Wie du deine Themen sichtbar in die Stadt bringst. Plakate sind eines der stärksten Werkzeuge für Veränderung im öffentlichen Raum. Sie sind direkt, sichtbar und nicht wegzudiskutieren. Während Social Media im Feed untergeht, hängen Plakate genau dort, wo Menschen unterwegs sind.
Und das Beste: Du kannst das selbst machen.
Hier zeigen wir dir Schritt für Schritt, wie du vom Entwurf bis zum fertigen Plakat in der Stadt kommst – inklusive rechtlicher Rahmenbedingungen.
Inhalt
ToggleIn 10 Schritten zum perfekten Plakat
1. Druck: Das richtige Material entscheidet
Wenn du plakatierst, brauchst du kein Hochglanzprodukt – im Gegenteil.
👉 Empfehlung: Affichenpapier
Das ist spezielles Plakatpapier, das Wasser und Kleister gut aufnimmt und sich perfekt an Untergründe anschmiegt.
- saugfähig → hält besser
- reißt kontrolliert → kein Chaos beim Kleben
- ideal für große Flächenaktionen
➡️ Laut Herstellerhinweisen ist genau dieses Papier Standard für professionelle Plakatkampagnen
Wichtig:
Normales Bilderdruckpapier sieht gut aus – hält aber schlecht und wirft Falten. Aber da Affichenpapier zumindest zum selber Drucken schwer zu bekommen ist, geht auch normales Kopierpapier.
2. Kleister anrühren – simpel, aber entscheidend
Ohne guten Kleister hält nichts.
Grundprinzip:
- Wasser + Leimpulver + ggf. Leim-Zusatz
- gut verrühren (klumpenfrei!)
- am besten vorher ansetzen (idealerweise 24h)
👉 Richtwert:
- ca. 20 Liter Wasser auf 1 kg Leimpulver und 1 Liter Leim
Faustregel:
Nicht zu dünn (läuft runter), nicht zu dick (klebt schlecht).
Rühre nur in etwa die Menge Leim an, die du auch benötigst. Der Leim hält zwei ein paar Wochen, aber klebt dann immer weniger gut.
Eine Bezugsquelle: https://www.mcposter.com/outdoor-profi-plakatleim
3. Plakate vorbereiten (der unterschätzte Schritt)
Der größte Fehler: direkt trocken kleben.
👉 Besser:
- Plakat kurz wässern
- leicht einweichen lassen
- glattziehen
Warum?
- Papier wird flexibel
- keine Falten
- bessere Haftung
Da dies mit dem Einweichen vorher recht aufwändig ist und bei normalem Papier auch nicht ganz so gut funktioniert, kleistern wir zum einen den Plakatträger ein und dann die Rückseite der Plakate. Das lassen wir kurz einziehen und dann weiter wie oben.
4. Recycling statt neu: Hohlkammerplatten nutzen
Hier wird’s richtig gut – und nachhaltig.
👉 Alte Wahlplakate = perfektes Material, zumindest, wenn es die Hohlkammerplatten aus Kunsstoff sind. Die dann eben nicht in den Müll wandern, sondern noch viele weitere Leben bekommen können.
Warum?
- stabil
- wetterfest
- kostenlos verfügbar (nach Wahlen massenhaft)
So geht’s:
- alte Plakate reinigen
- Kleister auf Platte auftragen
- nasses Plakat auflegen
- glattstreichen (keine Luftblasen!)
- nochmal dünn überkleben
- trocknen lassen
➡️ Genau so wird es auch professionell gemacht: erst Untergrund einstreichen, dann Plakat, dann nochmal versiegeln
5. Trocknung & Lagerung
- flach trocknen lassen
- nicht stapeln
- mindestens einige Stunden, besser über Nacht
Wenn du sauber arbeitest, halten die Plakate Wochen. Bei feuchter Wetterlage brauchen die Plakate gerne ein paar Tage zum Trocknen, wenn du diese nicht in einem warmen Raum lagern kannst. Plane das entsprechend ein.

6. Genehmigung: Ohne geht’s nicht (leider)
Jetzt der Teil, den viele ignorieren – und dann Ärger bekommen.
