Ein Mann mit grauem Bart und legerer Kleidung steht lächelnd vor einem kleinen weißen Propellerflugzeug an einem bewölkten Tag, mit grasbewachsenen Feldern und Gebäuden im Hintergrund.

Verantwortung übernehmen – auch wenn es unbequem wird

Ein Interview mit Uli Albicker. Kurz vor dem Bürgerentscheid zur Zukunft des Offenburger Flugplatzes steht die Stadt an einem Wendepunkt. Die Debatte war intensiv, teils emotional, oft zugespitzt. Es ging um Arbeitsplätze und Wirtschaftskraft, um Natur- und Klimaschutz, um Lebensqualität und um die Frage, wie Offenburg in den kommenden Jahrzehnten wachsen will.

Unabhängig vom Ausgang des Entscheids wird die Aufgabe bleiben, die Stadt zusammenzuführen und tragfähige Perspektiven zu entwickeln.

Wir haben mit Uli Albicker, Kandidat für das Amt des Oberbürgermeisters, darüber gesprochen, welche Verantwortung er in dieser Situation sieht. Er antwortet nicht als Vertreter eines Lagers, sondern aus der Perspektive eines möglichen Stadtoberhaupts – mit dem Anspruch, wirtschaftliche Entwicklung, Klimaanpassung und gesellschaftlichen Zusammenhalt zusammenzudenken.

Was bedeutet Führung in einer polarisierten Debatte? Welche Lehren zieht er aus dem bisherigen Verlauf? Und wie würde er Offenburg nach dem Entscheid strategisch ausrichten?

Darüber haben wir mit ihm gesprochen.

„Angenommen, die Mehrheit stimmt für den Erhalt des Flugplatzes – was wäre Ihr erster Schritt?“

„Ich würde das Votum als Auftrag verstehen, Stadtentwicklung neu zu denken. Mein erster Schritt wäre ein verbindlicher Entwicklungsprozess für das gesamte Areal: Natur sichern, Klimafunktion stärken und gleichzeitig wirtschaftliche Perspektiven auf bestehenden Flächen beschleunigen. Ein Bürgerentscheid ist kein Schlussstrich, sondern ein Startsignal.“

„Warum wird vom letzten verfügbaren Areal gesprochen?“

„Diese Erzählung halte ich für verkürzt. Offenburg hat erhebliche Gewerbeflächen – erschlossen, geplant oder untergenutzt. Die eigentliche Frage ist: Wie effizient gehen wir mit dem um, was wir haben? Flächensparen ist kein ideologisches Projekt, sondern ökonomische Vernunft.“

„Ist ein intakter Naturraum nicht selbst ein Standortfaktor?“

„Natürlich. Unternehmen suchen heute keine Betonwüsten, sondern lebenswerte Städte. Fachkräfte entscheiden sich für Orte mit hoher Lebensqualität, guter Luft, attraktiven Freiräumen. Klimaanpassung ist kein Luxus, sondern Voraussetzung für wirtschaftliche Zukunft.“

„Wie gehen Sie mit Akteuren um, die Alternativlosigkeit behaupten?“

„Ich nehme wirtschaftliche Sorgen ernst. Aber Alternativlosigkeit ist selten ein gutes politisches Argument. Führung heißt, Optionen zu prüfen, Innovation zu fördern und Konflikte offen zu moderieren – nicht sie durch einfache Parolen zu verkürzen.“

„Wie verhindern wir eine Spaltung der Stadt?“

„Indem wir nach dem Entscheid nicht in Gewinner und Verlierer denken. Wer für Gewerbeflächen gestimmt hat, wollte wirtschaftliche Sicherheit. Wer für den Erhalt gestimmt hat, wollte ökologische Verantwortung. Beides gehört zusammen. Meine Aufgabe wäre es, daraus eine gemeinsame Perspektive zu entwickeln.“

„Was würden Sie anders machen als die aktuelle Stadtspitze?“

„Ich würde früher Transparenz herstellen, echte Alternativen entwickeln und strategischer planen. Wir dürfen nicht erst dann diskutieren, wenn Fronten verhärtet sind. Stadtentwicklung braucht Weitblick – und den Mut, auch unbequeme Fragen zu stellen.“

Danke für das Gespräch.

Foto: Uwe Nestlen

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