Eine Fünfeckform, bestehend aus fünf farbigen Kreisen an den Eckpunkten, wobei jeder Kreis durch Linien mit jedem anderen Kreis verbunden ist.

Digital anders – Ein Gastbeitrag

Selbstbestimmung und demokratische Teilhabe beschäftigen uns bei der KfUTD auch im digitalen Raum: Wer bestimmt, was wir sehen, wie wir miteinander diskutieren und was mit unseren Daten passiert? Gunter vom BUND hat daraus für sich Konsequenzen gezogen und Facebook verlassen. In seinem Gastbeitrag erzählt er von seinem Wechsel ins Fediverse und davon, wie er wieder mehr Freude am Austausch und mehr Kontrolle über seinen digitalen Alltag gefunden hat. Sein Anliegen: Mut machen, Alternativen auszuprobieren – auch ohne großes technisches Vorwissen.

Digital anders – Ein Gastbeitrag

Ich bin jetzt bestimmt über 20 Jahre in Sozialen Netzwerken unterwegs, doch immer geringere Reichweite, Hassposts, die süchtig machenden Algorithmen und immer weniger Datenschutz haben mir das Leben dort zunehmend schwer gemacht. Um dem zu entgehen, habe ich vor fast zwei Jahren meinen letzten Facebook-Zugang gelöscht und bin umgezogen: Ins Fediverse – und ich bin nicht alleine.

Viele, die sich in den vergangenen Jahren in Sozialen Medien für den Umwelt- und Naturschutz eingesetzt haben, mussten dies unter immer schwierigeren Bedingungen tun. Zum einen sorgten die undurchsichtigen Algorithmen der großen Anbieter dafür, dass Posts zu Umweltthemen noch nicht einmal alle eigenen Follower erreichten, zum anderen musste man bei oft geteilten Posts mit Hass und Wut umgehen. Das ist kein Zufall, sondern gewollt: Bob Blume, bekannter „Netzlehrer“, beschrieb dieses Geschäftsmodell der BigTech-Unternehmen mit dem Slogan „Hate sells“. Die schwierige Datenschutzlage und die Unterstützung autoritärer Tendenzen durch die Eigentümer von X, Meta (Facebook, Instagram), Alphabet (Google, Youtube) oder TikTok führten schon vor einiger Zeit zur Entwicklung von demokratischeren Sozialen Netzwerken, die sich zum Teil im Fediverse zusammengeschlossen haben.

Diese Sozialen Netzwerke sind über das sogenannte „Activity Pub Protokoll“ miteinander verbunden. Das Programm ermöglicht es, sich mit einem eigenen Server an die Netzwerke anzuschließen. So bleiben alle Daten auf dem eigenen Rechner. Es gibt kein Ranking in der Timeline, auf Werbung wird verzichtet, die Server werden entweder privat betrieben oder durch Spenden finanziert. Die Vielzahl der Server sorgt dafür, dass die Netzwerke demokratisch bleiben. Auch das Blockieren von Personen ist einfach, wenn sich jemand nicht an die Regeln des jeweiligen Servers hält, kann dieser schnell und wirkungsvoll gemeldet werden. Hass und Spam begegnen einem so deutlich weniger. Wer keinen eigenen Server aufsetzen möchte, kann auch einen Account auf einem der anderen Server, die dies anbieten, installieren. Nachteile sind, dass man sich umgewöhnen muss und dass es bisher eine überschaubare Zahl an Nutzern gibt (um die 20 Millionen) – insbesondere im regionalen Rahmen – die aber dafür echt sind und ein echtes Interesse mitbringen. Spaß macht das Fediverse dann, wenn man bereit ist, sich am vielfältigem Geschehen zu beteiligen, ein reines „Hineinposten“ wird nicht zum Erfolg führen.

Bei mir habe ich nach und nach Veränderungen festgestellt: Mittlerweile diskutiere ich wieder mit, ich empfinde kein ungutes Gefühl mehr, wenn ich den Rechner einschalte und – ich habe viel gelernt. Dem ersten Schritt sind nach und nach weitere gefolgt, denn das Netzwerk ist ein Quell an Ideen, wie man auch digital anders handeln kann – selbst wenn man keine oder nur wenig Ahnung davon hat.

Auch wenn ich hier nur den Umgang mit Sozialen Netzwerken beschreibe: Allein das Gefühl, wieder mehr Kontrolle über seine digitale Welt zu haben und nicht allem hilflos ausgeliefert zu sein, ist es wert, digital anders zu handeln.

Gunter

@Aktivgegenmuell

Einige Wechselideen:

  • Firefox als Browser nutzen, datenschutzsicherer als alle anderen…
  • U-Block Origin installieren – der beste Adblocker, der gleichzeitig auch Viren fern hält…
  • Mastodon, Pixelfed, Lemmy oder Loops nutzen als Alternative zu anderen Social Media Plattformen. Ein Post mit den und – und man ist schnell drin. www.joinmastodon.org oder www.fediverse.party
  • Amazon? Niemals… Meine Online-Einkaufs-Läden finde ich bei www.Lmaa.space
  • What’sApp? – Signal ist datenschutzsicherer und weit verbreitet, noch besser ist Threema, aber nicht so weit verbreitet…

Windows oder Apple? – Wie wäre es denn mal mit Linux? Die Ortenauer Gruppen FreieSoftwareOG, KiLuG und Section77 bieten hier regelmäßig kostenlose Hilfe an – in der VHS, in der Section77, bei entsprechenden Treffen, im Repaircafe — und alles ist längst auch für Leute ohne Technikkenntnisse gut bedienbar…Paypal? – Lieber zurück zur klassischen Überweisung oder halt mal Wero ausprobieren…

Was macht die KfUTD?

Auch wir als KfUTD sind im Fediverse unterwegs und sammeln Erfahrungen damit, wie Austausch und Vernetzung dort gelingen können. Wir lernen dazu und freuen uns über alle, die mit uns diese Wege ausprobieren. Auf Mastodon findet ihr uns unter @kfutd@mastodon.social. Kommt gerne dazu, stellt Fragen und diskutiert mit!

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