Am Obersasbacher Friedhof wurden am Mittwochabend die ersten drei von sechs Feldahornbäumen gefällt – trotz erheblicher Kritik, über 600 Petitionseinträgen und einer Anzeige bei der unteren Naturschutzbehörde. Bereits zwei Tage zuvor hatte es einen Bürgerdialog des Ortschaftsrats gegeben, den viele Beteiligte jedoch nicht als echte Beteiligung empfanden.
Die Klimagruppe LOS4KLIMA hatte ein Aussetzen des Fällbeschlusses um ein Jahr vorgeschlagen, um gemeinsam mit Fachleuten Alternativen zu prüfen. Dieses Angebot wurde nicht aufgegriffen.
Ortsvorsteher Bernhard Ringwald rechtfertigte das schnelle Vorgehen mit langjährigen Beschwerden aus der Anwohnerschaft und betonte, der Beschluss sei formal ordnungsgemäß gefasst worden. Die Fällarbeiten selbst waren nach rund einer Stunde abgeschlossen.
Die Naturschutzbehörde prüft nun die Anzeige. Unklar ist, ob ein Verstoß gegen naturschutzrechtliche Vorgaben vorliegt und welche Konsequenzen sich daraus ergeben könnten.
Der Fall sorgt regional für Bestürzung – nicht nur wegen der gefällten Bäume, sondern auch wegen der Frage, wie ernst Bürgerbeteiligung und alternative Klima- und Gestaltungsansätze tatsächlich genommen wurden.
Inhalt
ToggleEin Leserbrief
Betreff: Was in Obersasbach geschehen ist – und warum wir trotzdem weitermachen müssen
Sehr geehrte Redaktion,
sehr geehrte Damen und Herren,
die Fällung der Feldahorne am Obersasbacher Friedhof hat viele Menschen tief getroffen – mich eingeschlossen. Es war ein kurzer Moment, eine einzige Stunde, in der etwas verschwand, das über Jahrzehnte gewachsen war. Etwas, das Schatten spendete, Trost bot, Ruhe schenkte. Und etwas, das – wie man seit Jahren weiß – angesichts der Klimakrise eine immer kostbarere Ressource darstellt.
Was schmerzt, ist nicht nur, dass die Bäume gefallen sind. Es ist das Gefühl, dass Engagement, Argumente, Fachwissen und Alternativvorschläge kaum eine Rolle gespielt haben. Menschen haben gesprochen, gebeten, sogar angeboten, selbst mit anzupacken. Die Petition wuchs innerhalb weniger Stunden. Die Anzeige liegt inzwischen bei der Naturschutzbehörde. Und dennoch hatte man am Ende den Eindruck, dass der Beschluss längst feststand.
Es ist ein bitteres Gefühl, wenn Beteiligung nur als Formalie erscheint und nicht als Chance, gemeinsam bessere Lösungen zu finden. Wir alle wollen doch Orte, die lebenswert bleiben – friedliche Friedhöfe, schützende Alleen, kühlende Bäume, verantwortungsvolle Entscheidungen.
Und dennoch: Trotz aller Trauer glaube ich, dass dieser Fall uns etwas zeigt, das Hoffnung macht.
Nämlich, wie viele Menschen sich heute einmischen. Wie viele sich trauen, Fragen zu stellen. Wie viele bereit sind, Verantwortung zu übernehmen. Das ist neu. Das ist kraftvoll. Und das wird bleiben.
Vielleicht ist Obersasbach der traurige Moment, der uns wachrüttelt. Vielleicht werden Gespräche künftig früher geführt. Vielleicht werden Expertisen ernster genommen, Alternativen wirklich geprüft, und Bürgerbeteiligung nicht nur angekündigt, sondern gelebt.
Ich wünsche mir das. Sehr.
Für Obersasbach – und für jede andere Gemeinde, die in den kommenden Jahren ähnliche Entscheidungen treffen wird.
Denn wer erlebt hat, wie weh es tut, etwas Wertvolles zu verlieren, ist meist derjenige, der sich am stärksten für Bewahrung und bessere Verfahren einsetzt.
Mit traurigen, aber hoffnungsvollen Grüßen
Ralph Fröhlich
Siehe auch
- https://bnn.de/mittelbaden/ortenau/sasbach/meinung-buergerdialog-zu-baumfaellungen-in-obersasbach-war-ein-monolog
- https://bnn.de/mittelbaden/ortenau/sasbach/nach-faellung-von-ahornbaeumen-in-obersasbach-anzeige-und-petition-folgen
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