Wie unterschiedlich war die Beteiligung an der Offenburger OB-Stichwahl? Unsere neue Karte führt Urnen- und Briefwahl zusammen. Auch mit dieser vollständigeren Betrachtung bleiben große Unterschiede: Die berechneten Quoten reichen von 19,9 bis 56,2 Prozent.
In unserem vorherigen Beitrag haben wir beschrieben, warum einzelne Wahllokalergebnisse kein vollständiges Bild der Beteiligung in einem Wohngebiet liefern. Jetzt legen wir die entsprechende Auswertung vor: eine Karte der OB-Stichwahl vom 25. Oktober 2026, die auch die Briefwahl berücksichtigt.
Damit ergänzen wir die uns bekannten lokalen Darstellungen, in denen Urnen- und Briefwahl bisher nicht räumlich zusammengeführt wurden. Grundlage sind das amtliche Ergebnis und die von der Stadt mitgeteilte Zuordnung für die Stichwahl.
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Inhalt
ToggleAuch einschließlich Briefwahl große Unterschiede
Stadtweit lag die Wahlbeteiligung bei 37,2 Prozent. Hinter diesem Durchschnitt liegen sehr unterschiedliche Werte. Einige Beispiele aus unserer Zusammenführung:
| Gebiet | Zugeordnete Stimmbezirke | Wahlbeteiligung einschließlich Briefwahl |
|---|---|---|
| BW 08 | 19, 20, 21, 22, 23, 24 | 19,9 % |
| BW 16 | 4, 5 | 24,7 % |
| BW 13 | 3, 17, 18 | 25,8 % |
| BW 06 | 13, 14 | 45,0 % |
| BW 14 | 32, 33 | 50,7 % |
| BW 11 | 30, 38 | 56,2 % |
Zwischen dem niedrigsten und dem höchsten Wert liegen rund 36,3 Prozentpunkte. Im Gebiet BW 08 beteiligte sich rechnerisch etwa jede fünfte wahlberechtigte Person, im Gebiet BW 11 mehr als jede zweite.
Die Karte zeigt damit: Die erheblichen Unterschiede verschwinden durch die Berücksichtigung der Briefwahl nicht. Wie groß die Beteiligung in einem zusammengefassten Gebiet ausfällt, lässt sich aber erst mit beiden Wahlwegen sinnvoll beschreiben.
Was die Briefwahl an der Betrachtung verändert
Im Gebiet BW 08 wurden in den zugehörigen Wahllokalen insgesamt 885 Wählende erfasst. Hinzu kommen 381 aus der Briefwahl. Zusammen sind das 1.266 von 6.357 Wahlberechtigten – also die dargestellten 19,9 Prozent.
Wer hier ausschließlich die Urnenwahl zählt, kommt auf etwa 13,9 Prozent. Die Briefwahl ergänzt die rechnerische Beteiligung somit um rund sechs Prozentpunkte. Das ist eine erhebliche Differenz, auch wenn die Beteiligung insgesamt niedrig bleibt.
Noch einmal anders sieht die Zusammensetzung in BW 16 aus: Zu 388 Wählenden in den Wahllokalen kommen 329 aus der Briefwahl. Fast die Hälfte der dort zusammengefassten Wählenden wurde also per Briefwahl erfasst. Insgesamt ergibt sich eine Beteiligung von 24,7 Prozent.
Solche Unterschiede zeigen, warum eine Karte allein mit Wahllokalergebnissen für die räumliche Einordnung nicht ausreicht.
So lässt sich die Karte lesen
Die 42 Urnenwahlbezirke wurden entsprechend ihrer Zuordnung zu den 18 Briefwahlbezirken zusammengefasst. Für jedes Gebiet haben wir die Wählenden beider Wahlwege addiert und durch die Zahl der Wahlberechtigten der zugehörigen Urnenwahlbezirke geteilt.
BW bezeichnet den Briefwahlbezirk, SB die zugeordneten Stimmbezirke. Die Prozentzahl gibt die gemeinsam berechnete Beteiligung an. Rot steht für niedrigere, Blau für höhere Werte – die Farben bezeichnen keine Parteien.
Diese Gebiete sind nicht durchgehend mit Stadtteilen oder Ortschaften identisch. Beispielsweise umfasst BW 11 die Stimmbezirke 30 und 38: Fessenbach und einen Teil von Zell-Weierbach. Die 56,2 Prozent gelten für dieses gemeinsame Gebiet. Große Flächen auf der Karte stehen außerdem nicht automatisch für viele Wahlberechtigte.
Eine Grundlage für weitere Fragen
Die Karte zeigt, wo die Beteiligung unterschiedlich hoch ausfällt. Sie erklärt noch nicht, warum. Aus der Farbe eines Gebietes lassen sich weder persönliche Wahlmotive noch die Gründe für das Fernbleiben ableiten.
Für die weitere Diskussion bietet die Auswertung aber eine konkretere Grundlage: Wo erreichen politische Angebote die Menschen? Welche Erfahrungen machen sie mit kommunalen Entscheidungen? Und wie lassen sich auch diejenigen einbeziehen, die bei Wahlen nicht teilnehmen?
Mit der Einbeziehung der Briefwahl ist ein wichtiger Teil der Beteiligung nun räumlich sichtbar. Darauf können weitere Auswertungen und Gespräche aufbauen.
Hinweis zur Genauigkeit: Die Quoten sind nach der Auszählungszuordnung berechnet und nicht vollständig wohnortgenau. BW 12 umfasst laut Auskunft zusätzlich zwischen 17 und 18 Uhr eingegangene Wahlbriefe aus anderen Gebieten. Auch Stimmabgaben mit Wahlschein in einem anderen Wahllokal können räumliche Abweichungen verursachen. Die Gebietsgrenzen wurden für die Darstellung geringfügig bereinigt.
Daten und Methode: Stadt Offenburg, amtliches Ergebnis der OB-Stichwahl vom 25.10.2026, Ergebnisstand 28.10.2026; Zuordnung der Urnen- und Briefwahlbezirke nach Auskunft der Stadt. Eigene Zusammenführung und Berechnung: KfUTD / Ralph Fröhlich.
Amtliches Ergebnis: https://wahlergebnisse.komm.one/23/produktion/8317096/1/20261025/buergermeisterwahl_gemeinde/index.html
Kartengrundlage: © OpenStreetMap contributors, https://www.openstreetmap.org/copyright
Bildquellen
- eule logo kfutd spenden: © https://kfutd.de | CC BY-NC 4.0 International


