Eine Gruppe von Personen sitzt in einem hell erleuchteten Raum und sieht zu, wie eine Person einen Vortrag hält, dessen Folien auf eine große Leinwand projiziert werden. Einige Teilnehmer sind engagiert, andere sitzen still da.

Hoffnung in der Klimakrise?! – Mathias Gnädinger zu Gast bei KfUTD

Am 24. November ist in der Poststraße 16 in Offenburg spürbar geworden, wie unbequem Hoffnung sein kann – und wie notwendig. Rund 25 Menschen waren der Einladung der Konferenz für Urban Transformation Design (KfUTD) zur dritten Veranstaltung der Reihe „Wem gehört die Stadt?“ gefolgt. Neben engagierten Einzelpersonen waren auch mehrere Verbände vertreten, unter anderem der BUND mit einem Infostand sowie der FUSS e.V.

Der Klimaaktivist und Theologe Mathias Gnädinger, früher Vikar in Gengenbach, führte in seinem Vortrag durch die Spannungsfelder der aktuellen Klimabewegung: von den Hungerstreiks der Letzten Generation über die Entstehung des Widerstandskollektivs und der Neuen Generation bis hin zum Parlament der Menschen in Berlin. Immer wieder kehrte er dabei zum Leitmotiv des Abends zurück: der „unbequemen Hoffnung“, wie sie Luisa Neubauer beschreibt – einer Hoffnung, die nicht passiv auf ein Happy End wartet, sondern ins Handeln führt und bereit ist, Widersprüche auszuhalten.

Gnädinger schilderte eindrücklich, warum viele Aktivist:innen nach Jahren des Protests erschöpft und desillusioniert sind – und warum symbolische Beteiligungsformate ohne echte Wirkung das Vertrauen weiter untergraben. Gleichzeitig machte er deutlich, welches demokratische Potenzial in gelosten Bürger:innenräten und im Parlament der Menschen steckt, wenn deren Ergebnisse nicht länger in Schubladen verschwinden, sondern politisch verbindlich werden.

Im zweiten Teil des Abends stellte der Referent eine offene Frage in den Raum: Braucht es eine „dritte Bewegung“ zwischen Fridays for Future und der Neuen Generation? Eine Bewegung, die radikal im Denken, aber legal in den Aktionen bleibt, die Spannung erzeugt, ohne Strafbarkeits-Fallen zu liefern – und die zugleich anschlussfähig ist bis hinein in bürgerliche und kirchliche Milieus. Kirchen, so Gnädinger, könnten Orte sein, an denen sehr unterschiedliche Menschen zusammenkommen und an einer besseren, gerechteren Welt arbeiten – getragen von einer spirituellen Haltung, die deutlich macht: Wir müssen die Welt nicht alleine retten, aber wir können unseren Teil beitragen.

In der anschließenden, lebhaften Diskussion wurde genau darüber intensiv gesprochen:
Wie kann Engagement wirksam sein, ohne Menschen zu überfordern?
Wie verbinden wir Klimaschutz, Demokratie und soziale Gerechtigkeit so, dass mehr Menschen mitgehen können?
Und welche Rolle können lokale Initiativen in Offenburg dabei spielen?

Klar wurde: Fertige Antworten gibt es (noch) nicht – aber es gibt eine wachsende Bereitschaft, neue Wege zwischen Resignation und Radikalität zu suchen. Viele Teilnehmende nahmen aus dem Abend vor allem eines mit: die Ermutigung, an einer anderen, widerständigen und doch hoffnungsvollen Form von Demokratie weiterzubauen.

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