Ein Stadtplan mit hervorgehobenen Straßen. je nach Baumbestand

Stadtbaumkonzept Offenburg: Gut gedacht – und jetzt verbindlich machen

Offenburg hat sein neues Stadtbaumkonzept vorgestellt. Endlich.
Wir begrüßen ausdrücklich, dass die Stadtverwaltung damit erstmals systematisch erfasst, wo in unseren Straßen künftig Bäume wachsen können. Es ist richtig und notwendig, dass Straßenräume neu gedacht werden – mit Schatten, Kühlung, Aufenthaltsqualität.

Denn Straßenbäume sind Klimaanpassung zum Anfassen:
Sie kühlen den Asphalt, schaffen geschützte Wege für Kinder, Ältere und Radfahrende und machen Straßen wieder zu lebenswerten Räumen.

Im Amtsblatt wird betont:

„Aktuell gibt es rund 5.600 städtische Bäume im Straßenraum.“

Gleichzeitig führt das Baumkataster über 20.000 Bäume.
Das zeigt: Wir haben genug Bäume in Parks und Grünflächen – aber zu wenige dort, wo die Hitze am gefährlichsten ist: auf Gehwegen und Straßen.

Das Stadtbaumkonzept ist deshalb ein richtiger Schritt.
Aber: Es bleibt unverbindlich.

Der Haken: schöne Ziele, keine messbaren Pflanzzahlen

Im Artikel werden als konkrete Maßnahmen genannt:

  • Klimahain am Marktplatz (2025)
  • Stadtbuckel (2026)
  • Werderstraße (ab 2027)

Rechnet man nach, sind das gerade mal etwa 50 Bäume – und das auf zwei Jahre verteilt.

50 Bäume in zwei Jahren –
bei 5.600 Straßenbäumen insgesamt –
ist kein Kurswechsel.

Es wirkt eher wie der Versuch, Klimaanpassung im Tempo des Fernwärme- und Glasfaserausbaus mitzuschleppen.

Wenn die Stadt gleichzeitig erklärt, Straßenbäume seien „eine der schwierigsten Maßnahmen der Klimaanpassung“, dann darf die Antwort nicht lauten: „Wir testen das mal mit 25 Bäumen pro Jahr.“

Sondern:
„Wir schaffen klare Pflanzziele.“

Was wir fordern: Verbindlichkeit

Wir brauchen einen Jahresplan.

Wir brauchen Prioritäten.

Wir brauchen Zahlen.

👉 Wir schlagen vor, die Anzahl der Straßenbäume in fünf Jahren zu verdoppeln.
von heute 5.600 → 11.200

Das bedeutet:

1.000 neue Straßenbäume pro Jahr.

Diese Zahl ist ambitioniert, aber realistisch – und vor allem wirksam.

Wenn Offenburg Hitzeinseln ernsthaft reduzieren will, dann reicht „Potenzialraum sichern“ nicht. Dann braucht es Pflanzspuren, nicht Prüfspuren.

Klimaanpassung darf kein Nebenprodukt sein

Derzeit wirkt es so, als ob Bäume gepflanzt werden dürfen – wenn nichts anderes im Weg ist.
Parkplätze, Leitungen, Zufahrten, Fernwärme, Glasfaser – alles hat Vorrang.

Aber Klimapolitik funktioniert genau anders herum:

Nicht: „Wenn Platz übrig ist, kommt ein Baum.“
Sondern: „Wir schaffen Platz für Bäume.“

Straßenbäume sind kein Deko-Element.
Sie sind die Lebensversicherung der Stadt.

Unser Fazit

Wir freuen uns über das Stadtbaumkonzept.
Wir freuen uns über die Datenbasis.
Wir freuen uns über das Bekenntnis zu mehr Grün im Straßenraum.

Aber wir werden in den kommenden Jahren darauf achten,
dass aus „Potenzialräumen“ wirklich Bäume werden.

Offenburg kann Vorreiter sein –
wenn wir uns trauen, konkrete Ziele festzulegen.

Klimaanpassung braucht keine Absichtserklärungen.
Sie braucht Schatten.

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