Zwei Raubvögel fliegen über immergrünen Bäumen, mit einem grasbewachsenen Feld im Vordergrund und bewaldeten Hügeln im Hintergrund unter einem dunstigen Himmel.

Ein Gutachten, das niemand kennt – und das viel über den Flugplatz Offenburg sagt

Im September 2023 wurde ein umfassendes ökologisches Gutachten zum Flugplatz Offenburg fertiggestellt. Titel: „Ökologische Bestandsaufnahme des Flugplatzgeländes Offenburg“, erarbeitet vom Planungsbüro Beck (Karlsruhe). Bemerkenswert ist weniger, dass dieses Gutachten existiert – sondern dass es bislang weder öffentlich vorgestellt noch politisch diskutiert wurde, obwohl es für die aktuelle Debatte um die Zukunft des Flugplatzareals von zentraler Bedeutung ist. Wir möchten das ändern und stellen die wesentlichen Inhalte hier erstmals öffentlich vor.

Was wurde untersucht?

Zwischen März und September 2023 wurden bei mehreren Begehungen systematisch erfasst:

  • Vogelarten (Brut-, Nahrungsgäste, Durchzügler)
  • Reptilien
  • Heuschrecken und Tagfalter
  • Gehölzstrukturen
  • Grünland und Wiesenvegetation

Die Untersuchung erfolgte fachlich sauber, über mehrere Jahreszeiten hinweg und nach den gängigen Standards der Naturschutzfachplanung.

Ein kleiner orange-schwarzer Schmetterling ruht auf einer weißen Gänseblümchenblüte inmitten von grünem Gras und Blättern in einer sonnenbeschienenen Außenumgebung.

Zentrale Ergebnisse – kurz und klar

🌿 Ein ökologisch hochwertiges Gesamtareal

Das Gutachten kommt zu einem eindeutigen Fazit:
Die hohe ökologische Bedeutung des Flugplatzes ergibt sich aus der großen Fläche, der Vielfalt an Lebensräumen (Gehölze, Säume, extensives Grünland, offene Bereiche) sowie der extensiven, chemiefreien Bewirtschaftung.

Der Flugplatz ist kein „ökologisches Randgebiet“, sondern ein funktional bedeutsames Mosaik im Landschaftsraum.

🐦 Vogelwelt: Brut- und Nahrungshabitat

Nachgewiesen wurden:

  • 24 Brutvogelarten
  • zahlreiche weitere Arten als regelmäßige Nahrungsgäste
  • darunter Vorwarnlisten-, Rote-Liste- und streng geschützte Arten (u. a. Pirol, Goldammer, Star, Grünspecht)

Die offenen Flächen spielen eine zentrale Rolle als Nahrungshabitat – auch für Arten aus dem angrenzenden Wald- und Seengebiet.

🦎 Reptilien: rechtlich hoch relevant

Besonders brisant ist der Nachweis von:

  • Mauereidechse und Zauneidechse
  • beide streng geschützt
  • beide Anhang IV der FFH-Richtlinie

Der nördliche Teil des Flugplatzes ist eine nachgewiesene reproduzierende Lebensstätte der Mauereidechse. Das verleiht diesem Bereich eine sehr hohe naturschutzrechtliche Bedeutung.

🦋 Insekten & Nahrungsketten

Nachgewiesen wurden:

  • 8 Heuschreckenarten (darunter die extrem seltene Schiefkopfschrecke)
  • 10 Tagfalterarten

Die Insektenfauna ist vor allem als Nahrungsgrundlage für Vögel, Reptilien und Fledermäuse relevant. Auch Libellen aus dem benachbarten Königswaldsee nutzen den Flugplatz als Jagd- und Reifehabitat.

🌾 FFH-Mähwiesen

In der Südhälfte des Areals wurden mehrere Flächen mit FFH-Mähwiesen-Charakteristik kartiert. Dabei handelt es sich um einen europäisch geschützten Lebensraumtyp, dessen Verlust rechtlich besonders schwer wiegt.

Ein einsamer Hirsch steht inmitten einer sonnenbeschienenen Wiese mit Bäumen und einem Haus im Hintergrund unter einem hellen Himmel.

Die offene Frage

Angesichts dieser Ergebnisse stellt sich eine naheliegende Frage: Warum wurde dieses Gutachten bislang weder der Öffentlichkeit vorgestellt noch im Gemeinderat inhaltlich diskutiert, obwohl es für die Bewertung der Planungen auf dem Flugplatzareal offensichtlich relevant ist? Gerade in einer Phase, in der weitreichende Entscheidungen anstehen – bis hin zu einem Bürgerentscheid –, ist Transparenz über die fachlichen Grundlagen unerlässlich.

Unser Anliegen

Wir halten es für notwendig, dass:

  • dieses Gutachten öffentlich zugänglich gemacht,
  • fachlich eingeordnet
  • und politisch diskutiert wird.

Nur so kann eine sachliche, faire und informierte Debatte über die Zukunft des Flugplatzes geführt werden.

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