Das jüngst veröffentlichte Schreiben von Unternehmen, IHK Südlicher Oberrhein, IG Metall und der Hochschule Offenburg will den Eindruck erwecken, der Bürgerentscheid zum Flugplatz sei eine Entscheidung zwischen Arbeitsplätzen und ein paar „Privatfliegern, die ihren Traum leben“.
Das ist eine grobe Verkürzung – und sie ist gefährlich.
Denn hier geht es nicht um Fliegen. Es geht um eine der letzten großen unversiegelten Flächen Offenburgs, um Biodiversität, Kaltluftentstehung, Klimaanpassung und die Frage, wie lebenswert diese Stadt in 20 oder 30 Jahren noch ist.
Die Behauptung, nur auf dem Flugplatzareal ließen sich ausreichend große Gewerbeflächen realisieren, blendet Alternativen systematisch aus. Im regionalen Zweckverband existieren weiterhin freie Flächen sowie in den bestehenden Gewerbegebieten ungenutzte oder untergenutzte Flächen. Bestandserweiterungen, Nachverdichtung und Flächenrecycling werden zwar genannt, aber nicht konsequent verfolgt. Flächenknappheit ist hier keine Naturgewalt – sie ist Ergebnis politischer Prioritätensetzung.
Besonders problematisch ist das zentrale Narrativ des Schreibens: Wirtschaftskraft werde automatisch zu sozialem Fortschritt, zu Gemeinwohl, zu Lebensqualität. Diese Gleichung geht längst nicht mehr auf. Neue Gewerbegebiete garantieren weder stabile Gewerbesteuereinnahmen noch sichere, zukunftsfähige Arbeitsplätze. Sicher ist dagegen: Versiegelung ist irreversibel. Zerstörte Ökosysteme kommen nicht zurück.
Wenn Naturzerstörung als Voraussetzung für Kitas, Schulen und sozialen Zusammenhalt dargestellt wird, ist das kein Sachargument, sondern moralische Erpressung. Klimaanpassung, Hitzeresilienz und Biodiversität sind kein Luxusprojekt für Idealisten – sie sind Grundvoraussetzung für gutes Leben in einer sich rasant verändernden Welt.
Der Bürgerentscheid ist deshalb kein Votum gegen Wirtschaft oder Arbeit.
Er ist ein Votum für Weitsicht, für ehrliche Abwägung und für eine Stadtentwicklung, die nicht kurzfristige Standortinteressen über langfristige Lebensqualität stellt.
Wer behauptet, es gehe hier nur um „einige wenige“, verkennt die Realität.
Betroffen sind wir alle.
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