Group of people standing on a large city map laid on cobblestones during a street fair.

Wem geht’s zu Fuss in Offenburg? Ein Stadtplan, viele Gespräche und eine kleine Lektion in Versammlungsfreiheit

Am Samstag standen wir mit dem FUSS e.V., der Konferenz für Urban Transformation Design und unserem begehbaren Stadtplan auf dem Offenburger Marktplatz. Die Idee war einfach: Menschen sollen zeigen können, wo sie in Offenburg gerne zu Fuß unterwegs sind, wo sie sich unsicher fühlen und wo es Verbesserungsbedarf gibt.

Kaum aufgebaut, begann der Tag allerdings mit einer unerwarteten Diskussion. Der Marktleiter war der Auffassung, wir müssten unseren Standort räumen und uns einen anderen Platz suchen. Außerdem störte ihn ein Plakat, das auf die Anwesenheit von OB-Kandidat Ulrich Albicker hinwies. Dieser war von uns eingeladen worden und stand den ganzen Vormittag für Gespräche zur Verfügung – genau so, wie es bereits in der Anmeldung der Versammlung angekündigt worden war.

People walk and browse stalls in a sunny town square with a pink ornate building, flags, and market banners behind them.

Offen gesagt: In diesem Moment war ich ziemlich verärgert. Wir hatten die Versammlung ordnungsgemäß angemeldet. Es gab keine Auflagen. Der Rettungsweg war frei. Und trotzdem entstand der Eindruck, als müssten wir uns rechtfertigen, überhaupt auf dem Marktplatz präsent zu sein.

Zum Glück ließ sich die Situation schnell klären. In einem Gespräch bestätigte die Polizei unsere Einschätzung: Die angemeldete Versammlung konnte wie geplant stattfinden.

Danach rückte das eigentliche Thema wieder in den Mittelpunkt: der Fußverkehr in Offenburg. Und genau dafür waren wir gekommen.

Im Laufe des Vormittags kamen zahlreiche Menschen vorbei, blieben stehen, diskutierten und markierten ihre Hinweise direkt auf dem Stadtplan. Besonders häufig ging es um die Innenstadt und die Wege dorthin.

  • Wo fehlen sichere Querungen?
  • Wo werden Gehwege durch parkende Autos blockiert?
  • Wo entstehen Konflikte zwischen Fußgängern und Radfahrern?
  • Wo fühlen sich ältere Menschen, Familien mit Kindern oder Menschen mit Mobilitätseinschränkungen unsicher?

Die Rückmeldungen waren konkret und oft sehr alltagsnah. Es ging nicht um abstrakte Verkehrspolitik, sondern um tägliche Wege: zum Markt, zur Arbeit, zur Schule, zum Bahnhof oder zum Einkaufen.

Mehrfach wurde auf Konflikte zwischen Fuß- und Radverkehr hingewiesen. Andere kritisierten parkende Fahrzeuge auf Gehwegen oder bemängelten fehlende Querungsmöglichkeiten. Wieder andere fragten, warum Fußgängerinnen und Fußgänger an manchen Stellen immer wieder Umwege in Kauf nehmen müssen, während für den Autoverkehr nahezu jede Verbindung selbstverständlich vorhanden ist.

Besonders spannend war, dass viele Menschen nicht nur Probleme benannten, sondern gleich Ideen für Verbesserungen mitbrachten. Genau darin liegt für uns der Wert solcher Aktionen.

Während über Mobilität oft laut gestritten wird, entsteht auf einem begehbaren Stadtplan etwas anderes: Menschen kommen miteinander ins Gespräch. Sie erklären ihre Sichtweisen. Sie zeigen Orte, die sie beschäftigen. Und plötzlich wird aus einer abstrakten Debatte eine konkrete Diskussion über die eigene Stadt.

Der Marktplatz hat an diesem Samstag genau das geleistet, was öffentliche Plätze leisten sollten: Er wurde zum Ort der Begegnung, des Austauschs und der Beteiligung.

Die vielen Hinweise werden wir nun auswerten und der Stadtverwaltung sowie dem Gemeinderat zur Verfügung stellen. Denn die wichtigste Frage lautet jetzt nicht mehr, wo wir unseren Stadtplan auslegen durften. Die wichtigste Frage lautet: Was machen wir mit all den Ideen und Hinweisen, die die Menschen eingebracht haben?

Wir finden: Eine lebenswerte Stadt beginnt dort, wo Menschen gerne zu Fuß unterwegs sind.

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