Nur wenige Tage nach dem Bürgerentscheid zum Offenburger Flugplatz hat der Gemeinderat erneut über Gewerbeflächen diskutiert. Die „Aktuelle Stunde“ wurde von CDU und FDP beantragt. Schon nach wenigen Minuten wurde deutlich: Das Ergebnis der Abstimmung ist politisch zwar akzeptiert – innerlich haben es viele noch nicht verarbeitet.
Der Bürgerentscheid hatte mit rund 57 Prozent gegen ein Gewerbegebiet auf dem Flugplatz gestimmt. Für viele Bürgerinnen und Bürger war das ein klares Signal: Natur- und Freiflächen sollen nicht mehr automatisch zur Reservefläche für wirtschaftliche Expansion werden.
Im Gemeinderat klang das jedoch teilweise ganz anders.
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ToggleCDU: Enttäuschung über verpasste Chance
Die CDU sprach offen von einer „verpassten Chance“. Ein Gewerbegebiet auf dem Flugplatz hätte neue Arbeitsplätze, zusätzliche Gewerbesteuereinnahmen und Entwicklungsperspektiven für Unternehmen gebracht. Für die Fraktion steht weiterhin fest: Offenburg braucht neue Gewerbeflächen, wenn die Stadt wirtschaftlich stark bleiben will.
Der Bürgerentscheid wird zwar respektiert – die Grundannahme dahinter wird jedoch nicht infrage gestellt.
SPD: Warnung vor wirtschaftlichen Folgen
Auch die SPD zeigte sich enttäuscht über das Ergebnis. Sie warnte davor, dass fehlende Gewerbeflächen langfristig Folgen für Arbeitsplätze und die kommunalen Finanzen haben könnten. Die Gewerbesteuer sei eine zentrale Einnahmequelle der Stadt. Ohne neue Flächen könnten Unternehmen irgendwann nicht mehr wachsen.
Damit bleibt auch hier das zentrale Narrativ bestehen: Wirtschaftliche Entwicklung braucht vor allem neue Flächen.
Verwaltung: Analyse statt schneller Antworten
Oberbürgermeister Marco Steffens stellte klar, dass das Ergebnis des Bürgerentscheids verbindlich sei. Gleichzeitig machte er deutlich, dass es keinen sofortigen „Plan B“ geben könne. Die Verwaltung wolle nun prüfen, welche Konsequenzen sich daraus ergeben und welche Möglichkeiten es künftig gebe.
Eine solche Analyse werde einige Monate dauern.
Andere Stimmen: Erst vorhandene Flächen nutzen
In der Debatte wurde allerdings auch auf Alternativen hingewiesen. So wurde erneut darauf verwiesen, dass im Gewerbegebiet Hoch 3 noch rund 6,5 Hektar kurzfristig nutzbare Flächen vorhanden sein könnten.
Zudem wurde angeregt, bestehende Gewerbegebiete stärker zu verdichten, Flächen effizienter zu nutzen und stärker regional zu denken.
Die eigentliche Frage bleibt
Die Diskussion zeigte vor allem eines: Der Bürgerentscheid wird von vielen weiterhin wie ein Hindernis behandelt – nicht wie eine Richtungsentscheidung.
Dabei könnte die Botschaft der Abstimmung kaum klarer sein. Eine Mehrheit der Offenburger Bevölkerung hat gesagt:
Nicht jede freie Fläche ist automatisch eine künftige Gewerbefläche.
Die eigentliche Herausforderung lautet daher nicht: Wo finden wir die nächste Fläche?
Die eigentliche Frage lautet:
Wie entwickeln wir unsere Wirtschaft, ohne immer neue Landschaft zu verbrauchen?
Diese Debatte hat im Gemeinderat gerade erst begonnen.
Siehe auch
- https://bo.de/nach-dem-burgerentscheid-herrscht-dicke-luft-im-offenburger-rat/
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