Der DUH-Hitzecheck hat Offenburg bundesweit auf den letzten Platz gesetzt. Beim Anteil der Fläche mit Baumkronenüberdeckung kommt die Stadt nur auf 12,8 Prozent. Empfohlen werden nach der 3-30-300-Regel mindestens 30 Prozent Beschirmung im Wohnumfeld. Das ist bereits dramatisch genug.
Unsere eigene kartografische Darstellung auf Grundlage der DUH-HitzeCheck-Daten und UrbanGreenEye zeigt nun aber noch deutlicher, was hinter dieser Durchschnittszahl steckt: Große Teile Offenburgs liegen nicht nur unter dem empfohlenen Zielwert. Sie liegen sogar unter dem ohnehin schlechten Offenburger Durchschnitt.
Mit anderen Worten: Die 12,8 Prozent sind kein Ausrutscher in einer ansonsten grünen Stadt. Sie sind ein Mittelwert über eine Stadt, in der zahlreiche Quartiere noch deutlich weniger Schutz durch Baumkronen haben.
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ToggleDer Durchschnitt verdeckt die Härte vor Ort
Wer nur auf die Gesamtzahl schaut, könnte meinen: Offenburg liegt eben bei knapp 13 Prozent. Schlecht, aber immerhin gibt es ja auch grünere Bereiche. Die Karte zeigt etwas anderes.
Weite Bereiche der Stadt liegen im roten und orangefarbenen Bereich: Dort beträgt die Baumbeschirmung nur 5 bis 15 Prozent. Das bedeutet: kaum Schatten, wenig Verdunstungskühlung, wenig Schutz vor aufgeheizten Straßen, Fassaden und Plätzen.
Besonders bitter ist dabei: Betrachtet wurden nicht einfach Wälder, Wiesen und Landschaftsräume rund um Offenburg, sondern vor allem Siedlungs- und Verkehrsflächen. Also genau jene Räume, in denen Menschen wohnen, arbeiten, einkaufen, zur Schule gehen, auf den Bus warten oder sich zu Fuß und mit dem Rad bewegen.
Es geht also nicht um abstrakte Satellitendaten. Es geht um Alltag. Um Gesundheit. Um Aufenthaltsqualität. Um die Frage, ob eine Stadt in heißen Sommern noch funktioniert.
Der Zielwert liegt bei 30 Prozent — Offenburg erreicht ihn fast nirgends
Die 30-Prozent-Marke ist kein Luxusziel für besonders grüne Vorzeigestädte. Sie ist ein Orientierungswert dafür, wie viel Baumkronenüberdeckung ein Stadtgebiet braucht, um spürbar resilienter gegen Hitze zu werden.
Auf der Karte ist deutlich zu sehen: Blau, also Bereiche mit mehr als 30 Prozent Beschirmung, kommt praktisch nicht vor. Auch grün, also die Nähe zum Zielwert, bleibt selten.
Die meisten Flächen liegen weit darunter. Viele sogar so weit darunter, dass kleine Pflanzaktionen, einzelne Klimahaine oder ein paar Ersatzbäume das Problem nicht lösen werden. Offenburg hat kein Dekorationsproblem. Offenburg hat ein strukturelles Schattenproblem.
Hitze trifft nicht alle gleich
Baumbeschirmung ist nicht nur eine ökologische Kennzahl. Sie ist auch eine soziale Frage. Wer ein Haus mit Garten, Klimaanlage oder Auto hat, kann Hitze eher ausweichen. Wer in einer stark versiegelten Straße wohnt, auf den Bus wartet, zu Fuß einkaufen geht, im Dachgeschoss lebt oder gesundheitlich vorbelastet ist, spürt die fehlenden Bäume unmittelbar.
Wenn ganze Quartiere unter 10 oder 15 Prozent Beschirmung liegen, dann ist das keine Randnotiz. Dann bedeutet das: Kinderwege, Schulwege, Arbeitswege und Einkaufswege werden an heißen Tagen belastender und gefährlicher. Öffentliche Räume verlieren ihre Funktion als Orte des Aufenthalts. Die Stadt zieht sich in Innenräume zurück — sofern Menschen sich diese Innenräume leisten können.
Die Stadt muss aufhören, in Einzelbäumen zu denken
Natürlich zählt jeder Baum. Aber die Karte zeigt: Es reicht nicht, einzelne Bäume nachzupflanzen und das als Erfolg zu verkaufen. Offenburg braucht einen echten Beschirmungsplan. Nicht irgendwann. Jetzt. Dazu gehören aus unserer Sicht:
Erstens ein Moratorium für vermeidbare Fällungen gesunder großer Bäume. Wer Schatten verliert, den man erst in Jahrzehnten ersetzen kann, verschärft die Krise.
Zweitens ein verbindliches Ziel: 30 Prozent Baumbeschirmung in den Siedlungs- und Verkehrsflächen. Nicht als hübsche Vision, sondern als messbarer Plan mit Zwischenzielen.
Drittens eine Priorisierung der schlechtesten Quartiere. Dort, wo die Karte rot ist, muss zuerst gehandelt werden.
Viertens die konsequente Entsiegelung von Flächen. Wer neue Bäume will, braucht Boden, Wasser und Wurzelraum. Ohne Entsiegelung bleibt Stadtgrün Kosmetik.
Fünftens ein neuer Standard bei allen Straßenumbauten: alle 15 Meter ein großkroniger Baum, wo immer es technisch möglich ist. Parkplätze, Leitungen und Fahrbahnbreiten dürfen nicht länger automatisch wichtiger sein als Schatten, Gesundheit und Lebensqualität.
Und sechstens eine jährliche öffentliche Bilanz: Wie entwickeln sich Baumbestand, Grünvolumen, Baumbeschirmung und Versiegelung wirklich? Nicht als schöne Pressemitteilung, sondern als nachvollziehbare Datenbasis.
Der letzte Platz ist nicht das Ende der Debatte. Er ist der Anfang.
Der DUH-Hitzecheck hat Offenburg bundesweit sichtbar gemacht. Manche haben versucht, über Methodik, Rankings oder Vergleichbarkeit zu diskutieren. Diese Fragen kann man stellen. Aber die Karte macht deutlich: Selbst wenn man nicht über den letzten Tabellenplatz sprechen möchte, bleibt das Problem unübersehbar. Offenburg ist in weiten Teilen zu schlecht beschirmt. Viel zu schlecht.
Die Stadt wird heißer. Die Sommer werden härter. Und die Antwort darauf kann nicht sein, weiter große Bäume zu verlieren, neue Straßenräume kahl zu planen und anschließend ein paar grüne Inseln als Klimaanpassung zu verkaufen. Diese Karte ist deshalb mehr als eine Darstellung von Daten. Sie ist eine Aufforderung.
Offenburg braucht Schatten. Flächendeckend. Verbindlich. Messbar. Und vor allem dort, wo heute fast keiner ist.
Bildquellen
- Baumbeschirmung Offenburg 2025: © https://kfutd.de | CC BY-NC 4.0 International
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