Wie wollen die Kandidatinnen und Kandidaten für das Amt des Offenburger Oberbürgermeisters mit den Menschen in unserer Stadt zusammenarbeiten? Welche Rolle spielen Bürgerinitiativen, Vereine und ehrenamtliches Engagement? Und wie kann Demokratie auch zwischen den Wahlen lebendig bleiben?
Mit diesen Fragen startet die Konferenz für Urban Transformation Design (KfUTD) eine kleine Interviewreihe zur Oberbürgermeisterwahl 2026. Allen Kandidatinnen und Kandidaten haben wir dieselben fünf Fragen zu Bürgerbeteiligung, demokratischen Instrumenten und einer offenen Beteiligungskultur gestellt. Die Antworten veröffentlichen wir unverändert, damit sich jede und jeder selbst ein Bild machen kann.
Den Anfang macht Ulrich Albicker. Er hat unsere Fragen beantwortet und beschreibt, wie er sich eine Stadt vorstellt, in der Bürgerinnen und Bürger nicht nur informiert werden, sondern Entscheidungen aktiv mitgestalten können.
Wir bedanken uns bei Ulrich Albicker für die Bereitschaft zum Gespräch und laden auch die weiteren Kandidaten herzlich ein, unsere fünf Fragen zu beantworten. Sobald uns ihre Antworten vorliegen, werden wir sie ebenfalls unverändert veröffentlichen.
Inhalt
ToggleUli Albicker – Bürgerbeteiligung und Demokratie
1. Was bedeutet Bürgerbeteiligung für Sie? Wie können die Menschen in Offenburg auch zwischen den Wahlen mitreden und mitgestalten?
Demokratie endet für mich nicht am Wahltag. Wer Verantwortung für eine Stadt übernimmt, sollte den Menschen auch zwischen den Wahlen zuhören und sie an wichtigen Entscheidungen beteiligen.
In Offenburg gibt es viel Wissen und Engagement – in Vereinen, Bürgerinitiativen, Unternehmen und den Nachbarschaften. Dieses Wissen möchte ich nutzen. Gute Ideen sollen früh gehört werden, bevor Entscheidungen getroffen sind. So entstehen bessere Lösungen und mehr Vertrauen.
Ich möchte Oberbürgermeister für alle Offenburgerinnen und Offenburger sein – nicht nur für diejenigen, die ohnehin schon Gehör finden. Bürgerbeteiligung bedeutet für mich, gemeinsam Verantwortung für unsere Stadt zu übernehmen.
2. Wie gehen Sie mit Menschen um, die sich in Bürgerinitiativen oder Vereinen für ihre Stadt engagieren? Was erwarten Sie von ihnen – und was können sie von Ihnen erwarten?
Wer sich freiwillig für unsere Stadt einsetzt, verdient Respekt und ein offenes Ohr – auch wenn wir nicht immer einer Meinung sind.
Ich wünsche mir einen fairen Austausch auf Augenhöhe. Kritik gehört zur Demokratie und ist oft der Anfang einer guten Lösung. Unterschiedliche Sichtweisen helfen dabei, Entscheidungen zu verbessern.
Von mir können engagierte Menschen erwarten, dass ich zuhöre, nachvollziehbar entscheide und erkläre, warum etwas möglich ist oder auch nicht. Ehrlichkeit ist mir wichtiger als leere Versprechen. Gleichzeitig wünsche ich mir einen respektvollen Umgang miteinander und die Bereitschaft, gemeinsam nach tragfähigen Lösungen zu suchen.
3. Welche Möglichkeiten möchten Sie schaffen, damit wichtige Entscheidungen nicht nur im Rathaus, sondern gemeinsam mit den Bürgerinnen und Bürgern vorbereitet werden? Haben Sie dafür konkrete Ideen?
Beteiligung muss früh beginnen – nicht erst, wenn die Pläne fertig sind.
Ich möchte bei wichtigen Projekten die Menschen frühzeitig einbeziehen. Dafür gibt es bewährte Instrumente, die wir in Offenburg stärker nutzen können: regelmäßige Einwohnerversammlungen in den Stadtteilen, Bürgerräte mit zufällig ausgelosten Bürgerinnen und Bürgern, Beteiligungs- und Planungswerkstätten, Jugendbeteiligung, digitale Beteiligungsplattformen und Bürgerbudgets, über die die Menschen über einen Teil des städtischen Haushalts entscheiden können. Wenn es um grundlegende Zukunftsfragen geht, gehören für mich auch faire Bürgerbegehren und Bürgerentscheide zu einer lebendigen Demokratie.
Nicht jedes Instrument passt zu jeder Entscheidung. Wichtig ist, dass Beteiligung früh beginnt, transparent gestaltet wird und die Ergebnisse ernst genommen werden. Engagierte Bürgerinnen und Bürger sind für mich keine Störung, sondern Mitgestalter unserer Stadt.
4. Gab es in Ihrem Leben eine Situation, in der engagierte Bürgerinnen und Bürger Ihre Meinung verändert haben? Was haben Sie daraus gelernt?
Ja, solche Situationen gab es immer wieder.
In meinem Berufsleben und auch im Ehrenamt habe ich erlebt, dass andere Menschen Erfahrungen mitbringen, die ich selbst nicht habe. Wenn man wirklich zuhört, verändert das oft den eigenen Blick auf eine Situation.
Ich habe gelernt, dass niemand allein alle Antworten kennt. Gute Entscheidungen entstehen dort, wo unterschiedliche Erfahrungen, Fachwissen und Lebensrealitäten zusammenkommen. Deshalb sehe ich Bürgerbeteiligung nicht als Hindernis, sondern als Chance.
5. Wenn Sie Oberbürgermeister werden: Was möchten Sie in den ersten 100 Tagen tun, damit die Demokratie in Offenburg offener und näher an den Menschen wird?
Ich möchte zunächst viele Gespräche führen – mit Bürgerinnen und Bürgern, Vereinen, Initiativen, Unternehmen, den Ortschaften und den Mitarbeitenden der Stadtverwaltung. Zuhören ist für mich der erste Schritt guter Politik.
Gleichzeitig möchte ich gemeinsam mit Gemeinderat, Verwaltung und Bürgerschaft Leitlinien für gute Bürgerbeteiligung entwickeln. Ziel ist ein verlässlicher Werkzeugkasten, der festlegt, welche Beteiligungsform bei welchen Themen sinnvoll ist.
Ich möchte regelmäßige Einwohnerversammlungen etablieren, einen ersten Bürgerrat zu einem wichtigen Zukunftsthema auf den Weg bringen, die Einführung eines Bürgerbudgets prüfen und die Transparenz städtischer Entscheidungen verbessern.
Mein Ziel ist eine Stadt, in der die Menschen erleben: Ihre Meinung ist gefragt, ihr Engagement wird ernst genommen und sie können Offenburg aktiv mitgestalten. Bürgerbeteiligung darf kein Ausnahmefall sein – sie sollte ein selbstverständlicher Teil unserer Demokratie werden.
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