Autos parken auf einer Kopfsteinpflasterstraße neben einem großen gelben Gebäude mit gewölbten Fenstern; Bäume spenden Schatten, und in der Ferne gehen Menschen an weiteren Gebäuden vorbei. Im Hintergrund ist eine Kirchturmspitze zu sehen.

Und 200 Meter weiter ist das Parkhaus

Es ist einer dieser kleinen Alltagsmomente, bei denen man sich fragt: Muss das wirklich sein?
Man schlendert durch die Lange Straße, genießt das neue Pflaster, die Ruhe einer Spielstraße, und dann – zack – steht da eine Reihe Autos, Stoßstange an Stoßstange, genau dort, wo eigentlich genau gar kein Parkplatz ist.

Das Kuriose: Keine 200 Meter weiter steht ein Parkhaus. Überdacht, mit freien Plätzen, direkt angebunden. Keine Pfützen, kein Vogelkot, keine Parkplatzsuche in der Altstadt. Aber anscheinend ist der Gedanke „ein paar Schritte mehr laufen“ für manche schwerer verdaulich als das (leider marginale) Risiko eines Strafzettels.

Es geht hier nicht um ein paar falsch parkende Autos. Es geht darum, wie wir unseren öffentlichen Raum sehen – und wie wir ihn nutzen wollen. Eine Spielstraße ist ein Ort, an dem Menschen Vorrang haben sollen: Kinder, die herumtollen, ältere Menschen, die sicher unterwegs sind, und alle, die einfach mal durchatmen wollen, ohne ständig um Autos herumzunavigieren.

Wenn wir das einfach hinnehmen, verändert sich etwas – leise, schleichend, aber spürbar. Der Anspruch auf sichere, lebenswerte Straßen wird kleiner, das Gewohnheitsrecht der Autos größer. Und irgendwann wundern wir uns, warum sich hier niemand mehr wohl fühlt.

Deshalb: Nein, das ist nicht egal. Weder für uns, noch für die Stadtverwaltung. Regeln, die nicht durchgesetzt werden, sind keine Regeln – sie sind nur Deko.

Vielleicht ist es Zeit, dass wir uns trauen, das anzusprechen. Nicht, um zu schimpfen. Sondern um klarzumachen: Öffentlicher Raum gehört uns allen. Und 200 Meter mehr zu laufen ist kein Weltuntergang – sondern vielleicht der erste kleine Schritt zu einer Stadt, die wirklich für Menschen gemacht ist.

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Dieser Beitrag hat 2 Kommentare

  1. Elfi Korn

    Dieser Text könnte – ausgedruckt, mit einem hübschen Symbol versehen und hinter die Windschutzscheiben gesteckt (mit „Knöllchen“, zur Entschuldigung ein paar Euro für die Druckerei und Aktivist:innen zu spenden) womöglich Wirkung entfalten. Man wird dadurch nicht zum „Blockwart“. (Denn hier lesen es wahrscheinlich eher die, die das ohnehin nicht machen?! 😉

  2. M. Einhaus

    Vielleicht sind es auch die gestiegenen Preise in den Parkhäusern???

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