Wie hat Offenburg gewählt? Wer die Ergebnisse nach Stadtteilen verstehen möchte, stößt auf eine Schwierigkeit: Urnenwahl und Briefwahl werden getrennt ausgewiesen. Bei der OB-Stichwahl wurden rund 36 Prozent aller Wählenden per Briefwahl gezählt. Wer nur auf die Ergebnisse der Wahllokale schaut, lässt damit einen erheblichen Teil der Beteiligung unberücksichtigt.
Das zeigt sich am Wahlbezirk 21, dem Stadtteil- und Familienzentrum Albersbösch. Dort wurden im Wahllokal 79 Wählende gezählt. Daraus wird jedoch schnell eine missverständliche Aussage: „In Albersbösch waren nur 79 Menschen wählen.“ Tatsächlich beschreibt diese Zahl weder den gesamten Stadtteil noch die vollständige Beteiligung der Menschen aus diesem Wahlbezirk. Ihre Briefwahlstimmen werden an anderer Stelle gezählt.
Um beide Teile zusammenzuführen, muss bekannt sein, welche Urnenwahlbezirke zu welchem Briefwahlbezirk gehören. Diese Zuordnung ist nicht Bestandteil der veröffentlichten Ergebnistabellen. Eine entsprechende Übersicht haben wir erst auf Anfrage bei der Stadt erhalten.

Zusätzlich wurde die Zuordnung zwischen dem ersten Wahlgang und der Stichwahl verändert. Urnenwahlbezirk 38 gehörte zunächst zu Briefwahlbezirk 2, bei der Stichwahl dann zu Briefwahlbezirk 11. Dort wurden somit die Briefwahlstimmen aus Fessenbach gemeinsam mit denen aus einem Teil von Zell-Weierbach ausgezählt. Für einen Vergleich beider Wahlgänge müssen deshalb größere Gebiete zusammengefasst werden. Ein vollständiges Ergebnis für Fessenbach allein lässt sich aus den veröffentlichten Summen der Stichwahl nicht mehr herauslesen.
Wir beschreiben diese Schwierigkeiten, weil sie für die Interpretation der Zahlen wichtig sind. Die getrennte Auszählung stellt das Gesamtergebnis nicht infrage. Sie begrenzt aber die Aussagen, die wir über einzelne Stadtteile treffen können. Insbesondere lässt sich aus einer niedrigen Zahl von Wählenden im Wahllokal nicht unmittelbar auf eine geringe Wahlbeteiligung im Wohngebiet schließen.
Hilfreich wären deshalb eine öffentlich zugängliche Zuordnung für jeden Wahlgang und ergänzende Auswertungen, die Urnen- und Briefwahl für nachvollziehbar abgegrenzte Gebiete zusammenführen. So könnten Interessierte und lokale Medien die Ergebnisse leichter einordnen. Denn wenn wir verstehen wollen, wie Offenburg wählt, müssen auch die per Briefwahl abgegebenen Stimmen in diesem Bild sichtbar sein.
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