Ein lebhaftes Straßenfest mit Menschen, die gehen, stehen und an Ständen stöbern, unter belaubten Bäumen und sonnigem Himmel. Es gibt Tische, Sonnenschirme und ein Carsharing-Schild auf der rechten Seite, mit Geschäften und Wohnungen auf beiden Seiten der Straße.

Wenn Beteiligung einseitig bleibt, wird sie zur Fassade

Für das Straßen-Baum-Fest am 16. Mai in der Weingartenstraße haben wir bewusst ein Format gewählt, das in Offenburg noch immer zu selten ist: ein offener Raum, in dem Stadtentwicklung nicht nur besprochen, sondern gemeinsam erlebt und gestaltet wird. Mit dem Projekt move.more der Hochschule Offenburg, Initiativen wie ADFC, FUSS e.V. und weiteren Akteur:innen entsteht ein Reallabor im Stadtraum. Kein Planspiel, keine Präsentation im Sitzungssaal – sondern konkrete Erfahrungen, direkte Rückmeldungen und echte Auseinandersetzung vor Ort.

Ein zentrales Element sollte ein Expert:innen-Panel sein. Ziel: Verwaltung, Wissenschaft und Zivilgesellschaft an einen Tisch bringen. Nicht als Pflichttermin, sondern als Chance. Wir haben dazu auch die zuständigen Stellen der Stadt Offenburg eingeladen. Die Antwort kam schnell – und fiel knapp aus:

„Die Abteilung 6.2 oder Frau Moschitz werden nicht teilnehmen.“

Keine Begründung. Kein Gegenvorschlag. Kein Signal für Dialog. Das ist bedauerlich. Aber überraschend ist es nicht.

Denn es zeigt ein grundlegendes Problem: Beteiligung wird oft eingefordert – aber nur dann, wenn sie in kontrollierten Formaten stattfindet. Wenn Bürger:innen selbst Räume schaffen, wenn Beteiligung konkret, sichtbar und vielleicht auch unbequem wird, bleibt die Verwaltung fern.

Dabei wäre genau hier eine Chance gewesen. Ein Reallabor im öffentlichen Raum bietet etwas, das klassische Planungsverfahren kaum leisten können: unmittelbare Rückkopplung. Wie fühlen sich Straßen an, wenn sie anders genutzt werden? Wo entstehen Konflikte? Was funktioniert – und was nicht? Wer solche Fragen ernsthaft beantworten will, muss dorthin gehen, wo sie entstehen.

Nicht in den Sitzungssaal. Sondern auf die Straße. Wir nehmen die Absage zur Kenntnis. Und wir machen weiter. Denn Stadtentwicklung ist keine Einbahnstraße. Sie entsteht nicht allein in Ämtern, sondern im Alltag der Menschen, die diese Stadt nutzen, prägen und verändern.

Das Straßen-Baum-Fest wird genau dafür ein Raum sein: für Ideen, für Experimente, für Diskussionen – und für die Frage, wie wir den öffentlichen Raum gerechter, lebenswerter und zukunftsfähig gestalten können.

Vielleicht liegt genau darin der eigentliche Kern: Wir warten nicht mehr darauf, dass Beteiligung ermöglicht wird. Wir schaffen sie selbst. Denn am Ende sind wir Bürger:innen nicht nur Teil der Stadt. Wir sind die Veränderung, die wir uns wünschen.

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