Was soll ein neues Quartier in Offenburg können? Wo repariert man sein Fahrrad, wenn man im vierten Stock zur Miete wohnt? Mit dieser Frage landet der Frankfurter Architekt und Stadtplaner Christoph Mäckler mitten im Alltag. Im Podcast simplicity – einfach bauen spricht er mit Rebekka Pottgüter darüber, wie wir Häuser, Straßen und Höfe so planen können, dass daraus ein Stück Stadt wird. Für Offenburg lohnt sich das Reinhören. Mit dem Klinikareal am Ebertplatz steht uns genau so eine Aufgabe bevor.
Mäckler beschreibt ein Wohnhaus von zwei Seiten. Vorne liegt die Straße, die allen offensteht. Hinten liegt ein Hof, den die Hausgemeinschaft für sich hat. Dort kann jemand in Ruhe am Fahrrad schrauben. Ein Kind kann hinuntergehen und spielen, auch wenn die Eltern oben in der Wohnung noch zu tun haben. Ob dieser Hof geschützt liegt oder ob ein öffentlicher Weg mitten hindurchführt, macht im Alltag einen erheblichen Unterschied.
An diesem Beispiel gefällt uns, dass es eine soziale Frage aufwirft, die in einem Wohnungsgrundriss kaum auftaucht. Beim Einfamilienhaus gilt der Garten als Teil des Wohnens. Was gestehen wir einer Familie zu, die zur Miete wohnt? Hat sie vor der Tür einen Ort, an dem sie sich ausbreiten darf, an dem auch mal ein Dreirad stehen bleiben kann? Und wo können sich im selben Viertel Menschen treffen, die dort niemanden kennen und einfach eine Weile sitzen möchten?
Inhalt
ToggleWas heißt das für den Ebertplatz?
Nach dem Umzug des Ortenau Klinikums soll das heutige Krankenhausgelände am Ebertplatz mit seinen Gebäuden an die Stadt Offenburg übergehen. Die Stadt beschäftigt sich bereits mit der Nachnutzung und hat die Menschen in der Nachbarschaft nach ihren Erfahrungen gefragt. Damit bietet sich eine seltene Gelegenheit. Offenburg kann auf einem großen, bereits bebauten Gelände ein Quartier entwickeln und dabei an das anknüpfen, was an diesem Ort schon da ist.
Für uns fängt das mit einem Gang über das Gelände an. Welche Gebäude könnten sich für Wohnungen, eine Werkstatt oder einen Nachbarschaftstreff eignen? Wo stehen heute schon große Bäume, unter denen auch im ersten Sommer des neuen Quartiers Menschen im Schatten sitzen könnten? Wo wäre ein öffentlicher Fußweg für die ganze Oststadt ein Gewinn, und wo wäre ein Hof sinnvoll, über dessen Nutzung die Hausgemeinschaft selbst entscheidet? Dazu gehört für uns auch die Frage, wer sich eine Wohnung an einem solchen Ort leisten kann.
Über diese Dinge möchten wir in Offenburg sprechen, solange die Antworten noch in den Planungsauftrag einfließen können. Das gilt am Ebertplatz wie für andere künftige Quartiere. Wer heute in einer Mietwohnung lebt, Kinder großzieht oder mit dem Rollator einkaufen geht, bringt dafür eine Erfahrung mit, die am Zeichentisch leicht fehlt.
Deshalb unsere Hörempfehlung für alle, die in Offenburg planen, im Gemeinderat entscheiden oder hier zu Hause sind. Und wer mag, kann beim Hören einmal ans eigene Viertel denken: Was kannst du heute direkt vor deiner Haustür tun, das auch in einem neuen Offenburger Quartier selbstverständlich sein sollte?
Zum Anhören
Einfachheit in der Stadt mit Christoph Mäckler und Rebekka Pottgüter. Folge 24 von simplicity – einfach bauen, rund 35 Minuten. Die Passage über den Hof beginnt bei Minute 6:28.
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Siehe auch
Bildquellen
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