Luftaufnahme einer Stadt mit Wohnvierteln, Ackerland, einem großen See, einem Flughafen mit Start- und Landebahnen, Industriegebäuden und Straßen, die die verschiedenen Gebiete miteinander verbinden. Im Hintergrund sind grüne Hügel zu sehen.

Was nicht gesagt wurde – Zur ersten Bürgerinfo zum Flugplatz Offenburg

Die erste Informationsveranstaltung der Stadt Offenburg zum Bürgerentscheid am Flugplatz war ruhig, sachlich und gut moderiert. Es wurde erklärt, gefragt, geantwortet. Und doch blieb am Ende ein schaler Beigeschmack. Nicht wegen falscher Aussagen – sondern wegen der vielen Dinge, die nicht gesagt wurden. Denn dieser Abend lebte weniger von offenen Lügen als von gezielten Leerstellen.

Der Suchlauf: vollständig präsentiert, unvollständig gemeint

Der vorgestellte Flächensuchlauf wurde als Ergebnis gründlicher Prüfung präsentiert. Tatsächlich aber befasst er sich nur mit einer vorausgewählten Teilmenge möglicher Gewerbeflächen innerhalb der Stadt Offenburg.

Was fehlt:

  • Flächen im Verantwortungsbereich des Zweckverbands
  • regionale Alternativen, die politisch unbequem sind
  • bekannte Potenziale, die nicht ins gewünschte Bild passen

So entsteht der Eindruck von Alternativlosigkeit – nicht, weil es keine Alternativen gäbe, sondern weil sie nicht untersucht wurden. Das ist methodisch zulässig. Politisch ehrlich ist es nicht.

Gutachten: erwähnt, aber nicht gelesen

Ähnlich verhält es sich mit den Umweltgutachten. Die ökologische Bedeutung der Magerwiesen wird zwar benannt, aber sofort relativiert. Ausgleichsflächen werden als Beruhigungspille gereicht, ohne die Frage zu stellen, ob ein Ersatz tatsächlich gleichwertig sein kann – ökologisch, klimatisch, räumlich.

Besonders problematisch:
Ein weiteres Gutachten steht im Raum, wird aber nicht benannt, nicht vorgestellt, nicht diskutiert. In einer Debatte, die auf „Fakten und Wissenschaft“ setzt, ist das mehr als ein Versäumnis. Es ist eine Verkürzung der Entscheidungsgrundlage.

Bürgerinformation heißt mehr als verständlich erklären

Natürlich ist es legitim, komplexe Sachverhalte zu vereinfachen. Aber Vereinfachung darf nicht zur Auswahl von Wirklichkeit werden. Wer Gutachten nur ausschnittsweise darstellt, Suchläufe räumlich begrenzt und politische Vorentscheidungen als Sachzwang verkauft, informiert nicht neutral – er rahmt.

Die Bürgerinnen und Bürger sollen entscheiden. Aber worüber eigentlich?
Über eine echte Abwägung verschiedener Zukunftsoptionen – oder über eine bereits vorgezeichnete Lösung?

Fazit: Ein ruhiger Abend, ein enger Diskurs

Der Abend in Uffhofen war kein Skandal. Aber er war auch kein offener Möglichkeitsraum. Er zeigte, wie Debatten gelenkt werden können, ohne laut zu werden: durch Auswahl, durch Weglassen, durch das Setzen scheinbar technischer Grenzen.

Ein Bürgerentscheid verdient mehr.
Er braucht nicht nur verständliche Informationen, sondern vollständige. Nicht nur Gutachten, sondern alle. Nicht nur eine Stadtperspektive, sondern eine regionale.

Wer will, dass die Bürger:innen verantwortungsvoll entscheiden, muss ihnen auch zutrauen, mit Widersprüchen umzugehen. Alles andere ist keine Beteiligung – sondern Bestätigung.

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