Beim Straßen-Baum-Fest geht es nicht nur um Bäume, Verkehr oder Stadtgestaltung. Es geht auch um die Frage, wie wir in dieser Stadt zusammenleben wollen. Wer gehört dazu? Wer wird gehört? Und warum driften manche Stadtteile gesellschaftlich immer weiter auseinander?
Mit seinem Vortrag „Offenburg – Soziale Demokratie gestern und heute“ nimmt Volker Kersting genau diese Fragen in den Blick. Ausgangspunkt sind die demokratischen Forderungen der Offenburger Revolutionär:innen von 1847 – Forderungen nach Versammlungsfreiheit, gerechter Besteuerung, Bildung für alle und einer Gesellschaft, die Arbeit schützt statt Menschen gegeneinander auszuspielen.
Doch der Vortrag bleibt nicht in der Geschichte stehen. Anhand aktueller Daten und eindrücklicher Karten zeigt Kersting, wie sich soziale Ungleichheit heute konkret in Offenburg ausdrückt: Kinderarmut im Ortenaukreis, räumliche Spaltung zwischen Quartieren, Unterschiede bei Wahlbeteiligung und politische Verschiebungen bis hin zu den Wahlerfolgen der AfD.
Dabei wird deutlich: Demokratie ist keine abstrakte Idee. Sie entscheidet sich im Alltag. Auf dem Schulweg. Bei der Frage nach bezahlbarem Wohnen. Bei sicheren Straßen. Beim Zugang zu Grünflächen. Und daran, ob Menschen das Gefühl haben, dass diese Stadt auch ihre Stadt ist.
Gerade deshalb passt dieser Vortrag zum Straßen-Baum-Fest. Denn lebenswerte Städte entstehen nicht allein durch Beton, Verkehrsplanung oder neue Gebäude. Sie entstehen dort, wo soziale Gerechtigkeit, Teilhabe und öffentlicher Raum zusammengedacht werden.
Wir freuen uns sehr, dass Volker Kersting diesen Impuls bei unserer Versammlung einbringt – als Einladung, Offenburg nicht nur baulich, sondern auch gesellschaftlich neu zu betrachten.
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