Eine weiße Taube mit einem Olivenzweig, dazu der Schriftzug Offenburger FRIEDENSWOCHE vom 08. bis 18. November 2026.

Couragiert widerständig: Die Offenburger Friedenswoche 2026 lädt zum Nachdenken und Mitmachen ein

Vom 8. bis 18. November steht Offenburg im Zeichen des Friedens. Mit Vorträgen, Diskussionen, Film, Kunst, Musik und Begegnungen setzt die Offenburger Friedenswoche ein Zeichen gegen Gewalt, Krieg und die zunehmende Militarisierung unseres Denkens. Das diesjährige Motto „couragiert widerständig“ ist dabei mehr als eine Überschrift: Es ist eine Aufforderung, Verantwortung zu übernehmen.

Frieden braucht mehr als gute Absichten

Die Welt erlebt eine Zeit wachsender Unsicherheit. Kriege zerstören Lebensgrundlagen, internationale Institutionen verlieren an Einfluss, militärische Aufrüstung wird vielerorts zur politischen Selbstverständlichkeit. Wer angesichts dieser Entwicklungen für Diplomatie, Abrüstung und Gewaltfreiheit eintritt, muss sich zunehmend rechtfertigen.

Dabei müsste es genau umgekehrt sein: Nicht das Streben nach Frieden sollte erklärungsbedürftig sein, sondern die Vorstellung, immer mehr Waffen könnten dauerhaft Sicherheit schaffen. Frieden entsteht nicht allein durch die Abwesenheit von Krieg. Er braucht soziale Gerechtigkeit, Menschenrechte, demokratische Teilhabe, die Bereitschaft zum Dialog und eine Gesellschaft, die Konflikte austragen kann, ohne Menschen zu Feinden zu erklären.

Die Offenburger Friedenswoche eröffnet Räume, um über diese Fragen nachzudenken, miteinander zu diskutieren und andere Perspektiven kennenzulernen.

Sicherheit neu denken – auch gegen den politischen Zeitgeist

Zu den politischen Höhepunkten gehört der Vortrag „Sicherheit neu denken“ am Montag, 9. November, um 19 Uhr im Gemeindehaus der Christuskirche in Kehl.

Theodor Ziegler stellt Gedanken aus der ökumenischen Friedensschrift „Wer Frieden will, muss mit dem Feind reden“ vor. Dahinter steht eine unbequeme, aber notwendige Frage: Wie können Konflikte überwunden werden, wenn Gesprächsbereitschaft zunehmend als Schwäche gilt?

Gerade in einer Zeit, in der politische Debatten häufig auf militärische Stärke und Abschreckung verengt werden, verdient der Ansatz einer zivilen, gewaltfreien Sicherheitspolitik Aufmerksamkeit.

Der lange Weg zum Krieg – und mögliche Wege hinaus

Am Donnerstag, 12. November, um 19 Uhr spricht die Politikwissenschaftlerin Petra Erler in der Volkshochschule Offenburg im Kulturforum.

Im Mittelpunkt steht das gemeinsam mit Günter Verheugen verfasste Buch „Der lange Weg zum Krieg“. Darin beschäftigen sich die Autoren mit den politischen Entwicklungen seit den 1990er-Jahren und der Frage, wie die europäische Entspannungspolitik zunehmend durch Konfrontation ersetzt wurde.

Der Vortrag dürfte Raum für kontroverse Diskussionen bieten. Denn über die Ursachen des russischen Angriffskrieges gegen die Ukraine, historische Versäumnisse und politische Verantwortung gibt es unterschiedliche Bewertungen.

Gerade deshalb ist es wichtig, solche Fragen offen zu diskutieren, ohne den russischen Angriff zu relativieren oder berechtigte Sicherheitsinteressen der betroffenen Menschen auszublenden.

Diplomatie bedeutet nicht, Unrecht hinzunehmen. Sie bedeutet, auch unter schwierigsten Bedingungen nach Wegen zu suchen, weiteres Leid zu verhindern.

Ist die UNO noch handlungsfähig?

Eine weitere zentrale Frage behandelt der Journalist und langjährige UN-Korrespondent Andreas Zumach am Mittwoch, 18. November, um 19:30 Uhr im Gemeindehaus der Auferstehungskirche in der Hölderlinstraße 3.

Unter dem Titel „Konflikte weltweit – ist die UNO noch handlungsfähig?“ geht es um die zunehmende Schwächung der Vereinten Nationen durch die Großmächte.

Die Frage berührt die Grundlagen einer internationalen Ordnung, in der nicht allein militärische und wirtschaftliche Macht darüber entscheiden sollten, welches Recht gilt.