👉 In Offenburg brauchst du eine Sondernutzungserlaubnis
Das bedeutet:
- Antrag bei der Stadt
- Gebühr zahlen
- Plakatmarken erhalten
➡️ Ohne diese Marken darfst du nicht plakatieren
7. Die wichtigsten Regeln (knallhart zusammengefasst)
Die Stadt gibt dir Spielraum – aber mit klaren Grenzen:
Zeit
- frühestens 10 Tage vorher
- spätestens 3 Tage danach entfernen
Sicherheit
- nichts darf in den Verkehr ragen
- Mindesthöhen beachten (z. B. 2,50 m bei Gehwegen)
- keine Sichtbehinderung
Verboten ist:
- an Bäumen plakatieren
- auf Mülleimern, Kästen, Briefkästen
- an Brücken
- an bestimmten Straßenabschnitten
Technik
- nur mit Kabelbindern befestigen
- keine Nägel, kein Draht
Ganz wichtig:
👉 Kein Nasskleben vor Ort erlaubt
Du musst also IMMER vorbereitete Platten nutzen.
8. Anbringen im Stadtraum
Was funktioniert gut:
- Laternenmasten
- gut sichtbare Wegebeziehungen
👉 Tipp aus der Praxis:
- nicht einzeln plakatieren
- Cluster bilden (mehrere Plakate in einem Bereich)
- Sichtachsen nutzen
9. Wirkung: Warum sich der Aufwand lohnt
Plakatieren ist kein Nebenbei-Tool.Es ist:
- sichtbar
- lokal verankert
- schwer zu ignorieren
Und vor allem: 👉 Es zeigt: Hier passiert etwas.
10. Fazit: Einfach machen
Ja, es gibt Regeln. Ja, es ist Arbeit. Aber:
Stadt verändert sich nicht von allein.
Wenn du willst, dass deine Themen gesehen werden, musst du sie sichtbar machen. Plakate sind dafür eines der direktesten Mittel.
Bonus: Unsere Learnings
- lieber weniger Motive, dafür konsequent
- starke Farben schlagen Details
- klare Botschaft > schönes Design
- gute Orte sind wichtiger als viele Orte

Materialliste (für ca. 20 Plakate)
Damit es konkret wird: Hier ist eine erprobte Grundausstattung für eine kleine Aktion.
Für eine Charge von ca. 20 Plakaten (A2, doppelt)
- 🪣 ca. 2,5 Liter Kleister (inkl. Leimzusatz)
- 🖌️ 1 breite Bürste / Quast / Pinsel
- 🧱 20 Hohlkammerplatten (A1, gefaltet auf A2)
- 🔗 40 Kabelbinder (je 2 pro Plakat)
- 🪣 1 Eimer für den Kleister
- 🧰 1 Eimer für Werkzeug (Pinsel, Rührer etc.)
- 🪵 Unterlage zum Kleistern (z. B. Holzplatte, Tisch, alte Platte)
- 🧻 Handtuch oder Lappen (für Hände – wird schneller wichtig als gedacht)
Praxis-Tipps aus der Werkstatt
Das sind die Dinge, die dir niemand am Anfang sagt – die aber den Unterschied machen:
- Arbeite im Team
Eine Person kleistert, eine legt auf, eine streicht glatt → doppelt so schnell - Nicht zu perfektionistisch sein
Ein gutes Plakat hängt – ein perfektes liegt noch im Atelier - Kleister ist dein Freund
Lieber etwas zu viel als zu wenig (aber gleichmäßig!) - Vorbereitung schlägt Aktion
Wenn alles fertig ist, dauert das Aufhängen oft nur 30–60 Minuten - Plane die Route vorher
Spart Zeit und Nerven
Und jetzt?
Du hast jetzt alles, was du brauchst:
- Wissen
- Material
- rechtlichen Rahmen
- praktische Erfahrung aus echten Aktionen
Der Rest ist eine Entscheidung:
👉 Willst du, dass sich etwas verändert? Dann geh raus und mach es sichtbar.
Gemeinsam statt allein: Unsere Protestwerkstatt
Du musst das nicht alleine herausfinden.
In unserer Projekt- und Protestwerkstatt öffnen wir genau diesen Raum:
👉 für Menschen mit Ideen
👉 für Menschen mit Wut
👉 für Menschen, die etwas verändern wollen – aber noch nicht wissen wie
Hier kannst du:
- Plakate entwerfen und drucken
- lernen, wie man sauber und effektiv plakatiert
- Material nutzen (statt alles selbst zu kaufen)
- dich mit anderen vernetzen
- Aktionen gemeinsam planen
Kurz gesagt:
Du bringst dein Thema – wir bringen das Handwerkszeug.
Wenn du also loslegen willst:
👉 Komm vorbei. Mach dein Anliegen sichtbar.
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