Parkende Autos auf dem Gehweg gehören in vielen Städten längst zum Alltag. Für Fußgängerinnen und Fußgänger bedeutet das jedoch häufig: Slalom laufen, ausweichen – oder gleich auf die Straße gehen. Eine neue Auswertung des Verkehrsclub Deutschland (VCD) zeigt nun, wie groß das Problem tatsächlich ist.
Im Herbst 2025 hatte der ökologische Verkehrsclub dazu aufgerufen, regelmäßig zugeparkte Gehwege über ein Online-Tool zu melden. Bundesweit gingen mehr als 3.300 Meldungen ein. Die Auswertung zeigt ein klares Bild: In den meisten Fällen bleibt für Fußgängerinnen und Fußgänger viel zu wenig Platz.
Nach Angaben des VCD verbleiben bei nahezu allen gemeldeten Stellen weniger als 1,50 Meter Gehwegbreite. In über 80 Prozent der Fälle sogar nur ein Meter oder weniger. Für Menschen mit Kinderwagen, Rollstuhl oder Rollator wird das schnell zum Hindernisparcours.
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ToggleBesonders problematisch für Kinder
Ein weiterer Aspekt wird in der Debatte oft übersehen: Kinder müssen bis zum Alter von acht Jahren laut Straßenverkehrsordnung auf dem Gehweg Rad fahren. Engstellen durch parkende Autos widersprechen daher direkt der Schutzfunktion dieser Wege.
In etwa jedem vierten gemeldeten Fall nutzen Kinder den Gehweg regelmäßig zum Radfahren. Wenn dort kaum Platz bleibt, entsteht eine gefährliche Situation: Kinder, Fußgängerinnen und Fußgänger sowie Menschen mit Mobilitätseinschränkungen werden gezwungen, auf die Straße auszuweichen.
Gehwegparken ist meist gar nicht erlaubt
Dabei wird oft vergessen: Gehwegparken ist grundsätzlich verboten.
Es ist nur dann zulässig, wenn ein entsprechendes Verkehrsschild oder eine Markierung dies ausdrücklich erlaubt. Selbst dann muss ausreichend Platz bleiben, damit sich Menschen auf dem Gehweg sicher begegnen können.
Die VCD-Aktion zeigt jedoch, dass diese Regeln vielerorts nicht eingehalten werden.
Ein bundesweites Problem – auch für kleinere Städte
Die Meldungen stammen nicht nur aus Großstädten, sondern auch aus kleineren Städten und ländlichen Regionen. Der VCD fordert daher Kommunen auf, gemeldete Stellen zu prüfen und konsequent gegen gefährliches Gehwegparken vorzugehen.
Parallel unterstützt der Verband eine Klage einer Familie aus Bremen vor dem Verwaltungsgericht. Sie will erreichen, dass ihre Kinder den Gehweg sicher zum Radfahren nutzen können. Sollte das Gericht den Anspruch bestätigen, könnte dies bundesweit Auswirkungen auf den Umgang mit Gehwegparken haben.
Freie Gehwege sind ein Stück Lebensqualität
Der Straßenraum gehört allen Menschen. Doch vielerorts ist er heute stark vom Autoverkehr geprägt – oft auch auf Kosten derjenigen, die zu Fuß unterwegs sind.
Freie Gehwege sind kein Luxus. Sie sind eine Grundvoraussetzung für:
- sichere Schulwege
- barrierefreie Mobilität
- selbstständige Bewegung von Kindern
- lebenswerte Nachbarschaften
Auch in Offenburg lohnt sich deshalb ein genauer Blick auf die Situation vor Ort. Wer mit offenen Augen durch viele Wohnstraßen geht, erkennt schnell: Gehwege werden häufig schmaler genutzt, als sie eigentlich gedacht sind.
Dabei beginnt eine lebenswerte Stadt ganz einfach – mit freien Wegen für diejenigen, die zu Fuß unterwegs sind.
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