Das Bild ist in zwei Hälften geteilt: Die linke Seite zeigt einen grünen Campus mit Sonnenkollektoren, Windturbinen und einer Person in einem Laborkittel; die rechte Seite zeigt Bäume, die gefällt werden, und Bauarbeiten in der Nähe eines Gebäudes mit Fabrikschornsteinen im Hintergrund.

Nachhaltigkeit lehren – Flächenverbrauch unterstützen? Hochschule Offenburg

Die Hochschule Offenburg steht für angewandte Forschung. Für Nachhaltigkeit, Ressourceneffizienz, Energiewende, Transformation. In Studiengängen, Forschungsprojekten und öffentlichen Veranstaltungen geht es um Zukunftsfähigkeit, Klimaanpassung und verantwortungsvolle Entwicklung. Gerade deshalb wiegt eine öffentliche Positionierung im Bürgerentscheid schwer.

Denn beim geplanten Gewerbegebiet auf dem Flugplatz geht es nicht nur um Wirtschaftsförderung. Es geht um rund 20 Hektar bislang unversiegelte Fläche. Um Boden als endliche Ressource. Um CO₂-Speicherung, Kühlungseffekte in einer sich aufheizenden Stadt, Biodiversität und Freiraum.

Und dieser lokale Konflikt steht nicht isoliert im Raum.

Baden-Württemberg verfolgt offiziell das Ziel eines Netto-Null-Flächenverbrauchs. Neue Flächeninanspruchnahme soll langfristig vollständig durch Entsiegelung oder Innenentwicklung ausgeglichen werden. Gleichzeitig wird seit Jahren politisch eingefordert: Innenentwicklung vor Außenentwicklung.

Kommunen sollen vorhandene Potenziale nutzen, Brachflächen reaktivieren, Bestände effizienter entwickeln – bevor neue Freiflächen überplant werden. Genau hier entsteht das Spannungsfeld. Denn eine Hochschule bildet jene Planer:innen, Ingenieur:innen und Nachhaltigkeitsexpert:innen aus, die künftig solche Zielkonflikte lösen sollen. Sie vermittelt Methoden zur Ressourcenschonung, zur Flächeneffizienz, zur klimaangepassten Stadtentwicklung.

Wenn sich eine solche Institution nun im Vorfeld eines Bürgerentscheids klar für ein neues Gewerbegebiet auf bislang unbebauter Fläche positioniert, wirkt das mindestens erklärungsbedürftig.

Natürlich kann wirtschaftliche Entwicklung Teil nachhaltiger Transformation sein. Aber nachhaltige Entwicklung bedeutet eben nicht nur Wachstum, sondern Abwägung. Flächeneffizienz. Priorisierung. Systemisches Denken.

Gerade deshalb wäre eine sichtbar differenzierte, wissenschaftlich begründete Stellungnahme nachvollziehbar gewesen – statt einer eindeutigen politischen Positionierung.

Die offene Frage bleibt:

Wie versteht eine Hochschule ihre Rolle in kommunalen Grundsatzentscheidungen? Als politische Akteurin? Oder als Ort, an dem Zielkonflikte transparent analysiert und moderiert werden?

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Dieser Beitrag hat 2 Kommentare

    1. Ralph

      Danke für deinen klaren Kommentar und vor allem auch den spannenden Link

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