Die Nachricht über die Insolvenz der Klass Metallverarbeitung GmbH trifft Offenburg. Ein Traditionsunternehmen gerät ins Straucheln, Arbeitsplätze stehen auf dem Spiel, Biografien ebenso. Hinter jeder solchen Meldung stehen Menschen, Familien, Existenzen. Das ist kein abstraktes Standortthema – das ist real. Und trotzdem: In jeder wirtschaftlichen Zäsur liegt auch eine strukturelle Frage.
Wenn ein Betrieb mit rund 1,3 Hektar Gewerbefläche vom Markt verschwindet, wird diese Fläche perspektivisch wieder verfügbar. Mit Halle, Infrastruktur, Erschließung, Anschluss an Verkehr und Versorgung. Kein Acker. Keine Wiese. Kein neues Versiegeln. Sondern Bestand.
Inhalt
ToggleWas heißt das für die aktuelle Gewerbeflächen-Debatte?
Seit Monaten wird behauptet, Offenburg habe „keine Alternativen“ mehr. Der Flugplatz sei die letzte realistische Option. Doch genau solche Entwicklungen zeigen: Der Markt bewegt sich. Flächen werden frei. Betriebe verändern sich. Strukturen wandeln sich.
1,3 Hektar sind kein Großprojekt – aber sie sind ein Mosaikstein. Und davon gibt es mehrere in der Stadt und im Zweckverband. Wer ehrlich diskutieren will, muss auch diese Dynamik einbeziehen.
Die unbequeme Wahrheit
Ja, der Grund und Boden im bestehenden Gewerbegebiet ist vermutlich teurer als die frische Wiese am Flugplatz.
Aber warum?
Weil er erschlossen ist.
Weil er Infrastruktur besitzt.
Weil dort keine geschützten Lebensräume beseitigt werden müssen.
Weil er keine neue Klimawunde in die Stadt schlägt.
Die billige Wiese ist nur auf dem Papier billig. Die Folgekosten – ökologisch, klimatisch, infrastrukturell – zahlen wir alle.
Eine Chance, wenn wir sie nutzen
Die Insolvenz von Klass ist tragisch. Dies sollte uns antreiben:
- Wie können wir solche Standorte gezielt für zukunftsfähige, flächensparende Gewerbeformen öffnen?
- Wie schaffen wir Nachnutzungskonzepte statt Neuausweisung?
- Wie stärken wir Wertschöpfung im Bestand, statt immer weiter nach außen zu wachsen?
Offenburg steht nicht vor der Wahl zwischen „Stillstand oder Flugplatz“. Offenburg steht vor der Frage, ob wir Strukturwandel aktiv gestalten – oder reflexhaft neue Flächen opfern. Vielleicht ist genau jetzt der Moment, ehrlicher zu werden in der Debatte. Wenn wir von Zukunft sprechen, dann gehört dazu auch, mit dem zu arbeiten, was bereits da ist.
Siehe auch
- https://bo.de/offenburger-metallfirma-klass-ist-insolvent-das-sind-die-grunde/
![]()


