Die große Informationsveranstaltung der Stadt war gut besucht. Rund 400 Menschen füllten die Halle. Rotes Licht, große Bühne, professionelle Moderation. Ein klarer Rahmen: „Stadtentwicklung geht alle an.“ Und das tat sie an diesem Abend auch. Vor der Podiumsdiskussion gab es einen Infomarkt. Sechs Pinnwände der Zivilgesellschaft: Fliegergruppe, BI Pro Flugplatz, BUND, NABU, Einwohnergemeinschaft Hilboltsweier, Bürgergemeinschaft Uffhofen.
Dazu zwölf Pinnwände von Stadtverwaltung sowie CDU, FDP, SPD und FWO.
Allein diese Verteilung zeigt: Die Kräfte sind nicht gleich verteilt. Und trotzdem – oder gerade deshalb – war es gut, dass so viele Menschen gekommen sind. Denn es geht nicht um ein Detailprojekt. Es geht um eine Grundsatzentscheidung.
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ToggleWorum es wirklich geht
Offiziell lautet die Frage: Soll der Sonderlandeplatz zu einem Gewerbegebiet entwickelt werden? Inoffiziell lautet sie: Wie gehen wir mit öffentlichen Flächen um, wenn es eng wird?
Die Stadt argumentiert mit fehlenden Gewerbeflächen, Investitionsdruck, Zukunftssicherung. Das sind legitime Anliegen. Niemand, der am Infomarkt stand, hat Wirtschaft verteufelt. Im Gegenteil: Viele aus der Zivilgesellschaft haben ausdrücklich betont, dass sie eine starke lokale Wirtschaft wollen.
Aber sie wollen auch etwas anderes: Eine Stadt, die nicht reflexartig Außenflächen opfert, sobald es kompliziert wird.
Die Flieger sind nicht das Problem
Das muss man klar sagen. Die Fliegergruppe hat an diesem Abend ruhig, sachlich und engagiert argumentiert. Da stehen Menschen, die ihren Verein lieben, die Jugendarbeit leisten, die Verantwortung übernehmen. Für viele ist der Flugplatz ein Stück Identität.
Man kann über CO₂-Bilanzen diskutieren.
Man kann die Frage stellen, wie zukunftsfähig Freizeitfliegerei ist.
Aber man sollte nicht so tun, als seien die Flieger das eigentliche Hindernis für Offenburgs Zukunft.
Der Konflikt ist größer als ein Hobby.
Er heißt: Versiegelung oder Vorsorge.
Das Machtgefälle war sichtbar
Zwölf Stände aus Verwaltung und politischen Befürwortern. Sechs Stände aus der Zivilgesellschaft. Die Bühne war groß. Die Versprechen auch.
„Grünes Gewerbegebiet.“
„Zukunft für Innovation.“
„Arbeitsplätze sichern.“
Alles nachvollziehbare Ziele. Aber bei näherem Hinsehen blieb vieles im Modus des Vertrauensvorschusses.
Wo sind die konkreten Ansiedlungen?
Wo sind verbindliche Qualitätskriterien?
Wo ist die Garantie, dass aus Visualisierungen kein Parkflächenmeer wird?
Ein „Ja“ ist endgültig.
Ein „Nein“ lässt Optionen offen.
Was uns nach diesem Abend bleibt
- Die Debatte ist emotional – aber nicht unsachlich.
- Viele Bürgerinnen und Bürger wollen differenziert abwägen.
- Das Thema ist nicht schwarz-weiß.
Und doch kristallisiert sich eine Kernfrage heraus: Warum ist der erste große Schritt immer die Außenentwicklung? Warum wird Innenentwicklung als schwierig beschrieben – aber Außenentwicklung als alternativlos? Wenn öffentliche Fläche erst einmal verkauft oder bebaut ist, kommt sie nie zurück. Nie. Das ist keine Ideologie. Das ist Realität.
Ein Nein ist keine Wirtschaftskritik
Ein Nein heißt nicht: „Wir wollen keine Arbeitsplätze.“ Ein Nein heißt: „Wir wollen erst alle anderen Möglichkeiten ausschöpfen.“
- Nachverdichtung bestehender Gewerbegebiete
- Aktivierung brachliegender Flächen
- Umnutzung ineffizient genutzter Areale
- klare ökologische Mindeststandards mit echter Kontrolle
Wer das ernsthaft versucht und dann immer noch sagt: Es geht nicht anders – der hätte ein anderes Fundament für eine solche Entscheidung. Aber dieses Fundament wurde an diesem Abend nicht geliefert.
8. März: Es geht um Haltung
Am Ende war spürbar: Diese Abstimmung ist ein Richtungsentscheid. Wollen wir bei Druck nach außen wachsen? Oder wollen wir schwieriger, aber nachhaltiger nach innen arbeiten?
Wir sagen: Ein Nein ist kein Rückschritt.Es i st ein Signal.
Ein Signal, dass öffentliche Fläche nicht die erste Reserve ist, sondern die letzte. Ein Signal, dass Zukunft mehr bedeutet als kurzfristige Flächenverfügbarkeit. Ein Signal, dass Vorsorge keine Bremse ist, sondern Verantwortung.
Die 400 Menschen im Saal haben gezeigt: Offenburg schaut genau hin. Jetzt liegt es an uns allen.
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