Unter einem blauen Vordach stehen Menschen an einem Stand im Freien, auf dem Informationsmaterial ausliegt. Im Vordergrund ist eine große grüne Fahne mit der Aufschrift „fuss e.V.“ und einem Fußgängersymbol zu sehen. Im Hintergrund sind weitere Stände und Banner zu erkennen.

36 Grad im Schatten. Das Problem beginnt dort, wo keiner mehr ist.

Während Deutschland unter einer Hitzewelle ächzt, standen am Samstag engagierte Menschen von FUSS e.V. und ADFC beim Open Campus der Hochschule Offenburg mehrere Stunden im Freien, um mit Bürgerinnen und Bürgern über die Zukunft unserer Stadt ins Gespräch zu kommen.

Schon das war eine kleine Lektion in Sachen Klimaanpassung.

Denn obwohl unser Stand unter einem Pavillon aufgebaut war, zeigte sich sehr deutlich, wie wertvoll jeder Quadratmeter Schatten geworden ist. Wer von den Gebäuden oder wenigen Bäumen in die Sonne trat, spürte sofort den Unterschied. Bei Temperaturen von rund 36 Grad wird Schatten nicht zum Komfort, sondern zur Voraussetzung dafür, dass Menschen sich überhaupt noch gerne im öffentlichen Raum aufhalten.

Genau deshalb beschäftigt uns das Thema so sehr.

Was Menschen bewegt

Gemeinsam mit dem ADFC beteiligten wir uns an der Campus-Rallye. Unsere Frage an die Besucherinnen und Besucher lautete:

„Was würde dich persönlich dazu bringen, häufiger kurze Wege zu Fuß zurückzulegen?“

Die Antworten der Kinder waren ebenso einfach wie treffend:

„Dann kann ich mich besser mit meinen Schulfreunden unterhalten.“

„Man sieht mehr.“

Und nach einigem Nachdenken:

„Wenn ich kein Fahrrad hätte.“

Diese Antworten erinnern daran, dass Gehen weit mehr ist als Fortbewegung. Wer zu Fuß unterwegs ist, nimmt seine Umgebung anders wahr, begegnet Menschen und erlebt die Stadt unmittelbar.

Sicherheit beginnt beim Überqueren

Auf einem Stadtplan konnten Besucherinnen und Besucher Orte markieren, an denen Verbesserungen notwendig sind. Gewünscht wurden unter anderem zusätzliche Zebrastreifen, beispielsweise am Kreisverkehr in Rammersweier.

Mehrere Gespräche drehten sich zudem um das sichere Überqueren von Straßen. Radfahrende berichteten davon, von Autofahrern häufig zu spät wahrgenommen zu werden. Andere schilderten Unsicherheiten an Kreuzungen und Querungsstellen.

Es sind genau diese alltäglichen Erfahrungen, die oft mehr über die Qualität einer Stadt aussagen als jede Verkehrsstatistik.

Politik zum Anfassen

Der Open Campus bot auch Gelegenheit zum direkten Austausch mit Politik und Verwaltung. Oberbürgermeisterkandidat Julian Christ stellte sich ebenso den Fragen der Besucher wie später Tobias Benz. Themen waren unter anderem sichere Geh- und Radwege, die Verteilung des öffentlichen Raums und die Rolle parkender Autos in einer wachsenden Stadt.

Solche Gespräche ersetzen keine politische Entscheidung. Aber sie schaffen etwas, das in aufgeheizten Debatten oft verloren geht: Zuhören.

Die Stadt der Zukunft braucht Schatten

Für uns blieb am Ende eine Beobachtung besonders hängen.

Während wir über sichere Wege, Querungen und Aufenthaltsqualität diskutierten, wurde die Hitze selbst zum sichtbarsten Thema des Tages. Die Menschen suchten Schatten. Sie wechselten Straßenseiten wegen eines Baumes. Sie blieben dort stehen, wo ein Dach Schutz bot.

Die Klimakrise ist längst keine abstrakte Zukunftsfrage mehr. Sie entscheidet heute darüber, ob Kinder auf dem Schulweg gerne laufen, ob ältere Menschen noch selbstständig Besorgungen erledigen können und ob öffentliche Plätze im Sommer nutzbar bleiben.

Wer über lebenswerte Städte spricht, muss deshalb auch über Bäume, Entsiegelung und Schatten sprechen.

Vielleicht war das die wichtigste Erkenntnis dieses heißen Nachmittags: Bei 36 Grad versteht plötzlich jeder, warum Stadtgrün keine Dekoration ist, sondern Teil der öffentlichen Daseinsvorsorge.

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