Die Jugendherberge Ortenberg hält an ihrer Entscheidung fest: Ein europaweites Vernetzungstreffen der Organisation „Ave Europa“ kann wie geplant stattfinden. Trotz zahlreicher Hinweise auf problematische Inhalte. Trotz öffentlicher Kritik. Und trotz der Frage, welche Verantwortung ein solcher Ort eigentlich trägt. Die Begründung des Deutschen Jugendherbergswerks (DJH) ist dabei bemerkenswert klar – und zugleich hochproblematisch:
Man sei überparteilich.
Eine politische Einordnung sei nicht Aufgabe des DJH.
Entscheidend sei allein, ob etwas rechtlich zulässig ist.
Das klingt nach Neutralität. Ist aber in Wahrheit etwas anderes.
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ToggleWer sich hier trifft, ist kein Zufall
Nach öffentlich zugänglichen Informationen handelt es sich bei „Ave Europa“ um ein europaweites Netzwerk mit klar politischen Zielen: Abschottung, autoritäre Ordnungsvorstellungen und eine strategische Neuordnung Europas. Zu den angekündigten Teilnehmern zählen unter anderem Akteure aus dem Umfeld der Alternative für Deutschland sowie der Freiheitliche Partei Österreichs.Beide Parteien stehen seit Jahren in der Kritik wegen rechtsextremer Tendenzen und demokratiefeindlicher Positionen. Das ist kein neutraler Kontext. Das ist politische Vernetzung.
Das eigentliche Problem: Verantwortung wird abgegeben
Die Jugendherberge argumentiert, eine inhaltliche Bewertung sei „nicht ihre Aufgabe“, sondern die der Behörden. Das bedeutet im Klartext:
👉 Solange etwas nicht verboten ist, wird es ermöglicht.
Doch genau hier beginnt das Problem. Denn Jugendherbergen sind keine x-beliebigen Hallen. Sie verstehen sich selbst als Orte der Begegnung, der Bildung und der demokratischen Wertevermittlung. Wer diesen Anspruch ernst nimmt, kann sich nicht gleichzeitig aus jeder inhaltlichen Verantwortung zurückziehen.
Neutralität heißt nicht Beliebigkeit
Der Begriff „Neutralität“ wird hier missbraucht. Neutral ist, wer unterschiedliche demokratische Positionen zulässt. Nicht neutral ist, wer jede Form politischer Organisation gleich behandelt, egal ob sie auf Teilhabe oder auf Ausgrenzung zielt. Wer Räume vergibt, trifft Entscheidungen. Immer. Und diese Entscheidungen haben Wirkung.
Der konkrete Fall: Ein deutliches Signal
In Ortenberg bedeutet diese Entscheidung:
- Ein etabliertes, offenes Format wie der Feuerwehr-Hock wird verdrängt
- Gleichzeitig erhält ein politisches Vernetzungstreffen Raum
Das ist keine organisatorische Randnotiz. Das ist ein Signal.
Reaktion des DJH: Haltung vertagt
Auch nach mehrfacher Nachfrage bleibt das DJH bei seiner Linie:
- Keine eigene politische Bewertung
- Keine Neubewertung der Veranstaltung
- Eingreifen erst, wenn Probleme auftreten
Mit anderen Worten: Man reagiert erst, wenn es zu spät ist.
Warum das nicht reicht
In einer Zeit, in der sich politische Netzwerke gezielt organisieren und verschieben, reicht es nicht aus, sich auf formale Legalität zurückzuziehen. Gerade Institutionen mit Bildungs- und Werteanspruch stehen in der Verantwortung, nicht nur Regeln einzuhalten, sondern Haltung zu zeigen.
Unsere Forderung
Wir halten die Entscheidung für falsch. Und wir erwarten:
- eine sofortige Neubewertung der Veranstaltung in Ortenberg
- eine klare Positionierung des DJH zu politischen Vernetzungsformaten dieser Art
- und die Entwicklung von Kriterien, die über reine Legalität hinausgehen
Eine Absage ist auch kurzfristig möglich. Und sie wäre ein wichtiges Signal.
Denn am Ende geht es um mehr als dieses Wochenende
Es geht um die Frage, ob Orte der Bildung und Begegnung ihrer Verantwortung gerecht werden. Oder ob sie sich hinter einem Neutralitätsverständnis verstecken, das im Zweifel genau denen nützt, die diese Offenheit strategisch ausnutzen.
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Bildquellen
- mordor: © https://kfutd.de | CC BY-NC 4.0 International



