hängt direkt an einer politischen Infrastrukturentscheidung.
Und genau hier beginnt die kontroverse Debatte: Der Südzubringer ist sowohl in Offenburg als auch in Hohberg hoch umstritten. Sollte dieses Projekt politisch scheitern oder verändert werden, könnten sich erhebliche neue Entwicklungsmöglichkeiten ergeben.
Langfristige Entwicklungsreserven
Der Zweckverband nennt außerdem Flächen, die ausdrücklich als langfristige Reserve gelten.
Dazu zählen insbesondere:
- größere Flächen in Hohberg westlich bestehender Bauabschnitte
- Flächen mit komplexen Eigentumsverhältnissen
- Bereiche, deren Entwicklung aus städtebaulichen Gründen erst in späteren Bauphasen sinnvoll ist
Diese Flächen zeigen:
👉 Gewerbeflächenentwicklung ist ein langfristiger Prozess über Jahrzehnte
👉 Die aktuelle Diskussion konzentriert sich stark auf kurzfristige Bedarfe
👉 Strategische Flächenpolitik könnte die Entwicklungsmöglichkeiten deutlich erweitern
Was bedeutet das für die Gesamtbetrachtung?
Aus der Antwort des Zweckverbands ergibt sich ein differenziertes Bild:
| Zeitraum | Potenzial |
|---|---|
| Kurzfristig | ca. 6,5 ha |
| Mittelfristig | deutlich größere Flächen, aber blockiert durch Eigentum, Infrastruktur oder Planung |
| Langfristig | umfangreiche Reserven mit Entwicklungspotenzial |
Damit wird deutlich:
Die Frage nach neuen Gewerbeflächen ist weniger eine Frage des absoluten Flächenmangels – sondern vor allem eine Frage von Prioritäten, Planung und politischer Steuerung.
Offene strategische Fragen für die Stadtentwicklung
Die Antwort des Zweckverbands wirft deshalb auch grundsätzliche Fragen auf:
- Wie aktiv soll kommunale Bodenpolitik betrieben werden?
- Welche Infrastrukturprojekte bestimmen künftig die Flächenentwicklung?
- Wie werden ökologische Ausgleichsflächen eingeplant?
- Welche Rolle spielen langfristige Entwicklungsstrategien gegenüber kurzfristigem Flächendruck?
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