Wenn es um das Königswaldfeld (also den Flugplatz, bzw. den Sonderlandeplatz) geht, wird derzeit gern auf ein Klimagutachten verwiesen. Der Tenor aus dem Rathaus lautet sinngemäß: „Alles geprüft, keine erheblichen Auswirkungen, also können wir bauen.“
Das klingt beruhigend. Ist es aber nicht. Denn wer das Gutachten liest, merkt schnell: So einfach ist es nicht.
Dieser Beitrag soll das Gutachten einordnen – fair, sachlich und verständlich. Und vor allem: ehrlich.
Inhalt
ToggleWas das Gutachten eindeutig feststellt
Das Gutachten zur stadtklimatischen Analyse des Königswaldfelds beschreibt zunächst den Ist-Zustand – und der ist aus klimapolitischer Sicht hoch relevant.
- Das Königswaldfeld ist heute ein Kaltluftentstehungsgebiet.
Vor allem die nördliche Hälfte der Fläche produziert nachts überdurchschnittlich viel Kaltluft. Diese entsteht über Grün-, Acker- und Waldflächen und ist ein zentraler Faktor für nächtliche Abkühlung. - Diese Kaltluft strömt in angrenzende Bereiche.
Besonders relevant sind Strömungen:- nach Norden zu den Wohngebieten nördlich des Südrings
- nach Osten in Richtung JVA
Diese Kaltluft wirkt ausgleichend auf überhitzte Siedlungsflächen und verbessert die nächtlichen Bedingungen für gesunden Schlaf.
- Das Gutachten betrachtet bewusst eine „Worst-Case-Situation“.
Analysiert wird eine windschwache Sommerhochdrucklage – also genau jene Nächte, die mit der Klimakrise häufiger werden und gesundheitlich besonders belastend sind .
Das ist wichtig: Das Gutachten bestätigt, dass diese Fläche keine klimatische Randnotiz, sondern Teil der städtischen Klimaanpassung ist.
Was das Gutachten ebenfalls klar benennt
Das Gutachten verschweigt auch nicht, dass eine Bebauung Folgen hätte:
- Gebäude wirken als Strömungshindernisse.
Eine Gewerbebebauung vermindert die Durchlässigkeit für Kaltluft. - Mehr Versiegelung bedeutet höhere Nachttemperaturen.
Gespeicherte Wärme wird nachts wieder abgegeben – genau das bremst Kaltluftströme zusätzlich. - Besonders betroffen sind zentrale Baufelder.
Für die Baufelder 3 und R1 wird explizit eine Abnahme der Kaltluftzufuhr festgestellt, insbesondere in Richtung JVA .
Das sind keine Nebensätze, sondern zentrale Aussagen.
Was das Gutachten nicht leistet – und das ist entscheidend
Und jetzt kommt der Punkt, der in der öffentlichen Debatte gern unter den Tisch fällt.
- Es gibt keine quantitative Wirkungsanalyse.
Das Gutachten rechnet nicht aus,- wie viel Grad wärmer es wird,
- wie stark Kaltluftvolumenströme abnehmen,
- oder welche Schwellenwerte überschritten werden könnten.
Es bleibt ausdrücklich bei einer qualitativen Einschätzung.
- Die Aussage „keine erheblichen Auswirkungen“ ist konditional.
Sie gilt nur unter Annahmen wie:- strömungsparallele Gebäudeausrichtung,
- große Abstandsflächen,
- geringe Versiegelung,
- keine riegelartige Bebauung oder Bepflanzung,
- konsequente Begrünung von Dächern und Fassaden.
Ob und wie das später tatsächlich umgesetzt wird, ist nicht Teil des Gutachtens.
- Das Gutachten bewertet Planung, nicht Realität.
Es untersucht ein Konzept, keine verbindlichen Bebauungspläne, keine konkreten Baukörper, keine tatsächliche Nutzung.
Kurz gesagt:
Das Gutachten sagt nicht: „Das ist klimatisch unproblematisch.“
Es sagt: „Wenn sehr vieles sehr gut gemacht wird, lassen sich negative Effekte möglicherweise abschwächen.“
Warum das für den Bürgerentscheid so wichtig ist
Das Königswaldfeld ist heute eine funktionierende Klimafläche.
Das Gutachten bestätigt diese Funktion – und räumt gleichzeitig ein, dass sie durch Bebauung geschwächt wird.
In Zeiten zunehmender Hitze ist das keine Bagatelle. Denn Klimaanpassung bedeutet nicht, Schäden später zu „kompensieren“, sondern wirksame Strukturen zu erhalten, solange sie noch da sind.
Wer auf Grundlage dieses Gutachtens behauptet, es gebe „keine klimatischen Risiken“, verkürzt – oder verschiebt bewusst die Aussage.
Unser Fazit
Dieses Gutachten ist kein Freifahrtschein für Bebauung.
Es ist ein Warnhinweis mit Fußnoten.
Es zeigt:
- wie wichtig das Königswaldfeld für das Stadtklima ist,
- dass eine Bebauung diese Funktion beeinträchtigt,
- und dass die behauptete Unbedenklichkeit auf Annahmen beruht, nicht auf Messwerten.
Gerade deshalb gehört diese Fläche in die öffentliche Diskussion..
Denn beim Klima gilt:
Was einmal versiegelt ist, kühlt nicht mehr.
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