Ein persönlicher Rückblick auf das Kandidatenforum des Offenburger Tageblatts in Zell-Weierbach. Sieben Menschen bewerben sich um das Amt des Oberbürgermeisters. So unterschiedlich sie sind, so unterschiedlich könnten auch ihre Bilder von Offenburg sein. Ein Kandidatenforum sollte helfen, diese Bilder kennenzulernen: Wohin soll sich die Stadt entwickeln? Was soll erhalten bleiben, was muss sich ändern? Und nach welchen Maßstäben werden schwierige Entscheidungen getroffen?
Nach dem Lokalforum des Offenburger Tageblatts in der Abtsberghalle habe ich das Gefühl, darüber noch immer zu wenig erfahren zu haben. Das lag nicht allein an den Antworten. Es lag vor allem an den Fragen und an einem Format, das den Bewerberinnen und Bewerbern kaum Zeit ließ, eigene Gedanken zu entfalten.
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ToggleWer fragt, entwirft bereits ein Bild der Stadt
Sicherheit, Sauberkeit, Verkehr, Kosten und Verwaltungsabläufe kamen immer wieder zur Sprache. Das sind wichtige Themen. Aber die Auswahl der Fragen legt nahe, worin eine Zeitung die vordringlichen Probleme sieht. Mein Eindruck war, dass hier ein eher konservatives Bild von Offenburg den Abend bestimmte: eine Stadt, in der vor allem Ordnung geschaffen, Geld gespart und der Betrieb besser organisiert werden muss.
Auch Offenburgs andere Fragen verdienen die große Bühne. Wie machen wir Straßen, Plätze und Wohnungen angesichts der Hitze lebenswert? Wie können Kinder und ältere Menschen Wege selbstständig zurücklegen? Wie bleibt Wohnen bezahlbar, ohne dass die Stadt immer mehr Gestaltungsmöglichkeiten aus der Hand gibt? Was macht eine soziale Stadt aus, in der Menschen mit unterschiedlichen Voraussetzungen dazugehören? Wie können Einwohnerinnen und Einwohner tatsächlich mitentscheiden?
Manches davon kam vor, oft erst durch Fragen aus dem Publikum. Doch selbst dann blieben meist nur Sekunden für Antworten. So erfuhren wir einzelne Positionen, aber selten, wie sie zu einem Bild der künftigen Stadt zusammenfinden.
Die Formulierung ist Teil der Botschaft
Kritische Fragen sind notwendig. Sie sollten aber offen genug sein, um eine Antwort nicht bereits in eine Richtung zu lenken. Wer etwa nach einer „Flüchtlingswelle“ fragt, setzt einen anderen Ton, als wenn er wissen möchte, wie Offenburg zusätzliche Menschen menschenwürdig unterbringen und dafür Unterstützung einfordern würde. Wer „extremes Gendern“ zum Ausgangspunkt macht, fragt anders, als wenn es um verständliche und inklusive Sprache der Verwaltung geht.
Man darf Kandidierende auch mit persönlichen Verbindungen, Konflikten und Widersprüchen konfrontieren. Aber wenn die Frage bereits eine Abhängigkeit oder ein Versäumnis nahelegt, muss die angesprochene Person zuerst dieses Bild zurückweisen. Die knappe Zeit, die dafür draufgeht, fehlt für ihre eigenen Vorhaben.
Natürlich tragen alle Bewerberinnen und Bewerber Verantwortung für ihre Antworten, auch für unglückliche Formulierungen. Gerade deshalb sollten wir unterscheiden können, was jemand tatsächlich sagen will und welche Reaktion eine zugespitzte Frage hervorruft. Ein offenes Gespräch hätte dafür mehr Erkenntnis gebracht als der nächste schnelle Wechsel.
Sieben Kandidierende, viele Fragen, wenig Gespräch
Die kurzen Duelle, Schnellfragerunden und persönlichen Einwürfe sorgten für Tempo. Doch Tempo allein macht ein Forum nicht aufschlussreich. Kaum war ein Gedanke angerissen, ging es weiter. Nachfragen, mit denen sich eine vage Antwort hätte klären lassen, blieben selten. Ebenso wenig konnten die Kandidierenden erläutern, wie verschiedene Ziele zusammenhängen: etwa Wohnungsbau und Grünflächen, städtische Investitionen und soziale Angebote oder Sicherheit und ein belebter öffentlicher Raum.
Die beiden Redakteure wirkten auf mich stark an ihre vorbereiteten Fragen gebunden. Die Scherze des Moderators gegenüber dem Publikum empfand ich stellenweise als übergriffig. Das ist meine Wahrnehmung aus dem Saal; andere haben es womöglich anders erlebt. Mir fehlte eine Moderation, die aufmerksam zuhört, eine Antwort aufgreift und bei Bedarf nachfragt.
Dass aus dem Publikum schließlich ausdrücklich eine Vision für die soziale Stadt eingefordert wurde, war bezeichnend. Hier fragte jemand nach dem, was in den vielen Einzelthemen verloren zu gehen drohte: Wofür soll diese Stadt eigentlich stehen?
Wir brauchen mehr als ein Abfragen von Positionen
Es geht mir nicht darum, die Kandidierenden vor schwierigen Fragen zu schützen. Im Gegenteil: Wer Oberbürgermeisterin oder Oberbürgermeister werden will, muss erklären, wie Ziele finanziert werden, wo Konflikte liegen und was sich tatsächlich umsetzen lässt. Aber bevor wir ein Zukunftsbild auf seine Kosten prüfen, sollten wir es überhaupt kennenlernen dürfen.
Alle sieben hätten mehr Gelegenheit verdient, ihr eigenes Bild von Offenburg zu entwerfen – auch diejenigen, deren Vorstellungen ich nicht teile. Erst dann können wir Unterschiede erkennen und begründet entscheiden. Die nächsten Wochen bis zur Wahl sollten wir dafür nutzen: mit offenen Fragen, echten Nachfragen und Gesprächen, die länger tragen als sechzig Sekunden.
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