Wenn internationale Regeln nur noch dann anerkannt werden, wenn sie den eigenen Interessen dienen, verlieren letztlich alle an Sicherheit.

Gewaltfreiheit ist keine Schwäche

Auch jenseits der großen politischen Debatten bietet die Friedenswoche zahlreiche Möglichkeiten zur Auseinandersetzung.

Am Mittwoch, 11. November, beschäftigt sich Dr. Stefan Walther mit Albert Schweitzers Friedensengagement und der Vision einer Allgemeinen Erklärung der Gewaltfreiheit durch die Vereinten Nationen.

Der Dokumentarfilm „The Third Harmony“ am Dienstag, 17. November, um 19:30 Uhr im Liebfrauenhof beleuchtet die wissenschaftlichen Grundlagen gewaltfreien Handelns. Er zeigt Kooperation und Empathie nicht als naive Wunschvorstellungen, sondern als tief verwurzelte menschliche Fähigkeiten.

Die Ausstellung „Sanftmut“ des Künstlers Wolfgang Ebert, die am 8. November um 15 Uhr in der Andreaskirche eröffnet wird, nähert sich dem Frieden über die sinnliche Erfahrung von Kunst. Sie ist bis Ende November zu sehen.

Musikalische Friedensandachten, Gottesdienste, Friedensgebete und eine Begegnung am Martinsfeuer mit Friedensliedern ergänzen das Programm.

Damit wird deutlich: Friedensarbeit ist nicht allein eine Frage der internationalen Politik. Sie beginnt auch dort, wo Menschen einander begegnen, zuhören, gemeinsam nachdenken und Verantwortung füreinander übernehmen.

Friedenspolitik beginnt auch vor unserer Haustür

Was hat eine internationale Friedensdebatte mit unserem kommunalen Engagement für Demokratie, Klimaanpassung und gesellschaftliche Teilhabe zu tun?

Aus unserer Sicht sehr viel.

Eine friedliche Gesellschaft braucht demokratische Strukturen, in denen unterschiedliche Interessen gehört werden. Sie braucht eine politische Kultur, die Widerspruch nicht als Bedrohung versteht. Und sie braucht soziale Gerechtigkeit, denn Ausgrenzung, Perspektivlosigkeit und wachsende Ungleichheit können gesellschaftliche Konflikte verschärfen.

Auch die Klimakrise ist längst eine Frage des Friedens. Dürren, Wasserknappheit, zerstörte Lebensgrundlagen und erzwungene Migration können bestehende Konflikte verschärfen. Umgekehrt erschweren Kriege die internationale Zusammenarbeit, die zur Bewältigung der Klimakrise dringend gebraucht wird.

Wer sich für eine lebenswerte, gerechte und demokratische Stadt einsetzt, arbeitet deshalb auch an gesellschaftlichen Voraussetzungen für Frieden.

Couragiert widerständig zu sein bedeutet, sich nicht mit vermeintlichen Sachzwängen abzufinden. Es bedeutet, Alternativen einzufordern, auch wenn diese unbequem sind.

Elf Tage für den Frieden – eine Einladung an alle

Die Offenburger Friedenswoche wird von einem breiten Bündnis getragen, darunter die Deutsche Friedensgesellschaft – Vereinigte KriegsdienstgegnerInnen (DFG-VK) Mittelbaden, evangelische und katholische Kirchengemeinden, Pax Christi, die Stiftung Deutsches Albert-Schweitzer-Zentrum, die Gemeinschaft der Arche, Chemins de Paix – Friedenswege, der Liebfrauenhof und die Volkshochschule Offenburg.

Das vielfältige Programm zeigt, dass sich Friedensarbeit nicht auf eine einzelne Organisation, Religion oder politische Richtung beschränken lässt.

Wir möchten dazu ermutigen, die Veranstaltungen zu besuchen, Fragen zu stellen und miteinander ins Gespräch zu kommen – gerade auch dann, wenn unterschiedliche Auffassungen aufeinandertreffen.

Denn Demokratie lebt vom Streit um den richtigen Weg. Frieden lebt davon, dass dieser Streit ohne Gewalt geführt wird.

Frieden ist keine Selbstverständlichkeit. Er ist eine politische, gesellschaftliche und persönliche Aufgabe. Und er braucht Menschen, die bereit sind, dafür einzustehen.

Offenburger Friedenswoche 2026

  1. bis 18. November 2026

Veranstaltungsorte in Offenburg und Kehl.

Das vollständige Programm mit allen Terminen, Uhrzeiten und Veranstaltungsorten ist dem Veranstaltungsflyer zu entnehmen.

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