Menschen betrachten eine große Karte, die bei einer Veranstaltung im Freien in einem Park auf dem Rasen ausgelegt ist. Auf der Karte steht "Wem gehört die Stadt?", im Hintergrund sind Informationsbanner und andere Teilnehmer zu sehen.

Der begehbare Stadtplan – Eine Anleitung

Neben den Berichten über unsere eigenen Aktionen versuchen wir auch unsere Werkzeuge dafür zu dokumentieren. Angefragt wurden wir z.B. wegen unseres riesigen Stadtplans von Offenburg.

Für verschiedene Versammlungen verwenden wir einen „begehbaren Stadtplan“, der die Menschen dazu einlädt, über ihre Stadt zu laufen und miteinander über die Gestaltung der Stadt ins Gespräch zu kommen.

Unser Stadtplan hat die Größe von knapp 5 x 6 Meter und einen Maßstab von ca. 1:1.500. Das reicht für die Stadt Offenburg mit ca. 60.000 Einwohner:innen aus, um die Kernstadt und die umliegenden Ortsteile darzustellen. Wobei die weiter entfernten Ortsteile abgeschnitten und auf freien Flächen wieder integriert wurden.

Eine Vorlage in dieser Größe in einer lesbaren Form zu erhalten ist nicht ganz einfach, aber es gibt mit OpenStreetMap (OSM) eine gute Datengrundlage und mit QGIS eine Software (für eigentlich ganz andere Dinge), um Kartendaten zu exportieren.

Anleitung: Riesigen Stadtplan aus OpenStreetMap mit QGIS erstellen

Einen großen, beeindruckenden Stadtplan (z.B. 5 x 6 Meter), der aus OpenStreetMap-Daten erzeugt wurde, kannst du mit der kostenlosen Open-Source-Software QGIS erstellen. Diese einfache Schritt-für-Schritt-Anleitung ist auch für Laien nachvollziehbar und benötigt keinerlei Programmierkenntnisse.

1. QGIS herunterladen und installieren

  • Gehe auf die offizielle Website von QGIS und lade die aktuelle Version herunter.
  • Installiere QGIS auf deinem Computer (verfügbar für Windows, Mac, Linux).
  • Installiere die Erweiterung QGIS Cloud Plugin

2. OpenStreetMap als Hintergrundkarte hinzufügen

  • Starte QGIS.
  • Öffne das Fenster für QGIS Cloud
  • Füge die Karte von OSM hinzu Karten → Hintergrundebene hinzufügen → OpenStreetMap hinzufügen.

3. Stadtbereich auswählen

  • Zoome auf den gewünschten Stadtbereich (z.B. Offenburg).
  • Achte darauf, dass dein gewünschter Bereich vollständig sichtbar ist.

4. Karte in hoher Qualität exportieren

  • Wähle im Menü: Projekt Import/Export → Karte als Bild exportieren oder → als PDF exportieren
  • Du kannst hier die Kartengrenzen, den Maßstab und die daraus resultierenden Ausgabegrößen anpassen.
  • Beachte, dass QGIS hier bestimmte maximale Größen (in Pixel) angibt.
  • Evtl. muss du den Maßstab anpassen und die Datei nach Möglichkeit in einem Grafikprogramm anpassen (darunter leidet allerdings die Bildqualität)
  • Gib eine hohe Auflösung ein (z.B. 300 dpi), um eine scharfe Darstellung auf großem Format zu gewährleisten.
  • Speicher die Datei ab.

5. Ausdruck und Produktion

  • In einem Grafikprogramm kannst du deine Karte noch gestalten, z.B. mit deinem Logo (und dem Lizenzhinweis)
  • Die gespeicherte Datei kannst du jetzt in einer Druckerei auf große PVC-Plane oder Stoff drucken lassen.

Lizenz-Hinweis

Die verwendeten OpenStreetMap-Daten sind frei verfügbar unter der Open Database License (ODbL). Bitte vermerke den Quellenhinweis:

„© OpenStreetMap-Mitwirkende, Lizenz ODbL“

Fertig! Nun hast du deinen eigenen, beeindruckenden Stadtplan erstellt, der bei Versammlungen garantiert für Aufmerksamkeit sorgt.

Und wo ist der Haken?

Eigentlich ist es einfach, aber dennoch musst du nun ein paar Hürden meistern.

QGIS ist kostenlos und einfach zu installieren, aber es wird dich erstmal erschlagen, bis du dich dort für die eigentlich einfache Exportfunktion zurecht findest.

Je größer dein Ort, desto größer sind die Datenmengen, die dein Rechner und die Druckerei meistern müssen. Für Onlinedruckereien sind die Daten meist zu umfangreich und begrenzt.

So hat sich z.B. für die Arbeit mit dem Stadtplan von Offenburg ein Maßstab von ca. 1:1500 bewährt. Aber das war in der Dateigröße schon nicht mehr beherrschbar. Wir haben dann einen Maßstab von 1:5000 exportiert und dieses Bild wieder auf 1:1500 vergrößert. Dadruch verliert der Stadtplan an Qualität, aber die Straßennamen sind gerne noch zu lesen.

Wie arbeiten wir mit dem Stadtplan?

Den Stadtplan nutzen wir sowohl für die Arbeit der KfUTD – Konferenz für Urban Transformation Design wie auch für den FUSS e.V.. In beiden Fällen ist der Stadtplan ein Werkzeug, um Menschen in Bewegung und zum Nachdenken zu bringen, wie ihre Stadt aussehen könnte.

Zu Verfügung stellen wir jeweils verschiedene Sticker. Diese thematisieren sowohl die Forderungen aus unserer Arbeit, wie auch die Ideen und Vorstellungen von Menschen, die an unseren Versammlungen teilnehmen. Immer wieder entsteht dabei Neues.

Zusätzlich zu den Stickerbögen halten wir selbstklebende Moderationskarten und Stifte parat. So können auch komplexere Ideen und Wünsche formuliert werden. Die Sticker bleiben auf dem Stadtplan, die Moderationskarten dokumentieren wir mit Fotos.

Das Handling mit der großen Plane ist recht einfach. Diese wiegt in unserem Fall knapp 10 kg, kann gut mit dem Lastenrad transportiert werden und ist so schnell ausgebreitet, wie auch wieder eingepackt. Feuchtigkeit schadet ihr nicht, sie sollte allerdings trocken eingelagert werden.

Auch kann die Plane gut mit Schuhen betreten werden. Sie ist auch einfach zu reinigen (mit einem Besen oder einem Schwamm), wenn mal Dreck drauf kommt.

Und was kostet so ein Stadtplan?

Lokale Aktivisten sind immer knapp bei Kasse, aber vielleicht findet sich ja ein Spender, denn solche großen Drucke sind selten günstig. Vor allem, wenn es richtig groß sein soll, dann kostet der gedruckte Plan um die 200 bis 400 €. Auf einen Saum am Rand kannst du verzichten, aber ein paar Ösen sind sinnvoll, um die Plane gegen den Wind zu sichern.

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