Ein sonniges Feld mit grünem Gras, schlammigen Reifenspuren und Pfützen unter einem klaren blauen Himmel. In der Ferne, jenseits des Randes der offenen Landschaft, sind Industriegebäude zu sehen.

Nach dem Bürgerentscheid: Wenn Flächen knapp sind, müssen wir Prioritäten setzen

Der Bürgerentscheid zum Offenburger Flugplatz ist entschieden. Mit rund 57 % Nein-Stimmen haben die Offenburgerinnen und Offenburger klar gegen die Entwicklung des Sonderlandeplatzes zu einem Gewerbegebiet votiert. Das Ergebnis ist deutlich – und es gilt.

Doch kaum sind die Stimmen ausgezählt, beginnt bereits die nächste politische Erzählung. In der Presse ist nun zu lesen: Im Gewerbepark Hoch-Drei gebe es keinerlei frei verfügbare Gewerbeflächen mehr.

Das klingt dramatisch. Und es soll offenbar eine Botschaft transportieren: Wenn der Flugplatz nicht bebaut werden darf, entsteht ein massives Flächenproblem für die wirtschaftliche Entwicklung der Region. Doch schaut man genauer hin, wird schnell deutlich: Ganz so einfach ist die Lage nicht.

„Keine freien Flächen“ – oder nur anders verplant?

Die Aussage, es gebe „keinerlei frei verfügbare Gewerbeflächen“, basiert auf einer sehr engen Definition. Denn laut Zweckverband sind die augenscheinlich freien Flächen im Gewerbepark Hoch-Drei:

  • bereits projektiert,
  • von einer noch zu verlegenden Hochspannungsleitung überspannt
  • oder müssen für den geplanten Südzubringer freigehalten werden.

Mit anderen Worten: Es geht nicht darum, dass es keine Flächen gibt – sondern darum, dass vorhandene Flächen bereits für andere Projekte vorgesehen sind. Das ist ein entscheidender Unterschied. Denn wenn Flächen tatsächlich knapp sind, stellt sich automatisch eine politische Frage: Welche Projekte haben Priorität?

Der Südzubringer als Blockadefläche

Besonders interessant ist der Hinweis auf den Südzubringer. Für dieses Straßenprojekt werden offenbar Flächen freigehalten, die damit für andere Nutzungen nicht zur Verfügung stehen. Doch der Südzubringer ist selbst ein Projekt mit langer Geschichte – und bislang ohne klare Umsetzungsperspektive. Damit entsteht ein bemerkenswerter Widerspruch: Einerseits wird argumentiert, es gebe keine Gewerbeflächen mehr.
Andererseits werden Flächen für ein Straßenprojekt reserviert, dessen Realisierung völlig offen ist.

Man kann nicht gleichzeitig behaupten, dass Flächen fehlen – und gleichzeitig Flächen für ein möglicherweise nie gebautes Straßenprojekt blockieren.

Das eigentliche Signal des Bürgerentscheids

Der Bürgerentscheid war mehr als nur eine Abstimmung über den Flugplatz. Er war auch ein Signal dafür, dass viele Menschen in Offenburg den zunehmenden Flächenverbrauch kritisch sehen. Die klassische Logik der Stadtentwicklung lautete lange:

  • Wirtschaft braucht Flächen
  • also weisen wir neue Gewerbegebiete aus
  • und bauen neue Straßen, um sie zu erschließen.

Doch genau diese Logik gerät zunehmend unter Druck. Flächen sind endlich. Landschaft, Biodiversität und Stadtklima sind ebenfalls Werte, die in politischen Entscheidungen eine Rolle spielen müssen. Der Bürgerentscheid hat gezeigt, dass ein großer Teil der Stadtgesellschaft diese Fragen sehr bewusst abwägt.

Eine einfache Frage an die Politik

Wenn Gewerbeflächen tatsächlich knapp sind, stellt sich eine einfache Frage: Ist es dann sinnvoll, gleichzeitig an neuen Straßenprojekten festzuhalten, die wiederum Flächen verbrauchen und blockieren? Der Bürgerentscheid hat eine Tür geöffnet. Er zwingt Politik und Verwaltung dazu, Prioritäten neu zu denken. Die entscheidende Frage lautet deshalb nicht mehr nur:

Wo finden wir neue Flächen?

Sondern:

Welche Projekte können wir uns in einer Stadt mit begrenzten Flächen überhaupt noch leisten?

Der Bürgerentscheid hat eine klare Botschaft gesendet. Jetzt ist die Politik gefragt, daraus die richtigen Schlüsse zu ziehen.

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