Ein Mann in schwarzem Hemd und kurzen Hosen steht vor einer Gruppe von Menschen, die an Tischen mit Laptops und Flaschen sitzen. An der Wand hinter ihnen ist eine bunte Gebäudeszene projiziert.

Nach der Übergabe: Offenburgs Bäume und eine beleidigte Obrigkeit

Am Montagabend wurde dem Offenburger Gemeinderat die Petition „Pflanzt 20.000 Bäume gegen den Hitzetod der Stadt“ übergeben – mit über 1.600 Unterschriften aus der Bürgerschaft. Die Initiative KfUTD fordert darin, dass Offenburg jährlich mindestens 1.000 neue Bäume pflanzt, um die Innenstadt klimaresilient zu gestalten. Allein über 800 Baumquartiere sind laut öffentlicher Datenlage aktuell unbesetzt – also Standorte, die eigentlich schon für Bäume vorgesehen waren.

Ralph Fröhlich, der die Petition im Rahmen der Bürgerfragestunde einbrachte, bedankte sich zunächst ausdrücklich für Fortschritte der Stadt: Für die Nachpflanzungen am Ortseingang aus Richtung Ortenberg, für die Pläne im Vinzentiusgarten und für die jüngsten Ergänzungen des städtischen Baumkatasters. Doch eine zentrale Frage blieb unbeantwortet: Was ist mit den 800 leeren Baumstandorten?

Um die Verantwortung sichtbar zu machen, wollte Fröhlich den gesammelten Unterschriftenordner dem Fraktionsvorsitzenden der CDU/FDP, Herrn Meier, direkt überreichen – als Zeichen: Die Verantwortung liegt beim Gemeinderat, nicht nur beim Rathaus. Doch OB Steffens griff energisch ein, ließ den Redner nicht ausreden und verbot die Übergabe.

„Wenn er ihn unbedingt selbst haben will, soll er ihn auch annehmen – aber dann auch handeln“, kommentierte Fröhlich, der dem OB schließlich persönlich den Ordner überreichte. Doch was folgte, war eine Ablenkung statt Antwort: Steffens behauptete, die Stadt pflanze doch jedes Jahr „tausende Bäume“, dieses Jahr sogar 19.000 – was sich allerdings auf Aufforstungen im Stadtwald außerhalb der bebauten Stadtfläche bezog. Wer Straßenbäume mit Forstwirtschaft gleichsetzt, verkennt die Aufgabe der urbanen Klimaanpassung.

Als Fröhlich diese Verwechslung sachlich richtigstellen wollte, warf ihm der OB „Respektlosigkeit“ vor – weil er „nicht zuhöre“.

Ein Fazit in aller Klarheit:

Die Offenburger Verwaltung hat heute ein Petitum erhalten, das mit mehr als 1.600 Stimmen klar sagt: Wir brauchen Bäume in der Stadt – nicht nur vor den Toren.
Die Antwort darauf darf nicht in Rechthaberei und Zahlennebel enden. Sie muss politisch konkret, ökologisch konsequent und menschlich anständig sein.

Wir bleiben dran. Und zählen die Bäume. In der Stadt.

Momente der Irritation in Bildern

Die kurze Fotostrecke zeigt den Umgang mit Anliegen von Bürgern im Gemeinderat, bzw. durch dessen Vorsitzenden.

Ralph Fröhlich möchte die Petition an Gemeinderat Meier (links), als Vorsitzenden der größten Fraktion im Gemeinderat übergeben.

Der OB Marco Steffens (Mitte) insistiert zweimal, unterbricht die Übergabe und nimmt den Ordner an sich.

Ein Abgang mit Haltung. Was bleibt, ist die Frage: Wer übernimmt nun Verantwortung für 800 leere Baumquartiere? Was uns Nummer 3 mit erhobenem Zeigefinger mit auf den Weg geben möchte, habe ich lieder nicht wahrgenommen.

Presse

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